Das Unwesentliche: Menschenaffen
Hilfe, die Verwandten kommen!
Aus: Ausgabe 27/2012
Die Gene eines Schimpansen weichen nur um 1,5 Prozent vom Menschen ab. Forscher fordern deshalb eine Grundrechtecharta für die Primaten.

„Sie lügen und morden wie wir. Doch wir sperren sie ein." Dieser Satz war neulich in einem ernst zu nehmenden Artikel über Menschenaffen zu lesen. Sollen wir solche Verbrecher etwa laufen lassen und, wenn sie ihre kriminellen Delikte begangen haben, wieder mühevoll einfangen?
Doch der Artikel wollte wohl auf etwas anderes hinaus: Er berichtete darüber, dass zwischen uns und unseren nächsten tierischen Verwandten eine genetische Übereinstimmung von 93,5 bis 99,4 Prozent besteht. Die abweichenden Messwerte von knapp sechs Prozent haben nichts damit zu tun, dass wir Menschen unterschiedlich gescheit sind. Die Differenz ist vielmehr diversen Analysemethoden geschuldet. Der Zoo ist jedenfalls keine artgerechte Haltung für einen Schimpansen, dessen DNA sich in der Regel von der unsrigen um 1,5 Prozent unterscheidet. Forscher fordern daher jetzt eine Grundrechte-Charta für die Primaten. Eine Art Fortschreibung der Menschenrechte. Das würde jedem Affen ein Recht auf Betreuung und Beschäftigung garantieren.
Die Betreuungsgelddebatte müsste neu geführt werden. Aber ansonsten änderte sich nichts. Franz Kafkas „Bericht für eine Akademie“ erzählt von einem Affen, den eine Hagenbeck-Expedition aus Afrika mitgebracht hatte. Er gelangt zu Ruhm, indem er sich mit besessenem Nachäffungseifer Manieren und Sprache eines gebildeten Europäers aneignet. Die Grenzen zwischen Menschenaffen und Affenmenschen sind also von jeher fließend.





