Sein Motiv: Sigmar Gabriel
Wenn wir buddeln Seit an Seit...
Aus: Ausgabe 34/2012
Der SPD-Chef ist eigentlich in Elternzeit und löst am Wickeltisch Weltprobleme. Von Auszeit keine Spur

Die K-Frage ist für den SPD-Chef im Augenblick geregelt: Kinderstube und Küche. Denn Sigmar Gabriel befindet sich in Elternzeit. Normalerweise ist das eine stille, eine stillende Angelegenheit. Doch dieser Politiker lärmt am Wiegenbett. Er telefoniert ununterbrochen. Twittern und Füttern bringt er multitaskingmäßig lässig überein nach Art dieser alles könnenden „modernen Kraftpakete“ in der Haushaltsgerätewelt: „Der Bürst- und Klopfsauger haut gern auf den Putz“, heißt es da im Werbetext, „und zwar so, dass er dabei ordentlich Staub aufwirbelt. Auf diese Weise entlockt er selbst hochflorigen, dicken Teppichen das letzte Staubflöckchen.“
Sigmar Gabriel scheint einen Kinderwagen mit Turboantrieb zu schieben, denn er ist überall im Fernsehen zu sehen. Auf dem „Heute zu erledigen“-Zettel am Kühlschrank steht wahrscheinlich als erster Punkt: Schweizer Banken. Dann folgen Windeln und Babycreme. Seine Genossinnen wären sicher froh, wenn seine Auszeit fürs Kind auch wirklich eine Auszeit wäre. Doch den Gefallen tut er ihnen nicht. Lieber löst er vom Wickeltisch aus die großen Probleme der Menschheit und mischt kräftig bei der Kanzlerkandidatenkür mit. Seine Lebensgefährtin Anke Stadler führt derweil ihre Zahnarztpraxis in Magdeburg weiter. Sie braucht wohl Erholung.
Den Zahn hat sie sich bestimmt längst gezogen, ihr Mann könnte zum Hausmann mutieren, der auf Dauer Seit an Seit mit Marie zum Sandkasten schreitet. Gabriel sammelt in Wahrheit eifrig Charitypunkte bei jungen Familien. Die Heirat mit der Lebensgefährtin und die Taufe der Tochter bringt er diese Woche effizient unter einen Hut. Mitväter, die ihre Elternzeit lieber ruhig angehen lassen, kann so viel Power nur verschrecken. Gabriel wird das nicht stören, an seinem Kühlschrank ist noch Platz für viele Zettel.





