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Sein Motiv: Hans-Willhelm Müller-Wohlfahrt

Dr. med. Olympia

Aus: Ausgabe 33/2012

Nach seinem Spitzenlauf bezeichnete der Jamaikanier Boldt den Sportmediziner als besten Arzt der Welt. Stimmt diese Diagnose?

Foto: Claus Cremer/Pressefoto Ulmer/ picture alliance

Dieser Mann lässt die Muskeln spielen. Nicht seine eigenen, sondern die anderer Leute: Der Sportmediziner Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt betreut seit 1977 Bayern Münchens Kicker. 1995 kam die deutsche Fußballnationalmannschaft dazu. Seine unorthodoxen Behandlungsmethoden brachten ihm den Ruf eines Wunderheilers ein, der längst nicht mehr nur einen gefoulten Lahm gehend macht.

Im Wartezimmer seiner 1600 Quadratmeter großen Münchner Praxis reichen sich Spitzenathleten anderer Disziplinen aus der ganzen Welt die Lesezirkelhefte weiter. So auch der jamaikanische Weltrekordler Usain Bolt. Bei zwei Olympiaausscheidungen hatte der Sprinter gegen seinen Landsmann Yohan Blake verloren. Dann begab er sich in die Hände des wegen seiner Tastdiagnose berühmten Arztes. Der behandelte Bolts Wirbelsäulenschmerzen mit Kälteschock und spritzte einen Hahnenkamm-Extrakt ins malade Knie. Das machte Bolt Beine, die die 100 Meter in 9,63 Sekunden liefen.

Nach seinem Spitzenlauf bedankte sich der Sieger öffentlich bei seinem Heiler: „Ein Stück der Medaille geht auch nach Deutschland. Der Doktor ist ein ganz, ganz großer Mann, er hat einen tollen Job gemacht, er ist der beste Arzt der Welt.“ Müller-Wohlfahrt, der in diesen Tagen 70 Jahre wird, kann dieses Lob enormen Zulauf bringen. Der Pastorensohn gibt sich indes bescheiden. „Wohlgemut“ will er weiterhin seine Arbeit machen: auf der Trainerbank sitzen, aufs Feld rennen mit Arztkoffer und Eispackung, wenn man ihn herbeiwinkt. Seine christliche Erziehung verbiete es ihm eigentlich, sagte er in einem Interview, zwischen Kassenpatienten und Privatpatienten zu unterscheiden, doch sprengten seine Methoden jede AOK-Norm. Für deutsche Pflichtversicherungen ist der beste Arzt der Welt nicht gut genug.

Erschienen in:
Ausgabe 33/2012
Redakteur:
Andreas Öhler (Redakteur)
Thema:
Motiv
Stichworte:
Kultur, Innenpolitik