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Sein Motiv: Markus Marylin Söder

Hauptsache boop-oop-a-doop

Aus: Ausgabe 07/2013

Letztes Jahr noch ging der Mann, den Seehofer kürzlich „vom Ehrgeiz zerfressen“ nannte, als Punk. Jetzt meint er, Marilyn sei Kult, „das bin ich doch vielleicht auch“.

Foto: David Ebener/dpa/picture alliance

Die CSU muss weiblicher werden. Das sagt Horst Seehofer. Allein Markus Söder handelt. Zur 26. „Fastnacht in Franken“ in Veitshöchheim erschien er, Blondinen bevorzugt, als Marilyn Monroe. Mit Pumps in Größe 47. Bayerns Finanzminister überraschte alle, schließlich ist Gehorsam sonst nicht seine Stärke. Ob ihm jemand den Abend mit Dirndl-Komplimenten versüßte? Rainer Brüderle jedenfalls wurde nicht gesichtet, Frauenfreund Seehofer kam als Seehofer und hielt sich zurück. Sicherheitshalber hatte Söder seine Frau Karin mitgebracht, getarnt als Charlie Chaplin.

„Man kann auch sich selbst ebensowohl komisch machen wie andere“, schrieb Sigmund Freud, etwa durch „Nachahmung, Verkleidung, Entlarvung, Karikatur, Parodie und Travestie“. Solange Söder also nicht völlig zur Dragqueen mutiert, muss man sich keine Sorgen um ihn machen. Letztes Jahr noch ging der Mann, den Seehofer kürzlich „vom Ehrgeiz zerfressen“ nannte, als Punk. Jetzt meint er, Marilyn sei Kult, „das bin ich doch vielleicht auch“.

Hauptsache, man wird bemerkt. Das ist Politik. Klar, dass hinter Söders Bekenntnis zum Weiblichen mehr steht als die simple Lust am Crossdressing. Schon der Nachname der Diva lässt Kenner an die Monroe-Doktrin von 1823 denken. Darin verbat sich US-Präsident James Monroe Europas Einmischung in Amerika. „Amerika den Amerikanern!“

Auch Söder richtet ja gern toughe Worte an Fremde, etwa wenn sie außerhalb des Faschings Kopftuch tragen. Überhaupt liebt er die starke Message. Sein berühmtes „Volker Beck spinnt“ ging ihm so leicht über die Lippen wie sein vollmundiges Ja zum Sandmännchen. Markus Marilyn Söders jüngste Botschaft an den Wähler ist deutlich: „I wanna be loved by you/ Just you and nobody else but you/ I wanna be loved by you alone/ Boob-oop-a-doop“. Schmatz.

Erschienen in:
Ausgabe 07/2013
Redakteur:
Hans-Joachim Neubauer (Redakteur)
Thema:
Motiv
Stichworte:
Innenpolitik, Medien