Motiv
Eine First Lady erinnert sich
Aus: Ausgabe 36/2012
Ihr Mann kommt aus den Schlagzeilen raus und was macht Bettina Wulff? Sie veröffentlicht ihre Memoiren. Warum nur?

Keine Frage: Das Buchjahr 2012 gehört den Frauen. Ein Porno-Bestseller machte E. L. James steinreich, die „Tribute von Panem“-Trilogie der Suzanne Collins erobert die Bestseller-Listen. Und jetzt kommt Bettina Wulff. Bis ihre Memoiren im November erscheinen, rätselt Deutschland, wie es wohl war, damals, in den 598 Tagen im Schloss Bellevue, in den freieren Jahren davor, in den Monaten danach. Angeblich soll das Buch „Meine Sicht der Dinge“ heißen. Was Wulff mitzuteilen hat? Sicher einiges über den Weg von Großburgwedel nach Berlin, Glänzendes über die Zeit als First Lady, Unterstützendes für den Expräsidenten, Kritisches über dessen gefährliche Freunde, die jetzt nur noch gefährlich sind. Der Verlag kündigt eine Startauflage im sechsstelligen Bereich an; um die zu verkaufen, wird Wulff wohl verraten, wie sie zu ihrem Oberarm-Tattoo kam und wie das war, Michelle Obama in Ramstein zu treffen.
Dass Präsidentenfrauen schreiben, ist nichts Neues. Elly Heuss-Knapp arbeitete mit „Bürgerkunde und Volkswirtschaftslehre für Frauen“ am Projekt Emanzipation. Mildred Scheels Fitnessratgeber und Veronica Carstens Bücher über Naturheilkunde hoben die Volksgesundheit, Christiane Herzog verwöhnte die Nation mit ihren „ganz persönlichen Rezepten“, und Christina Rau und Eva Luise Köhler gaben Weihnachtsbücher heraus; zum kulinarischen Klassiker wurde Raus „Pfefferpotthast, Panhas, Dämmerkauken“. So deftig dürfte es bei Bettina Wulff kaum zugehen. Im Gegenteil, die 38-Jährige will die Deutungshoheit über ihr Leben, schlüpfrige Andeutungen lässt sie gerichtlich untersagen. „Manche Leute beängstigt das ja, wenn sie permanent mit ihrer Vergangenheit konfrontiert werden“, hat Wulff einmal gesagt: „Aber ich mag das sehr gern.“ Jetzt schreibt sie ihre Vergangenheit auf; vielleicht hilft das ja gegen die Angst, die sie nicht hat.





