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25.06.2012

"Runter vom Sockel" von Andreas Püttmann (Nr. 26)

Es mag paradox klingen: Aber Andreas Püttmann macht mit seinem Artikel „Runter vom Sockel“ Lust auf Familie – wie es vor einigen Jahren einmal ein…

…CDU-Papier formuliert hat. Endlich findet jemand den Mut, die Familie als solche zu verteidigen, ohne dabei gleich das Kind mit dem Bade auszuschütten. Mit Genuss habe ich gelesen, wie der Autor die Political Correctness der „Familismus“-Anhänger seziert.

Gilt doch auch mit Blick auf die überzogenen Lobeshymnen für die einzig wahre Familie der Satz: „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint“: Beschreibt Püttmann doch sehr schön, in welche Ecken diejenigen gestellt werden, die nicht dem gelobten Familienbild entsprechen. Das produziert bei Kinderlosen Abwehrhaltungen statt Verständnis für Familien.

Aufpassen müssen auch die vielen Lobbyisten, die verlangen, die Erziehungsleistung der Familien angemessen zu entschädigen. Bei allem Verständnis für Kindergeld und andere Formen des Lastenausgleichs ist zu beachten, dass eine Ökonomisierung droht, wenn nur noch die Lasten und Kosten der Kindererziehung gesehen werden. Viel effektiver wäre es aus meiner Sicht, die vielen schönen Seiten des Familienlebens stärker herauszustellen, die Bereicherung, die jedes Kind in eine Familie bringt.

Mein Verständnis von Freiheit besagt auch, dass unsere jungen Menschen zu wichtig sind, um ihnen bei der Entscheidung zwischen Kindererziehung und Beruf den einen oder anderen Weg vorzuschreiben. Der Staat sollte aber die nötigen Rahmenbedingungen schaffen, um den jungen Eltern den selbst gewählten Weg zu erleichtern.

An dieser Stelle möchte ich mit dem Autor eine Lanze für das Betreuungsgeld brechen. Diese geplante neue Leistung für Eltern, die ihre Kleinkinder selbst betreuen, ist in der geplanten Höhe zu gering, um als Bezahlung oder Gegenleistung für die Kinderbetreuung durchzugehen. Aber eine Anerkennung ist sie allemal.

Marie-Luise Dött, MdB
Umweltpolitische Sprecherin
der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
Berlin

Herr Dr. Püttmann gehört gewiß zur geistigen Elite unseres Landes und es ist ihm auch durchaus zu danken, dass er vor einem "Familismus" also einer übertriebenen Verteidigung der Familie warnt. Da sehe ich auch eine Gefahr. Doch leider ist sein Urteil in dieser Sache nicht gerecht. Er scheint die dramatische Lage, in der sich die Familie als Institution heute befindet, völlig zu verkennen: Dieser Staat beutzt die Familien als Nettozahler für seine Sozialsysteme und stempelt die "Familienfrau zum Packesel des Sozialstaates" (so der ehem BVerfGerichts-Präsident Zeidler).
Nun kritisiert Herr Püttmann, daß die Verteidiger der Familie nicht immer eine einwandfreie Figur machen in diesem Kampf. Und kein Wort zur totalitär anmutenden Entrechtung der Familienfrauen! Das offenbart, dass ihm doch das Verständnis für das Gesamtproblem fehlt.

Dipl.-Kfm. K. Simpfendörfer, Verband Familienarbeit, Landesvorsitzender BW



Den Beitrag von Herrn Püttmann habe ich mit großem Interesse gelesen, und sogar als eigentlicher "Familismus"-Fan muss ich sagen: Der Text ist sehr gelungen und bringt berechtigte Argumente ins Spiel. Dennoch ein paar Anmerkungen:

1. Wenn der Autor beklagt, dass heute fast überall und zu jeder Zeit jeder Mann und jede Frau laut und offen über seine eigenen Familienverhältnisse berichten kann und sich auch nicht scheut, dies in beruflicher Runde zu tun, so muss ich sagen: Das ist auch gut so! Ich habe nämlich noch durchaus Verhältnisse in den 90er Jahren und Anfang 2000 kennengelernt, wo man als Frau am Arbeitsplatz (als Mann sowieso!) im Grunde verleugnen musste, dass man Familie zuhause hatte, Kinder versorgen wollte (und musste) und auch noch eine Beziehung mit seinem eigenen Mann führen wollte. Terminlich wurde da in gar keiner Hinsicht Rücksicht genommen, es war einfach auch nicht cool, sich als derart unflexibel zu outen. Nicht mit zum Feierabenddrink? Nicht bereit zur Spätschicht im Büro? Schick war es damals, in (kinderlosen) Beziehungen zu leben, die so flexibel wie strapazierfähig schienen, dass man sie gar nicht erst den Kollegen gegenüber erwähnen brauchte. Es war angesagter, sich ausschließlich für die Arbeit aufzuopfern als den Spagat Beruf - Familie vernünftig hinzubekommen. Dass sich das geändert hat, diesmal zugunsten der Familien, finde ich sehr positiv und notwendig!

2. Ende der 90er Jahre schrieb ich für die Wochenendbeilage einer großen deutschen Tageszeitung. Thematisch ging es da um Kultur, Reisen, Musik, Theater, Stil, Wohnen usw. Einziges thematisches Tabu, was ausdrücklich erwähnt wurde: "Sie können uns alles anbieten, nur nichts, was mit Kindern zu tun hat." Man berichtete also lieber über teure Schweizer Uhren als über biologische Uhren, lieber über Spielzeug für Erwachsene als über das für Kinder. Man tat schlicht so, als ob es nur Singles in dieser Welt gäbe oder kinderlose, berufstätige Paare. Nach der Finanzkrise wurde die Beilage eingestellt, die Klientel gab es wohl so nicht mehr. Ich bedaure das nicht, sondern freue mich, dass es inzwischen ganz normal ist, überall und sehr viel über Familienangelegenheiten und Kindergedöns zu lesen und zu schreiben. Ja, der Trend hat sich verkehrt: Plötzlich kann sich keine Zeitung mehr leisten, Familienthemen zu ignorieren, und das finde ich gut und richtig so - eben deshalb, weil zuvor eine jahrelange, wenn nicht jahrzehntelange Ignoranz diesbezüglich herrschte. Man könnte auch sagen Arroganz gegenüber dem Kinder- und Familiengedöns.

3. Herr Püttmann bringt einen wichtigen Aspekt in seinem Beitrag: Wie fühlen Singles sich in (vor allem katholischen) Gottesdiensten, die meist sehr stark von Familien dominiert werden? In vielen Gemeinden, wo sonntags nur noch ein einziger Gottesdienst stattfindet, wird er von udn für Familien gestaltet. Das ist schön für die Familien, aber als Alleinstehende(r) fühlt man sich dort notgedrungen oft fehl am Platz. Da wünscht man sich eher einen traditionellen Gottesdienst, der mehr Raum für Andacht und Ansprache bietet und nicht nur auf eine spezielle Aktivitäts-Gruppe zugeschnitten ist und/oder von ihr gestaltet wird. Auch hier ist es eben so, dass sich eine ursprüngliche Minderheit - die Familie: Kinder durften früher im Gottesdienst nur mit gefalteten Händen still sitzen oder knieen! - stark gemacht hat. Auch das ist positiv, meine ich, darf aber nicht auf Kosten der Alleinstehenden gehen. Zusätzliche oder wechselweise Angebote könnten das Problem lösen - ok, wenn der Priestermangel nicht wäre...

4. Im Großen undn Ganzen scheint es mit dem "Familismus" aber ähnlich zu gehen wie mit dem Feminismus, und das macht den Beitrag von Herrn Püttmann so interessant: Was ursprünglich einmal sehr notwendig und befreiend war, droht, sich zunehmend in sein Gegenteil zu verkehren. Wenn der Feminismus zur Ideologie gerät und nicht mehr Gleichstellung, sondern Frauenbevorzugung das Ziel heißt, verliert er an Sympathie. Meine zumindest. Man lese nur das eben erschienene Buch von Monika Ebeling "Die Gleichberechtigungsfalle" (Herder), jener Goslarer Gleichstellungsbeauftragten, die im vorigen Jahr fristlos entlassen wurde, weil sie sich auch für Männerthemen stark machte. Das ist genau der Punkt, an dem eine ursprünglich sehr wichtige, befreiende Bewegung kippt: Im Fall des Familismus muss man da eben auch aufpassen, die Argumente sind genannt, und deshalb fand ich den Beitrag zu diesem Thema auf Ihrer Seite eine ganz hervorragende Anregung!

Herzliche Grüße
Birgitta vom Lehn
Bremen

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15.06.2012

"Sein Motiv: Dirk Niebel" von Astrid Prange (Nr. 25)

Großartig, wie Astrid Prange diesen Menschen bloßstellt, und das auch noch auf der „frontpage“ von C&W! Wie kann sich unsere Regierung und unser Land einen…

…so schamlos handelnden Minister erlauben? Und das auch ohne Teppichaffäre.

Dirk Bleese

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01.06.2012

Ein Rettungsschirm für Rom?

Autor Volker Resing betrachtet den Vatikan, also die Zentrale der Catholica, durch eine römisch-getönte, vielleicht auch ultramontane Brille.
Jahrhundertelang, eigentlich fast zwei jahrtausende lang, war der…

…Vatikan jedoch ein weltlich-orientiertes Herrschaftszentrum, dessen Führungsfiguren, den Päpsten und seinen devoten Kardinälen es einzig um Macht und Einfluß weltweit ging. Die wahre "Geschichte des Papsttums", etwa von Karlheinz Deschner oder die Veröffentlichung des früheren katholischen Priesters und späteren münsteraner Theologieprofessors Horst Herrmann ("Die Heiligen Väter - Päpste und ihre Kinder") sind in dieser Hinsicht mehr als erhellend.
Erinnert sei auch an die sogenannte "Heilige Inquisition" und den von dieser vatikanischen Einrichtung instruierten Hexen- und Ketzerverbrennungen, also der physischen Vernichtung Anderdenkender.
Die politische und auch kirchliche Macht ist diesem Herrschaftszentrum auf dem römischen Hügel nicht zuletzt durch die Folgen der Französischen Revolution entrissen worden, glücklicherweise.
Davon schreibt Volker Resing allerdings nichts oder nur schamhaft-spärliches.
Die Vorstellung, in einer Zeit vor 1789 etwa in einem sogenannten "christlichen Europa" unter der Knute der römischen Kurie und ihrer klerikalen Machthaber vor Ort leben zu müssen, schreckt mich mehr als ein Leben ohne diesen Vatikan, der bekanntlich eine Brutstätte ungeheuerlicher Schandtaten war (und imer noch ist?).
Eines waren der Vatikan und die katholische Kirche während der rund zweitausendjährigen Geschichte jedenfalls nie: ein Ort der Freiheit des Geistes und der Selbstbestimmung der Menschen. Wozu also braucht die Menschheit einen "Rettungsshirm für Rom", für diesen eher dubiosen Vatikan?

Robert Marxen

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27.05.2012

Erika Steinbach: "Ich kann nicht hassen" von Hans-Joachim Neubauer

Ich habe mich sehr über den Artikel zu dieser Frau gefreut, deren einziger „Fehler“ ist, eine begründete Überzeugung zu haben, sie klar zu formulieren und…

…sie zu vertreten und dafür – ja – zu kämpfen. Klare Positionen sind offenbar weder in der Politik noch in der Berichterstattung gefragt, da sie eine Auseinandersetzung damit erfordern und dann auch das Nachdenken über eine eigene Position. Hut ab vor dieser Frau, bei der man weiß, wofür sie steht und wo sie hinwill – wie wohltuend in einer Zeit, da keiner anecken will.

Eugen Deubner

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25.05.2012

Erika Steinbach: "Ich kann nicht hassen" (Nr. 22/2012)

Es mag positive Dinge an Frau Steinbach geben - aber in ihren Äußerungen schimmert immer wieder der Eindruck durch, sie nehme die Verbrechen der Nazis…

…lediglich zur Kenntnis, Schmerz empfindet sie aber nur in Anbetracht des Schicksals der Vertriebenen. Die Zerstörung deutscher Städte und die Vertreibung Zigtausender war nach meiner Überzeugung eine noch immer gnädige Strafe für die Vernichtung der europäischen Juden und den Morden an Slawen, Sinti und Roma, Schwarzen, Kommunisten, geistig Behinderten und Homosexuellen durch die Deutschen. Es gab auch Vertriebene, die sich gegen Hitler und seine Schergen engagiert hatten - aber die Wahlergebnisse der NSDAP waren in den "Ostgebieten" überdurchschnittlich und die Mehrheit der deutschen Bevölkerung nahm die Verfolgung ihrer Nachbarn mindestens teilnahmslos hin, wenn sie sich nicht gar aktiv beteiligten. Und gerade die Wiederstandskämpfer, die aus diesen Regionen stammen, sind nicht bei den Vertriebenen aktiv! Diese Menschen akzeptieren vielmehr ihr Schicksal als Beitrag zur Versöhnung. Einer der wenigen Verdienste der Adenauer-Administration ist der Versuch, durch den Lastenausgleich diese Versöhnungsleistungen auf alle Schultern zu verteilen.

'Holger App

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20.05.2012

"Fahrt ins Blaue": Interview mit Reimer Gronemeyer über den Weg zum Himmel

zunächst vielen Dank für das erhellende Interview "Fahrt ins Blaue" mit Reimer Gronemeyer. Mit seinem Insistieren auf Solidarität mit den Gescheiterten und seinem Plädoyer für…

…Gelassenheit trifft er den Wesenskern der christlichen Botschaft. Fassungslos macht mich hingegen seine Aussage, ein "religions- und konfessionsübergreifender Himmel wäre ein schrecklicher Gedanke, ein geschmackloser und neutraler Ort". Wie bitte? Genau das wollte Jesus nicht: Menschen ausgrenzen und ins Abseits stellen, ihnen gleichsam die Tür vor der Nase zuzuschlagen, nur weil sie einen anderen (Glaubens)hintergrund haben. Der Himmel ist für alle offen!
Auch finde ich es mindestens befremdlich, wenn er sagt: "Die Vorstellung, man müsse dieses und jenes tun, um in den Himmel zu kommen, ist zutiefst unchristlich. Es kann nicht darum gehen, gute Werke zu tun, um dafür belohnt zu werden." Nun bin ich wahrlich kein Experte in Bibelexegese, habe noch nicht einmal Theologie studiert. Dennoch fallen mir aus dem Stand mindestens 5 Bibelstellen ein, die genau das aussagen: Der Mensch wird beurteilt werden nach seinen Taten und dafür vor Gott Rechenschaft ablegen müssen. Freilich muss die Gnade Gottes hinzukommen, doch kann ich mir nicht vorstellen dass diese unabhängig davon sein soll, wie ich mein Leben gelebt habe.

Stefan Martin

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19.05.2012

Wie kommt man in den Himmel?

Wie kommt man in den Himmel? Es ist bezeichnend für den erbärmlichen Zustand der Kirchen in Deutschland, dass weder ein katholischer Kardinal noch die EKD-Kulturbeauftragte…

…auf die elementarste Frage des christlichen Glaubens eine vernünftige Antwort geben können (oder wollen?)! Johannes 3,16: "Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben."

Andreas Rau

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09.05.2012

Für viele, nicht für alle (Nr. 18) von Ludwig Ring-Eifel

was kann den Papst noch weiteres veranlassen, den lebendigen Glauben zu ersticken. Er differenziert zwischen „Übersetzung“ und „Interpretation“. Wenn bei Mark 16;15 steht: "Geht in…

…die ganze Welt und verkündet allen Menschen das Evangelium", dann hat die Interpretation Vorrang.
"Ecclesia semper reformanda" verpflichtet zur verständlichen Wiedergabe des Sinnes. Der Grundsatz, je wörtlicher desto sinngetreuer, ist widerlegt. (Berger/Nord). Ich empfinde immer stärker den Bruch zur Glaubwürdigkeit, weil die Liturgie mit doppelter Zunge spricht. Einerseits sind wir getaufte und Kinder Gottes, andererseits dürfen wir das Abendmahl nur empfangen mit dem Vorbehalt, unwürdig zu sein und nun der Erlösung nicht mehr sicher zu sein (nur für viele?).
Der gespreizte Dialogprozess „Liturgia“ anno2013 wird zum Verkündigungsschwur, entweder wird die Kommunion als Einladung Jesu verstanden, oder das vom Papst postulierte ‚ "für viele" wird zur Farce, weil nicht klar wird, wer denn noch zu den ‚Erwählten gehört. Und dann überläßt der Papst die Frage "für alle" dem Geheimnis des Herrn!?
Seit zwei Jahren schreibe ich Brandbriefe an alle Bischöfe – erschreckend deren Desinteresse. Wie auch jetzt, wieder nur Unterwürfigkeit zu vielen päpstlichen Entscheidungen. Alles Mitdenken kulminiert zu devoter Haltung in der Zuständigkeit einer Person, dem Papst.

Egon Dammann

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04.05.2012

Der Atheist: "Erbsen zählen" (Nr. 19) von Martin Ahrends

Der Atheist, der uns berührt, weil er so nah am Alltag bleibt.
Weil er so ein Gespür für die kleinen und großen Sorgen seiner Mitmenschen…

…hat.
Weil er Mitten im Leben steht und kämpfen muss wie viele andere auch.
Weil er kein Priviligierter zu sein scheint.
Weil die Erbsen, die er zählt, trennt, bevorzugt oder wegschmeißt, in jedem Friedhof dieser Erde zu finden sind.

Adelina Santander

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04.05.2012

Stückwerk Luther (Nr. 19) von Wolfgang Thielmann

Wolfgang Thielemann moniert mit Recht in diesem Artikel, dass beiden großen Kirchen Ideen fehlen, wie sie die Erinnerung an das Weltereignis Reformation feiern wollen. Eine…

…Ursache dafür sieht der Autor in der Tatsache, dass die Frage Luthers, wie er einen gnädigen Gott bekomme, Protestanten heute nicht mehr interessiere, denn "sie setzen voraus, dass sie ihn haben."
Nun ist aber interessant, dass der Direktor der katholischen Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus in Nürnberg in seinem Vorwort zum Publikationsband "Wohlstand anders denken - Lehren aus den aktuellen Weltkrisen" (echter verlag 2012, S. 9) feststellt, dass die Frage nach dem gnädigen Gott von Luther genau der Frage entspricht: Wie kann mein Leben gelingen? Luther gibt darauf eine sehr kurze Antwort, wenn er sagt: "Der lebt am allerbesten, der sich nicht selbst lebt." Daraus könnte sich der Skopus eines lebendigen Reformationsjubiläums für beide Kirchen ergeben, wenn sie in unserer augenblicklichen Wirtschafts- und Gesellschaftskrise die Herausforderung annehmen und als Aufgabe formulieren: Die Reformation geht weiter, denn wir fragen heute: Wie kann ein gutes Leben für alle gelingen, besonders für die Armen und Bedürftigen dieser Erde? Daraus ergeben sich Folgefragen: Wie müssen wir unser Gemeinwesen gestalten? Wie organisieren wir Staat, Wirtschaft und Gesellschaft, um Rahmenbedingugnen für ein gelingendes Leben für alle zu ermöglichen? Diese Aufgaben anzufassen wäre wahrlich ein Gütezeichen beider Kirchen, Luthers Reformationsanliegen heute gerecht zu werden!

Dr. Christoph Körner

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