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Ihr Motiv: Brigitte Bardot

Eine Diva will nach Russland

Aus: Ausgabe 03/2013

Im Kampf für die bedrohte und gequälte Kreatur kennt die 78-jährige LePenistin kein Pardon. Auch sonst poltert sie gerne, etwa gegen Schwule, Muslime, Obdachlose, Stierkämpfer oder Softies.

Foto: Sam Lévi/ Ministére de la Culture/ Médiatheque du Patrimoine, Dist. RMN/EPA/picture alliance


Brigitte Bardot weiß: Tiere machen schön. In ihrer Zeit als Sängerin, Model und Filmikone hüllte sich die Diva gerne in Nerz. Das sah prima aus, ist aber lange her. Seit über 40 Jahren nun umgibt sich Frankreichs Ex-Busenwunder lieber mit lebendem Fell als mit totem. Jeder liebt Tiere, BB schützt sie. Das ist schön. Doch im Kampf für die bedrohte und gequälte Kreatur kennt die 78-jährige LePenistin kein Pardon. Auch sonst poltert sie gerne, etwa gegen Schwule, Muslime, Obdachlose, Stierkämpfer oder Softies. Kurz: Sie geht den Leuten auf den Geist.

etzt geht sie einen Schritt weiter. Für Baby und Népal. Die beiden Elefanten aus dem Lyoner Zoo haben Tuberkulose, ein dritter ist bereits verendet. Weil Baby und Népal weitere Tiere und sogar Menschen anstecken könnten, sollen sie eingeschläfert werden. Brigitte Bardot ist dagegen. Sie bittet Frankreichs Präsidenten François Hollande, die „unschuldigen Tiere“ zu „begnadigen“. Andernfalls werde es „ein Drama geben“, sagte sie der Zeitung „Nice-Matin“: „Ich bin zu allem fähig.“ Was heißt: Auswanderung nach Russland! Exil!

So wie Gérard Depardieu: Der spart, als neuer Bürger der „großen Demokratie“ Russland, kräftig Steuern: „Ich liebe Wladimir Putin sehr“, jubelt der Obelix-Mime, „das ist gegenseitig.“ Auch BB liebt Putin. Nun will sie zu ihm, vielleicht; das versteht sie als Drohung, sieht sie sich doch als Frankreichs „bekannteste Ikone nach dem Eiffelturm“.

Manche sehen das anders. „Soll sie doch nach Russland gehen“, meinte der Grüne Daniel Cohn-Bendit, „gleich nach Sibirien, das muss wunderbar für sie sein. Soll sie da doch ihre Winter verbringen, in einem Konzentrationslager oder in einem Knast.“ Nun sind die Franzosen uneins: Die einen fürchten, dass die Bardot geht; die anderen, dass sie bleibt. Nur die Leute in Sibirien, die hat niemand gefragt.

Erschienen in:
Ausgabe 03/2013
Redakteur:
Hans-Joachim Neubauer (Redakteur)
Thema:
Motiv
Stichworte:
Außenpolitik