Das Unwesentliche: Amerikanische Freundschaft
Dirk sei Dunk
Aus: Ausgabe 03/2012
Der größte deutsche Basketballer aller Zeiten denkt über die amerikanische Staatsbürgerschaft nach. Raoul Löbbert ist schockiert und bietet einen Tausch an.

Dirk Nowitzki ist ein großer Deutscher. Quasi im Alleingang eroberte er für uns den NBA-Meistertitel. Dank ihm hatten wir die Amis mal in irgendwas geschlagen, was nicht gleich in Weltkrieg ausartete. Das hat’s noch nie gegeben. Davon abgesehen verkörpert er wie kein anderer die deutschen Tugenden: Kraft, Fleiß und Disziplin, und das in einem Körper, als hätte ihn Arno Breker aus einem Marmorblock gefräst. Nur sein Haupthaar sah zu Anfang aus wie eine Trümmerlandschaft, Splissstunde null. Doch dann ging das „skinny kid from Germany“, wie US-Präsident Barack Obama Dirk jüngst nannte, in die USA. Und die Amis machten aus Ruinen wieder eine Frisur. Endlich waren wir wieder wer: Dirk! Wie er gingen wir breitschultrig durchs Leben, während Dirks Dunk unseren amerikanischen Freunden gewiss war. Doch es waren zu viele Korbleger oder auf Amerikanisch: Dunks. Denn unser Dirk überlegt nun tatsächlich, Amerikaner zu werden. So ist es immer mit den Amis: Wenn sie sehen, einer kann etwas besser als sie, wollen sie ihn haben, dann zahlen sie jede Summe, damit er einer der ihren wird. Es gab eine Zeit, da mochten die Amis Verlierer, da wollten sie unsere Armen, Lahmen und Krummen. Warum nicht jetzt? Wir hätten da einen vorerst Gescheiterten anzubieten, der hatte auch mal eine schlimme Frisur bevor er in die USA ging, wenn auch mit richtig viel Gel. Behaltet bitte unseren „beautiful baron from Bavaria“, unseren Guttenberg, aber lasst uns unseren Dirk. Vielen Dunk sagt Raoul Löbbert.





