Laien
„Mädchen, jetzt geht nach Hause“
Aus: Ausgabe 21/2011
Der Frust wächst. Katholikinnen sind erfolgreich – aber nicht in ihrer Kirche
Offizielle Katholikinnen sehen gut aus, auch wenn sie leiden. Businesslook as usual. Sie tragen anthrazitfarbene Blazer über Shirts. Hell kommt weniger vor, Bluse gelegentlich. Röcke sind noch seltener und immer lang. Die wenigen jüngeren tragen überwiegend schwarz. Und es sind fast nur Kurzhaarfrisuren zu sehen, die meisten grau. Das Engagement in der Kirche verlangt ein praktisches Outfit.
Katholische Frauen müssen warten. Auf Anerkennung, wie sie sagen. Darauf, dass sie mitbestimmen können oder wenigstens respektiert werden. Im außerkirchlichen Leben sind sie umso erfolgreicher. In der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken fühlen sich Angestellte unterrepräsentiert, Arbeiterinnen schon gar. Professorinnen, Unternehmerinnen und – vor allem – Politikerinnen melden sich zu Wort, ähnlich wie in evangelischen Kirchenleitungen. Kein Wunder, dass das Gremium sich bei seinen Treffen leidenschaftlich gern mit Gerechtigkeit, Aids und Bildungschancen beschäftigt. Und mit Gleichberechtigung. Kritiker sagen dann gern, die Berufskatholikinnen seien unspirituell und überpolitisiert. Freunde loben, dass sie Brücken bauen zwischen ihrer Kirche und den Menschen draußen im Land, draußen, da, wo die Kirche nicht mehr ist.
Wenn allerdings die Rede auf die Kirche kommt, bricht sich das Leiden Bahn. „Wie Israel, 40 Jahre durch die Wüste“, so interpretiert eine von ihnen – graue Bluse, grauer Schopf – die Jahre ihres Engagements. Und Karin Kortmann, die frühere Entwicklungsstaatssekretärin und heute eine der Vizepräsidentinnen der katholischen Laien, berichtet von Bischöfen, „mit denen man ein vernünftiges Gespräch führt, und am Ende sagen sie: ,So, Mädchen, jetzt geht nach Hause, kümmert euch um euren Mann, und wenn dann noch Zeit ist, geht ihr in die Frauengemeinschaft.‘“ Sie meint, Frauen müssten „auf der Basis der Würzburger Synode“ argumentieren. Die Würzburger Synode scheint ein magischer Ort zu sein, das Atlantis der katholischen Laien. Sie endete 1975 und sollte die Kirche modernisieren. Und hat die meisten jetzt noch aktiven Frauen in katholischen Führungspositionen zu ihrem Engagement begeistert. Vielleicht deshalb sind sie immer noch da. Mit einem verletzten Traum, einer untergehenden Vision. „Würzburger Synode, dat is ja peinlich“, entgegnet eine Kollegin Karin Kortmanns aus der Politik in rheinischem Singsang und dunkelgrauem Hosenanzug. „Et is ja nix passiert.“
Katholikinnen erleben einen offenen oder sublimen Klerikalismus, der Frauen keinen anderen Platz als die Familie zugestehen wolle, schrieb Kortmann in der „Frankfurter Rundschau“ zusammen mit ihrer Mit-Vizepräsidentin Claudia Lücking-Michel, die im Hauptamt das Cusanuswerk leitet, die Studienförderung der katholischen Kirche. Lücking-Michel argumentiert theologisch und scharf: Laien und Kleriker bildeten zwei Brennpunkte einer Ellipse. Aber sie sagt „Elypse“, und es klingt wie Apokalypse. Sie vergisst nicht, dass sie vor elf Jahren einen Vertreter des Vatikans vor den drei Menschheitsgefahren warnen hörte: Communismo, Oecumenismo, Feminismo. „Frauen und Männer bilden zusammen die Kirche, auch wenn das nicht zum Ausbildungskanon in Rom gehört“, entgegnet sie ihm, der es nicht hört.
Die Politikerin mit dem rheinischen Singsang hält sich nicht mehr bei Sollbestimmungen auf. Sie erinnert an die Zeilen der beiden Vizepräsidentinnen, die auf Widerstand gestoßen sind: „Et stimmt einfach, dat wir ’ne männergeleitete Frauenkirche sind. Und et stimmt, dat wir ’ne Priesterkirche sind.“ Zornig-sehnsüchtig schiebt sie nach: „Ich möchte noch erleben, dat meine Nichten mich nich’ für ’ne bekloppte alte Tante halten und auch nich’ die Kolleginnen, mit denen ich politisch auf’m Weg bin.“





