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Sein Motiv: Till Schweiger

Ein Held wird Kommissar

Aus: Ausgabe 45/2012

Till Schweiger ist eine deutsche Ikone. Doch mehr als das, will er vor allem vom Feuilleton geliebt werden

Frank Zauritz

Den mögen sie alle. Til Schweiger ist der Mann für Millionen. Erfolgreich, gut aussehend, markant. Den mögen viele nicht. Kritikern und anderen Intellektuellen ist Schweiger zu sehr Schweiger, zu eitel, zu populistisch. „Wir brauchen ’ne Meldepflicht für Sexualstraftäter“, sagte er kürzlich in einer Talkshow, Triebtäter hätten ihr „Recht in dieser Gesellschaft verwirkt“, polterte er und schimpfte auf die „Gutmenschen“. „Ich verurteile nicht alle Intellektuellen, ich beachte mich selber als intellektuell“, sagte er. Jetzt wird er „Tatort“-Kommissar, dieser Tage beginnen die Dreharbeiten. Vermutlich wird ihn die Kritik wieder verreißen. „Das Verhältnis Feuilleton/Til Schweiger“, verriet er neulich dpa, „das wird nix mehr, das passt nicht zusammen.“ Dabei ist er ein internationaler Star, er hat mit Quentin Tarantino gedreht. Autorenfilmer ist er sowieso, er schreibt seine Drehbücher, produziert seine Filme. Als Regisseur inszeniert er, außer seinen Kindern, vor allem einen Helden: sich selbst. Schweiger setzt auf Identifikation, er will der sein, den er spielt. „Ich will mich nicht in der Rolle eines Pädophilen, Vergewaltigers oder Nazis sehen“, sagte er dem ZEIT-Magazin. „Ich spiele aus Prinzip keinen Nazi.“

Das gefällt den Deutschen, sie wollen sein wie er, weder Nazi noch Vergewaltiger, noch pädophil. Einfach anständig und endlich gut. In seinem jüngsten Film „Schutzengel“ zeigt Schweiger als Afghanistan-Veteran, wie man auch mit dem Trauma leben kann. Man muss bloß aufrecht sein und stark, eben ein Held. So verspricht er, die Wunde Krieg zu heilen, auch dafür mögen ihn viele. Nun, als „Tatort“-Kommissar, wird Schweiger der Held für alle und jeden sein. Das Feuilleton von heute verachtet ihn; das von morgen wird ihn als das erkennen, was er jetzt schon ist: ein deutscher Mythos.

Erschienen in:
Ausgabe 45/2012
Redakteur:
Hans-Joachim Neubauer (Redakteur)
Thema:
Motiv
Stichworte:
Kultur, Medien