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Haltung, bitte!

Ein Abwasch

Aus: Ausgabe 33/2014

„In ein paar Wochen ist es wieder so weit: Wir fahren mit zwei anderen Familien in ein großes Ferienhaus nach Schweden. Alle freuen sich, allerdings beteiligen sich bei Alltagsverrichtungen wie Tischdecken, Einkaufen, Kochen, Putzen et cetera weder die Männer noch die Kinder. Zu Hause läuft das bei uns anders. Aber mit den anderen zusammen sitzt da eine Horde Paschas. Haben Sie einen Tipp, wie das in diesem Jahr anders wird, ohne dass ich als nörgelnde Spielverderberin gelte?“ Hanne F., Düsseldorf

Lehnen Sie sich doch mal ganz gelassen zurück und stellen Sie sich seelenruhig die Frage: Warum wollen Sie eigentlich nicht als Spielverderberin gelten? Das ginge doch wirklich sehr einfach: Drei Frauen treten in einen fröhlichen Bedienstreik, der gleich beim ersten gemeinsamen Abendessen verkündet wird. Sie müssen natürlich erst einmal damit rechnen, dass diese Ankündigung nicht ernst genommen wird.

Schon gar nicht, wenn eine von Ihnen zehn Minuten später aufsteht und schon mal den Tisch abräumt. Sie müssen sich da schon ein dickes Fell aneignen, wenn sich Geschirr und Essensreste türmen – und Freundinnen haben, die da mitspielen. Einfach mal sitzen bleiben, gemütlich ein Glas Wein mit den Freundinnen trinken und wenn es nicht hilft, am nächsten Morgen einen Zettel schreiben: „Sind dann mal weg!“

Ein Tagesausflugsziel wird sich schon finden lassen. Männer und Kinder müssen auch mal alleine klarkommen. Sie könnten zum Beispiel auch Schürzen verschenken, auf denen in großen Lettern das Wort „Chef“ zu lesen ist. Wobei Chefs ja bekanntlich gerne auch mal die Arbeit delegieren: Aber warum eigentlich trickreich zur Mitarbeit überreden, wenn die Dinge auch klar auf den Tisch kommen können: Machen Sie Ihre Familie zu Verbündeten, am besten auf der langen Fahrt zum Urlaubsziel.

Oder fordern Sie von allen klare Regeln ein. Das geht zu Beginn der Reise ganz ohne schrillen Ton. Spielverderber sind nämlich nicht Sie, sondern alle, die sich auf Ihre Kosten vergnügen. Ein Gemeinschaftsprojekt ist erst dann gelungen, wenn auch die lästigen Pflichten geteilt werden.

 

 

 

 

 

Erschienen in:
Ausgabe 33/2014
Redakteur:
Petra Bahr (Kulturbeauftragte EKD)
Thema:
Haltung
Stichworte:
Familie, Lebensstil