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Sein Motiv

König der Kotelettkönige

Aus: Ausgabe 38/2012

Stefan Raab ist sich für nichts zu schade. Nicht einmal für eine Polit-Talkshow

Foto: Hermann J. Knippertz/dapd/ddp

Pünktlich zum Beginn der fünften Jahreszeit, am 11.11., stellt Stefan Raab seine neue Schau vor: „Absolute Mehrheit. Meinung muss sich wieder lohnen“. Darin liefern sich Politiker, „Promis“ und „Normalbürger“ Rede-Wettkämpfe über politische Themen. Wer mehr als 50 Prozent der Zuschauer auf seine Seite bringt, erhält 100 000 Euro. Populismus? „Wenn einer wie der CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt bei uns 100 000 Euro abräumt, wäre er doch im Berliner Betrieb zwei Wochen lang King of Kotelett“, sagte Raab dem „Spiegel“. Er selber, der gelernte Metzger, ist der King of Kotelettkings. Die Galionsfigur des Dödel-Fernsehens ist sich für nichts zu schade. Raab kann Musik, Satire, Sport, Trash. Wieso nicht auch Politik? Was Raab anfasst, wird zu Raab.

Sein Abitur machte er als Jesuitenschüler, sein Geld macht er als Image-Rabauke. Der Meister des Verlachens ist klüger als seine Zuschauer. Raabs neue Show wird gleichzeitig mit Günther Jauchs Talkrunde gesendet. Raab sucht den Zweikampf, er will gewinnen, immer. Dafür fährt er Wok-Rennen, dafür lässt er sich die Nase brechen. Der Sieg ist sein Credo. Wird Politik nun primitiv? Wer in Deutschland die Leute durch Reden zu gewinnen weiß, macht sich verdächtig, viele Politiker können nicht nur nicht reden, sie versuchen es erst gar nicht. Dabei wäre es ihr Beruf. „Beredsamkeit ist die Kunst, so von den Dingen zu sprechen, dass jedermann gern zuhört“, sagt Blaise Pascal. Rhetorik ist eben die Kunst der Wirkung. Und mit Wirkung kennt Raab sich aus. Er hat das Gespür des Dompteurs, er weiß: Für 100 000 Euro werden sich alle Mühe geben beim Reden, besonders die Politiker. Am Ende gewinnt sowieso der eine. Über kurz oder lang werden sie ihn feiern, als Retter der politischen Rede, als Helden der Demokratie. Kaum zu schlagen, der Raab.

Erschienen in:
Ausgabe 38/2012
Redakteur:
Hans-Joachim Neubauer (Redakteur)
Thema:
Motiv
Stichworte:
Medien