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Leserbriefe

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20.03.2014

Du, wir stricken uns die Ehe

Ausgesprochen treffsicher hat Christiane Florin die Gegensätze der traditionell "rückwärtsgewandten" und der eher "fortschrittlichen" Kräfte innerhalb des katholischen Klerus zum Thema Ehe herausgearbeitet und dargelegt.
Wo…

…steht eigentlich, dass sich Jesus aus Nazareth dezidiert für eine Unauflöslichkeit der Ehe ausgesprochen haben soll und wo ist eine solche Aussage authentisch überliefert? Die sogenannten Evangelien sind keine historischen Schriften, die zu Lebzeiten dieses Jesus verfasst wurden, sondern fromme Legenden, die etwa 50 bis 150 Jahre nach dessen Tod in griechischer Sprache aufgezeichnet worden sind.
Das "christliche Glaubensgebäude" (Evangelien , Apostelgeschichte und ähnliches) entstand bekanntlich Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte später und wird dem Kirchenvolk bis heute als "historisch" verkauft, obwohl es sich tatsächlich um Menschenwerk und nicht um eine "göttliche Offenbarung" handelt. Wer all` dies weiß, wird kaum noch glauben können.
Das ist auch einer der wesentlichen Gründe für das schleichende, aber rapide Abschmelzen der christlichen Botschaft, deren Glaubwürdigkeit nicht zuletzt auch durch das Verhalten vieler ihrer "Verkünder" inzwischen gegen Null tendiert.
Papst Franziskus weiß dies und versucht offenbar mit aller Kraft, das allmähliche "Verdunsten" auch der römisch-katholischen Religion zu verhindern. Wenn er es jedoch nicht schafft, die konservativ-reaktionären Kräfte innerhalb der Kurie und des Klerus zu eliminieren, dürften seine Mühen dauerhaft erfolglos bleiben. Papst Franziskus wird der Welt allerdings als einer der wenigen Päpste mit menschlichem Antlitz in Erinnerung bleiben.

Yvonne Walden

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22.02.2014

Artikel: Ist Gott noch Mitglied der Evangelischen Kirche?

Allein schon der Titel ist für ein katholisches Magazin schlicht eine Frechheit. Man stelle sich vor, Chrismon würde fragen, ob Gott noch in der römischen…

…Kirche zu Hause sei. "Rückfall in die Zeiten schwärzester konfessioneller Polemik" würde man unken.
Die Autorin Friederike Gräff, evangelisch sozialisiert, kennt aber nach eigenem Bekunden evangelische Pastoren nicht wirklich aus der Nähe; was sie mit diesen Vertretern der "Amtskirche" erlebt hat, ist von verwirrender Uneindeutigkeit. Und das wünscht sie sich von der evangelischen Kirche: eine klare, eindeutige Position, an die man sich halten oder an der man sich reiben kann in der irritierenden Vielfalt der Meinungen.
Dabei hat sie einen Grundzug protestantischen Christseins nicht verstanden - daß Kirche nicht die Vertreterin Gottes auf Erden ist, sondern Empfängerin des Wortes, creatura verbi. Sie hat durchaus Teil an der Uneindeutigkeit der Welt, versteht sich nicht als Besitzerin von Wahrheiten, die in Hirtenworten unters Volk getragen werden. Sie bemüht sich in der Tat zu argumentieren statt zu dekretieren (was Gräff als "Werbeargumente" schlechtredet), beheimatet in gesellschaftlichen Fragen (etwa Pränataldiagnostik) unterschiedliche Meinungen und hält diese Spannungen aus.
Die evangelische Kirche hat gewiß Schwächen, die aber hier nicht wirklich analysiert werden. Sie hat sicher eine bürgerliche Schlagseite, denn viele ihrer Mitglieder bringen diesen Hintergrund mit. Aber sie beheimatet eben auch andere Milieus. Und es ist kein Mangel, sondern entspricht gerade ihrer Eigenart, daß nicht von oben alles verordnet wird. Eine Zentralstelle der EKD für Kindertagesstätten kann und soll eben nicht für alle evangelischen KITAs anordnen, wie das mit dem öffentlichen Gebet zu handhaben ist. (Wenn dann mal umgekehrt etwas übergemeindlich geordnet ist wie im Beispiel mit der Kollektenverwendung, ist's der Autorin auch nicht recht. Klarheit ja, aber bittschön dann auch so, wie ich's gern hätte.)
Die Sehnsucht von Friederike Gräff nach einer eindeutigen Kirche ist nachvollziehbar. Vielleicht ist sie nicht nur in einem katholischen Magazin, sondern auch in der katholischen Kirche besser aufgehoben als bei uns Evangelischen. Das meine ich völlig unpolemisch, als Evangelischer erkenne ich die Kirche Jesu Christi auch in anderen Konfessionen.
Allerdings, wenn ein katholisches Magazin diesen Aufschrei einer sehnsuchtsvollen Seele benutzt, um anti-evangelische Stimmung zu machen oder gar von den Fehlern der eigenen, sich oft allzu autoritär gebärdenden "Amtskirche" abzulenken, dann ist das nur eins: dreist.

Andreas Höfeld

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21.02.2014

Ist Gott noch Mitglied der evangelischen Kirche?

Ein großartiger Artikel dem ich als Kurator einer evangelischen Pfarrgemeinde in Österreich (www.evang-althofen.at) nur voll zustimmen kann. Allerdings kenne ich in vielen Gemeinden doch zahlreiche…

…Pfarrer, die gegen den theologischen Zeitgeist das Wort Gottes treu zur Sprache bringen und Stellung beziehen. Die in den Medien vertretene theologische Führung hechelt aber tatsächlich meist dem links-liberalen Zeitgeist nach.
Das Thema Abtreibung: gibt es nicht. Homosexualität: - das Thema wird behandelt, als würden homosexuelle Menschen nur unter der Diskriminierung nicht aber unter ihrer Form der Sexualität leiden (obwohl es dafür zahlreiche wissenschaftliche Belege gibt).
Islam: - die Auseinandersetzung reduziert sich auf eine Warnung vor der "Islamophobie"
Man hat wirklich das Gefühl, als würde man zu einem politischen, links-liberalen, sozial sehr engagierten, kapitalismuskritischen und zunehmend ökologischen Verein gehören, der sich laufend dafür entschuldigt, wenn das Wort Gottes auch mal zur Sprache kommt.

Es lohnt sich jedoch, an der Basis zu suchen. In vielen Gemeinden wird treu verkündigt und wenn nötig auch gegen den Zeitgeist klar Stellung bezogen. Und die Bekenntnisschriften der Evangelischen Kirche sind nach wie vor großartig. Die Evangelische Kirche hätte alle Voraussetzungen dafür, dass Gott auch in dieser Kirche noch "Mitglied" sein könnte - sie müsste nur wieder einmal kräftig reformiert werden.

Manfred Rießer

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09.02.2014

zu: Godehard Schramm: Papa Populus

Herzlichen Dank für diese wunderbare Satire! Wir haben herzhaft gelacht!

Nur noch ein Vorschlag: Sie könnten, wie andere Zeitungen, die Satire als solche kenntlich machen, etwa:…

…"Achtung: Satire".

Ursula Binsack

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08.02.2014

geistliche geisterstunde

Sehr geehrte Frau Florin,
über Ihren Artikel habe ich mich so sehr geärgert, dass ich diesen Ärger mitteilen möchte. Und gleichzeitig fürchte ich, nicht gehört und…

…ernstgenommen zu werde, sobald ich in eine bestimmte, Ihnen nicht genehme Richtung einzuordnen mich verdächtig mache.
Um irgendwo anzufangen: Wie kommen Sie auf die Idee, die Begriffe links und rechts im Zusammenhang mit Formen der Glaubenspraxis zu verwenden? Ich empfinde das als vielleicht ungewollte Botschaft der Abgrenzung: Wer linkskatholisch ist, ist für Schlichtheit, Bescheidenheit, Dritte Welt, Kirchentage und Verhütung. Und wer rechtskatholisch ist, dem ist bewusst, dass ein Bischof jeden Tag die Heilige Messe feiert, dass er das MUSS, der ist gegen Abtreibung, steht auf rote Schuhe und Ratzinger und findet Öko doof. Oder so. Glauben Sie, dass wir Katholiken uns diese Spaltung wirklich erlauben können? Ich empfinde einige Sätze in dem Artikel als gehässig, zB. "Wer tiefer glaubt, zeugt und gebiert mit höherer Frequenz." oder die Sache mit der dimmbaren Wahrheit; Oder die Unterstellung, Benedikt-Fans raunten seltsame Worte, unter denen sich eine leere Hülle verberge; Sie stellen so viele Fragen, auf die sie die Antwort schon zu wissen scheinen, zB. was das konservative Lager eigentlich verteidige, was Tebartz van Elst antreibt, sich in seinem Bistum aufzuhalten und dort die Messe zu feiern, sie unterstellen ohne echte Argumente, den Konservativen seien Gene und Gesinnung wichtiger als Gott und die Menschen... Und ich frage mich, was kann Sie dazu motiviert haben, einen Artikel zu schreiben, der keinerlei Erkenntnisinteresse zu verfolgen scheint? Der Wunsch nach Selbstbestätigung? Nach Ausgrenzung? Ich hielt es immer für ein Spezifikum unserer Kirche, dass sie so weit ist, dass unter ihrem Mantel so viele Spiritualitäten Platz haben. Aber aus Ihrem Artikel lese ich heraus, dass ich in einer Kirche ihres Geschmacks keinen Platz hätte: Als studierte Philosophin, die über Ratzinger gearbeitet hat, öko denkt und wählt, Großfamilien toll findet und nichts gegen Moscheenbau hat, Franziskus ebenso anerkennt wie seinen Vorgänger...wo passe ich hin in Ihrem Schwarzweiß-Schema?

Eike Trede

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07.02.2014

Geistliche Geisterstunden

Ich finde Ihre Formulierung, dass der Glaube auf dem Beckenboden entschieden wird sehr treffend, würde aber auch meinen, dass ein solcher nichts mit Vernunft und…

…Diskurs zu tun hat, sondern oft allein auf dem Fundament des Rechthabens und der emotionalen Sicherheit des Hergebrachten beruht. Insofern ist es ein trauriger, defensiver, abgeschotteter Glaube, der aber auch einen künstlichen Schuss an Begeisterung aufweist, die wenig überzeugend wirkt, .

Heinrich Westphalen

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20.12.2013

"Ich habe keine Angst, vor nichts und niemandem" Aus: Christ & Welt Ausgabe 52/2013

"Ich fühle mich von Gott berufen. Das gehört zum bischöflichen Selbstverständnis." Da bleibt die Rückfrage, ob er denn die Stimme Gottes kennt, ob er die…

…Stimme Gottes im Herzen vernimmt, so daß er sagen könnte, ich tue das, was der Vater im Himmel mit zu tun aufgibt.

Und auf die Redaktionsfrage: C & W: Von wem lassen Sie sich beraten?
Overbeck: Von den Weihbischöfen, dem Generalvikar, den Pfarrern des Bistums, von kirchlich Engagierten und von Leuten, die der Kirche fernstehen. Wirtschafts- und Arbeitnehmervertreter frage ich um Rat, auch Leute aus Kunst und Kultur."

Auch Overbeck sucht keinen Rat bei Jesus persönlich, sondern bei Menschen.
Was können ihm denn Menschen geben, was Gott ihm nicht geben könnte?
Overbeck gehorcht auch nicht Gott, sondern dem Papst, wie er sagt.
Was hat diese Kirche noch mit der Lehre Jesu zu tun? Sie wird nicht vorgelebt und auch nicht verkündet, also erntet die Kirche heute das, was sie in Jahrhunderten ausgesät hat, Unkraut, und das ist gerecht, denn Gott ist gerecht.

Ingo Schneuing

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16.12.2013

Der Vater ist unser, nicht euer - von Uwe Bork

Dass Weihnachten unzumutbar für Muslime ist, ist schon Paulus klar (1.Korinther 1,23): "Wir jedoch verkünden Christus, den gekreuzigten Messias. Für die Juden ist diese Botschaft…

…eine Gotteslästerung und für die anderen Völker völliger Unsinn."
Es ist irritierend, dass das Gebet für Muslime von Uwe Bork als "nicht auf Augehnhöhe" kritisiert wird - ich bete doch nicht für Menschen, weil ich ihnen überlegen wäre! Es geht nicht um die Frage der Augenhöhe, sondern vielmehr um die der "Christushöhe". Ich nenne mich Christ, weil ich von Christus abhänge, und von ihm wiederum mein Leben abhängt... und auch das jeden Muslimen, Hinduisten, Agnostiker, Namenschristen, Atheisten etc.

Ulrich Neuenhausen

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15.12.2013

Zu Interview mit Daniel Bühling "Wie tickt ein Priester?"

Sehr geehrte Christiane Florin, sehr geehrter Daniel Bühling!
Es mutet grotesk an, wenn Daniel Bühling Missstände in Priesterseminaren beklagt, an denen er nach eigener Auskunft selbst…

…regen Anteil genommen hat. Dieser Widerspruch verleiht seinen Analysen zwar eigentherapeutische Plausibilität, offenbart aber zugleich die Begrenztheit seiner Perspektive, mit der er sich ganz im Mainstream bewegt: Bei der berechtigten und notwendigen Forderung nach Reformen in den kirchlichen Moralvorgaben, den Zulassungskriterien zum Priesteramt und nicht zuletzt in der Struktur kirchlicher Ausbildungsstätten, scheint ein Gelingen priesterlich-ehelosen Lebens nicht mehr vorstellbar.
Kann es überhaupt sein, dass ein Mann nach schwerem Ringen in eben dieser Lebensform als Priester nicht eine Flucht, sondern ohne Verlogenheit oder Doppelleben seinen Weg zum Glück und zu einer wirklichen Solidarität gerade mit den Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen allein leben, findet? Für Bühling und viele andere scheint dies außerhalb der eigenen Vorstellungswelt zu liegen.
Ihnen ist zu entgegnen: Die Welt ist größer, als die eigene Begrenztheit es erahnen lässt. Es gibt auch sie, diese Priester, deren glückliche und ehrliche (!) Existenz gerne als unmöglich dargestellt wird!

Dr. Wolfgang Beck
Pfarrer, 39 Jahre alt , Hannover

Wolfgang Beck

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10.12.2013

Gottesbild, Uwe Bork

Uwe Bork
„Der Vater ist unser, nicht euer“
Christ und Welt Dezember 2013


Um es vorweg zu sagen: Ich gehöre zur von U. Bork gescholtenen Deutschen Evangelischen Allianz,…

…konkret zum Vorstand des Instituts für Islamfragen der Ev. Allianz. Ja, ich bin auch für Dialog und freundschaftliche Beziehungen mit Muslimen. Ich habe 14 Jahre in einem islamischen Land gelebt und die große Mehrzahl der mehrheitlich islamischen Länder wiederholt und ausreichend lange besucht. Ja, man kommt schnell und leicht mit Muslimen in gute Begegnungen und tiefe Gespräche. Und das ist gut so. Muslimen käme es dabei allerdings nicht in den Sinn, auf Aspekte ihres öffentlichen Feierns zu verzichten, nur weil dies vielleicht Anstoß bei Christen auslösen könnte. Ähnliches, wie Uwe Bork vorschlägt, würde bei gläubigen und überzeugten Muslimen Kopfschütteln hervorrufen. Nein, im echten Dialog sollten beide Seiten respektvoll und ausreichend selbstkritisch die verwandten und die trennenden Aspekte ihres Glaubens ansprechen können. Wenn das nicht möglich ist, ist auch kein echtes Gespräch möglich. Glücklicherweise sind gesprächsbereite Muslime viel selbstgewisser, als das bei U. Bork anklingt. Sie wünschen sich echte Gesprächspartner – ja, sicherlich auf Augenhöhe -, aber diese nicht als dhimmi, die mögliche Anstoß verursachende Aspekte vorauseilend ausblenden. Kenntnisreiche Muslime schauen durch solche eine Position hindurch. Man kann natürlich behaupten, dass nichts gegen „gemeinsames Gebet als Zeichen für den Willen zur guten Nachbarschaft“ oder gegen die „gemeinsame Bitte um Gottes Segen“ spricht. Sicherlich gute Intentionen! Ich würde das aber aufgrund des doch stark verschiedenen Gottesbildes anders sehen. Außerdem - wenn ich bei diesem gemeinsamen Gebet zu unserem himmlischen Vater oder im Namen Jesu, des Sohnes Gottes, bete, müsste dies auch dem gläubigen Muslim neben mir eigentlich „als Zeichen höchster theologischer Verirrung erscheinen.“ Da hat U. Bork allerdings recht.

Dr Dietrich Kuhl, Essen
Vorsitzender des Instituts für Islamfragen der Ev. Allianz

Dietrich Kuhl

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