Ihr Motiv: Nao Suguro
Claudia Roth des Fernen Ostens
Aus: Ausgabe 32/2012
Jung, entschlossen und energiewendig: Die Juristin verändert das einst so atomgläubige Japan
Diese Frau will ihr Land retten – buchstäblich. Als eine von vier „Repräsentanten“ der ersten grünen Partei Japans kämpft Nao Suguro, wogegen alle Grünen kämpfen: die Atomkraft. Während Deutschlands Grüne nach Tschernobyl aber glaubten, ohne Geigerzähler nie wieder eine Gemüseabteilung betreten zu können, ist mit Fukushima die Atomkraft in Japan zur existenziellen Bedrohung geworden. Dabei war sie zuvor Symbol nationaler Stärke und Autarkie. 70 Prozent der Japaner fordern mittlerweile, dass keiner der abgeschalteten Atommeiler wieder ans Netz gehen darf. Als kürzlich doch zwei Werke in Betrieb genommen wurden, demonstrierten 150000 Menschen vor dem Amtssitz von Premier Yoshihiko Noda.
Die Grünen und Nao Suguro stehen für eine neue Kultur des zivilen Ungehorsams in Japan. Es ist kein Zufall, dass dieser Protest von einer Frau, dazu noch von einer mit 33 Jahren ungewöhnlich jungen, angeführt wird. Nao Suguro ist das Gesicht eines anderen Japan: engagiert, kritisch, weiblich. Als Juristin kämpfte sie bereits vor dem GAU für Umwelt, Menschenrechte, Frieden. Erst Fukushima machte sie jedoch zum Gesicht einer Bewegung.
Dass Japans Claudia Roth eine Provokation für den männlichen Politikbetrieb ist, scheint beabsichtigt. Das waren ja Anfang der Achtziger die Grünen in Deutschland auch. Nur waren die damals – und sind es zum Teil noch – auch eine Provokation für sich selbst. In kaum einer Partei wurde am Anfang so leidenschaftlich gestritten. Das zumindest ist in Japan anders. Bei der Gründungsversammlung wurden in aller Stille eine Satzung und ein Parteiprogramm verabschiedet sowie ein 34-köpfiges Komitee und die vier Repräsentanten gewählt. Das alles innerhalb eines Tages. Selbst der Protest ist in Japan zivilisiert. Und gestrickt wurde dabei übrigens auch nicht.





