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Ihr Motiv: Maria Wutz

Zitherpartie mit Brauntönen

Aus: Ausgabe 47/2012

Missklang in der CSU: Die Starnbergerin vererbte der Hanns-Seidelstiftung ihr Millionenvermögen, um die Volksmusik zu fördern. Nur leider hat sie einst Adolf Hitler schon Starthilfe gegeben.

Foto: Bayerische Staatsbibliothek München

Diese Frau im schmissigen Wagner-Kostüm könnte für Horst Seehofer zum Problem werden. Obwohl sie bereits 1983 verstorben ist. Denn Maria Wutz und ihr Gatte Max legten ihr Millionenerbe in die Hände von Seehofers Partei. Das Geld wurde der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung übereignet.

Dass dieses Vermögen durch die besondere Nähe zu einer ganz anderen Partei erwirtschaftet wurde, nämlich der NSDAP, bringt nun die CSU-Oberen in Bedrängnis. Der „Spiegel“ hat’s enthüllt, und keiner will davon gewusst haben. Das Starnberger Paar hatte doch nur testamentarisch verfügt, dass die Stiftung alljährlich einen Preis ausloben soll, zur Förderung der bayerischen Volksmusik. Alles schön und bieder. Jetzt spielen in dieses unschuldige Weiß-Blau deutliche Brauntöne hinein.

Maria Wutz hat den Blutorden, das höchste Ehrenzeichen, das die Nazis nur an „Kämpfer der ersten Stunde“ vergaben, stolz aufbewahrt. Was für ein historischer Fortschritt, dass Familie Wutz später nur noch Zitherspielerinnen, Blasmusiker und Jodler förderte. Früher gab sie einem ganz anderen Starthilfe: Adolf Hitler. Max Wutz nahm am Münchner Putsch 1923 teil, sponserte den „Völkischen Beobachter“. Zum Dank ließ Hitler dessen Frau Maria, die wegen „der anmaßenden Frechheit der Juden“ früh zu den Nazis stieß, zur Wagner-Sängerin ausbilden. 1933 durfte sie vor Hitler zum zehnjährigen Jubiläum des Putsches die Elsa aus „Lohengrin“ singen.

Rührte daher ihre Liebe zu patriotischen Gesängen? Eine Forscherin wies die Stiftung 2011 auf diese Verstrickung hin. Der Namen Wutz wurde getilgt, der Preis aber weiterhin vergeben nach festgelegtem Ritual: Bayerischer Defiliermarsch am Anfang, Bayernhymne am Schluss. Die Verleihung wird nun so lange ausgesetzt, bis die Geschichte des Vermögens geklärt ist. Bis dahin gilt: Weiß-blau ist die Haselnuss!

Erschienen in:
Ausgabe 47/2012
Redakteur:
Andreas Öhler (Redakteur)
Thema:
Motiv
Stichworte:
Kultur, Innenpolitik, Ethik, Wirtschaft