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Sein Motiv: Kurt Beck

Das Rennen ist gelaufen

Aus: Ausgabe 31/2012

Ist König Kurt am Ende? Der Skandal um den Nürburgring bringt einen der letzten großen Ministerpräsidenten Deutschlands ins Wanken

Fredrik von Erichsen/dpa/picture alliance

Seit 18 Jahren lenkt er den Kurs seines Landes, ausdauernd wie ein Monarch. So nennen sie ihn „König Kurt“. Er gilt als prima Landesvater: ehrlich, herzlich, tüchtig. Doch ist auch er nicht ohne Fehl und Tadel. Denn nun ist der Nürburgring pleite. Beck hat 330 Millionen Euro in einen Freizeitpark an der Strecke versenkt. Der sollte helfen, den teuren Zirkus des Bernie Ecclestone zu bezahlen. Doch daraus wurde nichts. Jetzt werden die Kredite fällig. Boxenstopp. Rheinland-Pfalz muss Geld tanken, 13 Millionen, aber die EU hält den Hahn zu. Die Bürger müssen zahlen. Für König Kurt ist das Rennen gelaufen. Eigentlich.

1927, als der Ring eröffnet wurde, bejubelten Politiker die Liaison von Natur, Technik und Sport: „Die Eifel ist herb, aber schön.“ Das erste Autorennen gewann Rudolf Caracciola im Mercedes, 96,5 Kilometer Stundendurchschnitt. Die Eifel war modern und warb: „Elektrisches Licht und Fernsprecher an jedem Ort“. Bald könnten hier die Lichter wieder ausgehen. Schön bleibt sie zwar, die Eifel, aber auch arm. Wie das ganze Reich des Königs Kurt. „Meine Heimat gibt mir Kraft“, sagt Beck, „egal für welche Aufgabe.“ Auch für die letzte, herbe? „Grüne Hölle“ taufte Formel-1-Star Jackie Stewart einst die Nordschleife des Rings, die schwierigste Rennpiste der Welt. Damals war Geschwindigkeit riskant, nun birgt der Stillstand Gefahren. Mit dem Rücken zur Wand sucht Beck nach einem Ausweg. Die Opposition fordert seinen Rücktritt, doch damit ist vorerst nicht zu rechnen. König Kurt will es noch einmal wissen; er kämpft um die Millionen für den Ring, er kämpft um seinen Ruf in der Heimat, die ihm so viel gab. Dabei muss er sich um seine Zukunft nicht sorgen. Im Dezember 2006 sagte er zu einem Arbeitslosen: „Wenn Sie sich waschen und rasieren, haben Sie in drei Wochen einen Job.“ So schnell geht das.

Erschienen in:
Ausgabe 31/2012
Redakteur:
Hans-Joachim Neubauer (Redakteur)
Thema:
Motiv
Stichworte:
Innenpolitik, Wirtschaft