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Ihr Motiv: Scheicha Musa

Ihre Hohheit will hoch hinaus

Aus: Ausgabe 50/2012

Die mächtigste Frau des kleinen Emirats will den Wüstenstaat, weltweiter Spitzenreiter beim CO2-Ausstoß pro Kopf, in eine Wissensgesellschaft verwandeln.

Wenn das keine Seelenverwandtschaft ist! Ihr Ehrgeiz machte sie zur führenden Politikerin des Landes. Ihre entschlossenen Statements ziehen Fernsehkameras magisch an. Und aus ihrer langjährigen Ehe gingen sieben Kinder hervor. Nein, nicht von der deutschen Übermutter Ursula von der Leyen ist hier die Rede, sondern von Scheicha Musa bint Nasser, der First Lady Katars.

Die mächtigste Frau des kleinen Emirats lächelt nicht ohne Grund vom Podium der 18. Weltklimakonferenz herab, die viel heiße Luft am Persischen Golf produziert. Die 53-Jährige will den Wüstenstaat, weltweiter Spitzenreiter beim CO2-Ausstoß pro Kopf, in eine Wissensgesellschaft verwandeln.

Lächelnd und zielstrebig schreitet Ihre Hoheit voran. Auf ihren Mann, Staatsoberhaupt Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani, kann sie sich verlassen. Er hat sie nicht daran gehindert, nach der Heirat ihr Soziologiestudium abzuschließen. Und er hat sie auch nicht davon abhalten könen, ihr Gesicht zu zeigen – ein radikaler Vorstoß in einem vollverschleierten Land.

Das US-Magazin „Vanity Fair“ kürte die arabische Muse mit ihren farbenprächtigen Roben und leuchtenden Augen zur weltweiten Stilikone. Doch das reicht der Chefin der „Qatar Foundation“ nicht. Sie will, dass ihre Landsmänninnen wählen und studieren.

Am liebsten würde sie bis zur WM im Jahr 2022 den Schleier aller Frauen in Katar lüften. Ihre Seelenverwandtschaft mit Ursula von der Leyen besiegelte ihr Mann bereits 2009 auf die arabische Art: Er fuhr in die Heimat der Arbeitsministerin und wurde Großaktionär bei Volkswagen. Die Nachfrage nach energiesparenden Modellen aus Wolfsburg ist in Doha allerdings noch sehr gering.

Erschienen in:
Ausgabe 50/2012
Redakteur:
Astrid Prange (Redakteurin)
Thema:
Motiv
Stichworte:
Außenpolitik, Ethik, Wirtschaft