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Sein Motiv: Charles M. Huber

Ein Mann will nach Berlin

Aus: Ausgabe 46/2012

Der Münchner Schauspieler will in den Bundstag und für mehr Christentum kämpfen: nominiert von der CDU. Dabei veerehrte er in seiner Jugend Che Guevara

Foto: Regina Schmeken/ SZ Photo/laif

Von Charles M. Hubers Quote können andere nur träumen. Bis 1997 stand er mehr als 100-mal als Kommissar Henry Johnson in der ZDF-Serie „Der Alte“ vor der Kamera. Er gab den Titelhelden im Musical „Mandela“, er hat Theater gemacht, Regie geführt, in Filmen wie „Kolp“, „Erkan & Stefan“ oder „Enemy Mine“ gespielt. Jetzt will der Niederbayer nach Berlin. Zunächst versuchte er es bei der Münchner CSU, dann wechselte er nach Darmstadt. Die dortige CDU wählte ihn mit 94 Prozent zum Kandidaten für die Bundestagswahl 2013 – eine Superquote.

Huber sieht nicht nur anders aus als ein typischer Christdemokrat. Er wächst auf als uneheliches Kind einer Hausangestellten und eines senegalesischen Diplomaten. In einem Dokumentarfilm sagt er, wie er seine Hautfarbe entdeckt – vor dem Spiegel: „So wie du dich fühlst, nämlich so wie alle anderen, schaust du eigentlich gar nicht aus.“

Huber weiß, wie er sein will, Jimi Hendrix wird sein erstes Idol. „Jimi Hendrix war Jimi Hendrix, und Jimi Hendrix war ein Gott“, sagt Huber. Als junger Schauspieler lebt er in der Münchner Boheme, verehrt Karl Marx, Timothy Leary und Che Guevara. Mit 17 steht er im Regierungsgebäude von Dakar und fragt: „Wo ist mein Vater?“ Jahre später treffen sich die beiden zum ersten Mal, die afrikanische Familie nimmt Huber gastlich auf, er will helfen, gründet eine Hilfsorganisation. „Ich war dunkelhäutig für die Europäer, aber nicht für die Afrikaner.“ Denen gilt er als weiß; er ist, wie er ist.

Nun also drängt es den Vater von vier Kindern in den Bundestag. „Wir brauchen definitiv mehr Christentum“, zitiert ihn die „Süddeutsche Zeitung“. Eine solche Mission erfordert Kraft, Ausdauer und Geschick. Auch dafür hat der Freizeitboxer sein Vorbild gefunden. Das „M“ hinter „Charles“ steht für Muhammad, der Katholik Huber hat sich den Namen des Propheten selbst gegeben – aus Verehrung für Muhammad Ali. Von dem lässt sich lernen. „Ich muss nicht das sein, was ihr wollt“, sagte Ali einst, „ich kann das sein, was ich sein will.“

Erschienen in:
Ausgabe 46/2012
Redakteur:
Hans-Joachim Neubauer (Redakteur)
Thema:
Motiv
Stichworte:
Evangelisch, Katholisch, Spiritualität, Innenpolitik