Das Unwesentliche: Wärme
Splendid Isolation
Aus: Ausgabe 06/2012
Christiane Florin hat herausgefunden, wie man mit Geld Häuser dämmt.
An Partygesprächen merken Menschen, dass sie nicht mehr jung sind. Mit Anfang 20 kreist die Unterhaltung um den neuen Freund der Freundin: Ist er knackig, klug, knauserig? Mit Anfang 30 fragt dieselbe Freundin beim Aperol: „Sag mal, hast du eigentlich ’ne Riesterrente?“ Mit Anfang 40 diskutieren mitgebrachte männlichen Lebenspartner – auch einstmals knackige – beim gesetzten Essen über Wärmedämmung für die Doppelhaushälfte/den Altbau/das Loft. Nichts gegen Männer mit Nestbautrieb. Aber Frauen, die mit 17 gegen südamerikanische Diktatoren gestrickt haben, empfinden Konversationen über Glaswolle als intellektuellen Abstieg.
Das muss nicht sein. Der Ire Frank Buckley hat gerade Geld zu Wärmedämmung gesponnen. Er hat in Dublin ein Haus aus geschredderten Scheinen gebaut. Euroschnipsel, die einmal 1,4 Milliarden wert waren, wurden dafür zu Ziegeln gepresst. Dass die Fasern bis zu 40 Grad waschbar sind, war bekannt. Buckley hat herausgefunden, dass die zerfetzte Währung prima vor Kälte schützt. Besser als Glas-, Schaf- oder Steinwolle. „Splendid Isolation“ heißt das wohl. Er habe auf den Irrsinn des Finanzsystems aufmerksam machen wollen, hat der Ire noch erklärt.
Für die nächste 40-plus-Geburtstagsfeier haben wir uns davon zu einem Partyknaller inspirieren lassen. Aus der Torte springt Euro-Kritiker Hans-Olaf Henkel und preist die Dämmqualitäten der D-Mark. Den Männern wird da noch wärmer ums Herz als bei einer knackigen Strip-Blondine. Die Frauen werden es für Kunst halten.





