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Haltung,bitte!

Schonung ist anders

Aus: Ausgabe 17/2014

„Meine Synode hat einem kirchenleitenden Juristen zwei Jahre vor seinem Ruhestand die Verlängerung verweigert – völlig überraschend für alle Beteiligten. Sie blamiert uns vor der ganzen Welt. Ich bin nun im Zwiespalt. Eigentlich schätze ich unser synodales System, wo gewählte Gemeindeglieder über den Haushalt, die theologischen Anliegen, über Gesetze und über die Kirchenleitung entscheiden. Andererseits frage ich mich, ob diese Vertreter übersehen, was sie tun, wenn sie ihre Stimme so leichtfertig abgeben. Muss man dieses System ändern?“ E.M., bei Berlin

Ob die ganze Welt auf eine evangelische Landessynode guckt, wage ich zu bezweifeln. Aber wenn eine Synode ein spektakuläres Nein ausspricht, in dem ein „Basta!“ mitschwingt, führt das zu Fragen. Hat es Unmut gegeben, der nicht offen ausgesprochen, sondern hinterrücks gegrummelt wurde? Leider eine verbreitete Art, kirchlichen Konflikten aus dem Weg zu gehen. Ist das Votum ein Signal an die Kirchenleitung und die Wahl nur der Austragungsort der Unzufriedenheit?

Wollte die Synode zeigen, dass mit ihr noch zu rechnen ist? Oder hat sich in den Erregbarkeiten des Delegiertentreffens eine Stimmung hochgeschaukelt, die nun auch denen unheimlich ist, die daran beteiligt waren? Schlechter Stil und schwächelnde Urteilskraft kommen ja nicht da zum Ausdruck, wo eine Synode eine Personalentscheidung ernst nimmt, sondern da, wo sie offenbar ein Exempel statuiert. Angesichts der vielen Tagesordnungspunkte, die Synoden ohne Kontroversen passieren lassen, obwohl Debatten erwünscht sind, kann das, was Sie beschreiben, schon verwundern. Wenn es sich um ein säkulares Gremium handeln würde, wären auf den Kanzeln des Landes Worte wie „Gnadenlosigkeit“ oder „Hartherzigkeit“ zu hören. Ein Zeugnis für einen schonenden evangelischen Umgang zwischen Brüdern und Schwestern ist diese Entscheidung nicht.

Aber deshalb das synodale Erbe infrage stellen? In den Synoden kommt nichts Geringeres als das Priestertum aller Getauften zum Ausdruck – in modernem Gewand und mit manchmal mühsamen Verfahren sind Synoden Ausdruck des evangelischen Kirchenverständnisses. Allerdings darf man die Frage stellen, wer warum in so einer Synode sitzt. Welche Berufe, Lebensschätze, Perspektiven kommen da zusammen – und welche Menschen fehlen?






Erschienen in:
Ausgabe 17/2014
Redakteur:
Petra Bahr (Kulturbeauftragte EKD)
Thema:
Haltung
Stichworte:
Evangelisch, Kirchen, Ethik