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Leserbriefe

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08.05.2015

Stunde Null

vor einigen Jahren hatten Sie (noch im Rheinischen Merkur) eine Leserumfrage
gestartet, wie die deutschen Bürger das Ende des 2. Weltkrieges am 8. Mai 1945
erlebt hatten.…

…Die veröffentlichten Reaktionen beschränkten sich im
wesentlichen auf einfahrende PKWs der Siegermächte in Städte und Dörfer und
überlegene Erlösungsgefühle und Ergebensfahnen (meist Betttücher) aus den
Fenstern. Die Sieger verteilten in überlegener Großzügigkeit Kaugummi und
Schokolade an Kinder. Ich selbst hatte einen Beitrag geschrieben als Zeitzeuge
des letzten Kriegstages, an dem ich definitiv (um meinLeben) gekämpft hatte.
Irgendein Echo auf meinen Beitrag habe ich niemals erhalten.

Der Beitrag lautet wie folgt:
Der 8. Mai 1945 – bis zur letzten Patrone
Der Anruf erreichte uns morgens um 02:00 Uhr am 8. Mai 1945 mit dem Befehl,
uns mit vollständigem Marschgepäck unverzüglich nach Gardermoen – ein
Flughafen 30 km nördlich von Oslo – zu begeben, um dort weitere Befehle
entgegen zunehmen. Der Befehl kam überraschend. Es hieß, Dönitz, der nach dem Tod Hitlers Oberbefehlshaber der Deutschen Wehrmacht geworden war, hätte höchste Dringlichkeitsstufe angeordnet. In Gardermoen herrschte überall
Aufbruch- und Abbruchstimmung. Die Vorratsmagazine wurden geplündert und waren für jedermann frei zugänglich. Jeder wollte in den Westen ausfliegen oder
ausgeflogen werden. Wir wurden zum Befehlsempfang gerufen. Unser Auftrag
lautete: Flug in den erbittert umkämpften Kessel von Kurland, wo ein Teil der
Nordarmee eingeschlossen war. In einem Feldflughafen in der Nähe von Wilna
(Litauen) sollten wir eine maximal mögliche Anzahl von Verwundeten aufnehmen
und nach Westdeutschland ausfliegen. Über die militärische Lage und den
Frontverlauf war nichts genaues zu erfahren. Paul (Name geändert) – der Pilot
und ich, Copilot, Navigator und Funker in Personalunion - sollten abweichend
von der üblichen Besatzungsstärke von 5 - die Maschine eigentlich allein
fliegen. Aber nach kurzer Erörterung der auch im Osten inzwischen
eingetretenen Lufthoheit der Russen wurde ein Gefreiter des Bodenpersonals,
der sich mit der Schnellfeuerwaffe in der Heckkanzel auskannte, als
Heckschütze abkommandiert. Ich bekam eine Funkfrequenz des Zielflughafens,
sollte jedoch Funkkontakt erst für den Landeanflug herstellen. Dann stiegen
wir in die für den Einsatz vorbereitete, vollgetankte und munitionierte
Maschine und rollten zum Start.
“Ab morgen wird alles besser“, grinste Flugzeugführer Paul als er an 8. Mai
1945 (der letzte Kriegstag!) alle 4 Gashebel mit gestrecktem Arm bis zum
Anschlag durchdrückte und unsere Focke Wulf 200 –Condor um 08:30 Uhr von
unserem Flughafen im besetzten Norwegen mit dem vertrauten Startgeräusch in
Richtung Kurland abhob. Ich kannte Paul lange genug, um zu wissen, dass sich
hinter seinen sarkastischen Scherzen meist eine gewisse Anspannung vor heiklen
Einsätzen verbarg. Schließlich wussten wir, dass die vollständig im Kessel von
Kurland eingeschlossenen deutschen Truppen sich dort mit den Russen eine
erbitterte Abwehrschlacht lieferten und dass nach der Kapitulation der
Reichsregierung die Einstellung der Feindseligkeiten erst für heute 24:00 Uhr
vereinbart, also bis dahin noch Krieg war.
Paul und ich hatten 43/44 als Besatzung im KG 40 von Cognac aus Fernaufklärung
über dem Nordatlantik geflogen, hatten amerikanische Geleitzüge gesucht, auch
gefunden und ihre Position an U-Boote weitergegeben, hatten Agenten in Marokko abgesetzt und Einsatzpläne für eine Bombardierung von New York entworfen - keine Utopie, immerhin hatte die Condor - der einzige Langstreckenbomber der Luftwaffe - schon 1938 einen Nonstopflug von Berlin nach New York absolviert.
Aber das war jetzt alles vergessen. Als die Alliierten nach der Invasion Paris
erreicht hatten, wurden wir nach Trondheim/Vaernes (Norwegen) verlegt und
flogen nachts mit den mit neuem Schiffssuchradar ausgerüsteten Maschinen
Nordmeereinsätze gegen alliierte Geleitzüge, die über Spitzbergen eisfreie
Häfen in Russland erreichen sollten. Eine bleierne Zeit, in der die sich
ständig verdüsternden Frontberichterstattungen, bei denen die Namen
westdeutscher Städte immer häufiger auftauchten, und schließlich der Tod
Hitlers uns alle stiller und skeptischer werden ließen. Die offiziellen
Verlautbarungen der Reichs-Propagandamaschine, die immer noch die
entscheidende Wunderwaffe und „den Zeitpunkt, der die Wende bringt“
ankündigten, wurden kaum noch diskutiert. Nachdem die Westmächte schon im
Januar die Elbe erreicht hatten, schien es eine „Westfront“ nicht mehr zu
geben. Im Osten tobte ab Mitte April die Schlacht um Berlin.
Wir hatten für die Strecke Oslo-Kurland eine Flugzeit von 5½ Stunden
berechnet. Bei einem wolkenlosen azurblauen und strahlenden Frühlingstag
flogen wir nach Sicht In den Kessel von Kurland – also ein
Himmelfahrtskommando – jeder von uns dachte das wohl, aber keiner sprach es
aus. Vielmehr legten wir eine kaltschnäuzige und trotzige Entschlossenheit an
den Tag, um diesen letzten, möglicherweise sogar allerletzten Einsatz
erfolgreich durchzuziehen. Wir umflogen das neutrale Schweden und steckten den Kurs nach Wilna ab. Nach etwa 5 Stunden kam die Kurische Nehrung in Sicht und ich klinkte mich aus dem Bordsprechverkehr aus, um die Landung auf dem noch ca.45 km entfernten Zielflughafen durch Flugsicherungsfunkverkehr
vorzubereiten. Nach kurzem Antippen kam sofort das „K“ (Empfangsbereitschaft)
und ich gab unseren Code und „QAL“ 10 ein, d.h. ich werde in 10 Minuten
landen. Als Antwort kam Klartext: „Flugplatz unter schwerem Artilleriebeschuss, keine Landung.....“ dann brach der Funkkontakt abrupt ab.
Erst jetzt - ich war vorher konzentriert mit der Aufnahme der Nachricht der
Bodenstelle beschäftigt - bemerkte ich, dass mein Funkgerät durch Einschüsse
zerfetzt und in verbogenes Blech verwandelt war. Blitzschnell kletterte ich in
meinen Gefechtsstand, der mit seiner Plexiglaskuppel über dem Cockpit ideale
Rundumsicht bot. Mehrere russische Abfangjäger vom Typ Jak-3 kurvten im
Luftraum herum, offenbar auf der Jagd nach deutschen Flugzeugen, die in
gleicher Mission unterwegs waren wie wir. Fieberhaft brachte ich meine 2
cm-Schnellfeuerkanone in Stellung gegen einen Jäger im direkten Anflug auf
unsere Maschine. Meine Anspannung löste sich erst, als das hämmernde
Geschlacker meiner Kanone einsetzte und ich über die Leuchtspur eine effektive
Zielkorrektur vornehmen konnte. Der Jäger kippte über die linke Tragfläche ab.
Hatte ich ihn erwischt? Den nächsten hatte ich schon im Visier. Voll
draufhalten, die leeren Patronenhülsen flogen in meiner Kanzel herum. So ging
das weiter. Unser Steuerbord-Außen-Motor brannte und schleppte eine dicke
Rauchfahne hinter sich her. Paul versuchte, durch waghalsige Manöver den
Angriffen auszuweichen. Meine Kanone zeigte Wirkung. Die Jäger folgten uns
nicht mehr, als es auf die Ostsee rausging. Paul cool: „Was ist mit dem
Heckschützen, warum schießt der denn nicht?“. Ich arbeitete mich in das
Heckteil der Maschine vor: Unser Mann hing regungslos und leichenblass in den
Gurten, aber er lebte. An seiner linken Hand fehlten drei Finger, auch der
Oberarm war getroffen, er blutete stark. Ich zerrte ihn in die Maschine auf
eine Plane und riss mehrere Verbandspäckchen auf, um ihn zu versorgen, der
Oberarm hatte nur einen glatten Durchschuss, aber er zeigte schwach auf seine
linke Hüfte. Ich öffnete seine Kleidung, im Beckenbereich war ein
markstückgroßer Einschuss zu sehen, der aber nicht blutete und auch keinen
Austrittsöffnung hinterlassen hatte. Offenbar ein Steckschuss, vermutlich mit
massiven inneren Blutungen. Ich gab ihm was zu trinken. Paul konnte inzwischen
die Kraftstoffzufuhr zu dem brennenden Motor stoppen, der Motor qualmte noch.
In unserer Bordwand waren zahlreiche Einschüsse zu sehen. Lagebesprechung im Cockpit: Eine erneuter Anflug mit einer beschädigten Maschine wäre angesichts der Beherrschung des Luftraums durch russische Jäger unsinnig, die Suche nach einem Ausweichflughafen ohne Funkverkehr aussichtslos, also Rückflug. Paul entschied sich für das inzwischen von den Engländern besetzte Fuhlsbüttel (Hamburg), das er gut kannte. Wir waren schweigsam, dachten an unsere Kameraden in ihrer aussichtslosen Position im Kessel und die sinnlosen Opfer dieses verlorenen Krieges. Gegen 18:00 Uhr Landeanflug Fuhlsbüttel. Ich
feuerte rote Leuchtkugeln ab und wir landeten problemlos, blieben aber nach
dem Ausrollen zunächst auf der Landebahn stehen, da sofort mehrere gepanzerte Fahrzeuge unsere Maschine umstellten. Wir öffneten die Einstiegsluke, hakten unsere kleine Metallleiter ein und stiegen aus. Ein englischer Offizier verhörte uns kurz und gab dann einige Anweisungen. Es kamen zwei Sanitäter, die unseren Heckschützen auf einer Trage abtransportierten. Wir durften dann unseren Kleidersack holen, ich musste noch mal in die Maschine zurück, um meine Kanone zu entladen. Die Kanzel war übersät mit leeren Patronenhülsen meiner Kanone, nur noch wenige Patronen im Gurt. Dann wurden wir zu einer größeren Gruppe gefangener Kameraden geführt und wurden dort gefilzt. Uhren und Wertsachen wurden von einem ruppigen Korporal konfisziert. Orden und Ehrenzeichen wurden uns von der Uniform gerissen, Trophäen für die Sieger, wir waren Gefangene der Royal Air Force. Nach endlosem Warten begann ein stundenlanger deprimierender Fußmarsch durch die nächtlich-bizarren Ruinenfelder Hamburgs. Nach Mitternacht dann endlich Ankunft in einer als Gefangenenlager umfunktionierten Kaserne. In einer mit Hunderten von Aktenordnern gefüllten Turnhalle endete meine Reise dieses langen Tages in die Nacht. Ich war 21 Jahre alt und hatte den Krieg mit 17 Jahren zuerst naiv als spannendes Abenteuer erlebt. Erst langsam dämmerte es mir, dass man unsere jugendliche Begeisterungsfähigkeit schamlos ausgenutzt, aber auch unsere Unfähigkeit, die verhängnisvollen und menschenverachtenden politischen Entscheidungen des SS-Staates zu erkennen und richtig einzuordnen, auf das schändlichste missbraucht hatte.

Prof. Eckhart Buddecke

Antwort der Redaktion

 

 

Aktionsbündnis muslimischer Frauen in Deutschland eV. ()

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01.05.2015

„Wer braucht das Alte Testament?“ in C & W Nr. 18 vom 29.04.2015 zum Interview von Herr Leitlein mit Herrn Prof. Slenczka

Sehr geehrte Damen und Herren,

Bei Befassung mit diesem Interview komme ich zu folgenden Schlüssen:

1. Herrn Prof. Slenczkas These ist die Wiederaufnahme des Programms der Deutschen…

…Christen. Seine ständigen versuchten verbalen vordergründigen Distanzierungsversuche von dieser Tatsache führen nur zur Bekräftigung dieses Eindrucks.

2. Folgt man Herrn Slenczkas „Lehre“ müsste logischerweise das Neue Testament „gereinigt“ werden von

a) allen alttestamentlichen Reflexionszitaten,

b) allen auf dem Alten Testament beruhenden Gebotsbefolgungen des Judentums durch Jesu selbst bzw. sein Umfeld (Darstellung Jesu im Tempel, Diskussion mit den Schriftgelehrten im Tempel) sowie Handlungen Jesu (Lehre in den Synagogen, Bezeichnung des Tempels als „Haus des Vaters“, Jesu Gang nach Jerusalem, um dort - wie es bei gläubigen Juden Sitte war- das Pascha-Mahl nach jüdischen Riten, allerdings mit neuer Sinngestaltung, zu feiern etc.).

Die im Neuen Testament überlieferten Beispiele aus dem Leben Jesu gehören doch auch zur – so Herr Slenczka – „Identität“ der „Lebensgeschichte Jesu von Nazareth“ und zu Gotteserfahrung der Christen, die wir Christen – so Herr Slenczka – „zentral in der Person Jesus von Nazareth“ wahrnehmen. Herr Prof. Slenczka führt mit diesen seinen Aussagen seine These also selbst „ad absurdum“. Argumentative Logik scheint, wie auch andere Passagen seines Interviews zeigen, auf die hier aber einzugehen den Umfang dieses Beitrag sprengen würden, nicht seine Stärke zu sein.


Wustmann Ulrich

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31.03.2015

Der Wahlkämpfer

Den Beitrag von C&W-Redakteur Michael Merten über den "Wahlkämpfer" Raymond Burke habe ich mit Interesse gelesen.
Wenn es zutrifft, dass die katholische Kirche keine demokratisch-strukturierte Institution…

…ist und offenbar auch nicht sein möchte, sollte sich Kardinal Burke mit seiner ablehnenden Haltung zu den Vorstellungen seines obersten Dienstvorgesetzten, Papst Franziskus, doch eigentlich zurückhalten.
Kardinal Burke zählt zu denjenigen, die sehenden Auges zulassen möchten, wie die römische Kirche permanent Einfluss verliert - nicht nur im weltlichen Bereich, sondern auch bei ihren eigenen Mitgliedern, den "Schafen im Pferch". Er zählt zu denjenigen, die rechtschaffen Gläubige mit seinen rigorosen Thesen regelrecht vor den Kopf stößt.
Papst Franziskus dagegen hat die Gefahr einer Marginalisierung seiner Kirche erkannt (was seinem Vorgänger Joseph Ratzinger offenkundig misslang) und versucht, sich auf die "Schafe im Pferch" zuzubewegen, um weitere Ausbrüche aus diesem kirchlichen Pferch zu verhindern.
Ich meine, irgendwo einmal gelesen zu haben, dass päpstliche Entscheidungen, soweit sich diese auf die Glaubens- und Sittenlehre erstrecken, unfehlbar sein sollen.
Wenn sich also hohe Kirchenfunktionäre wie Kardinal Burke gegen die päpstlichen Lehrvorstellungen aussprechen, sollte dies nicht ohne Konsequenzen bleiben.
Kritische Geister wie die Theologen Küng und Drewermann wurden von den vatikanischen Kommandobehörden schlichtweg kaltgestellt. Dabei standen beide immer an der Seite der (noch) Gläubigen, ganz im Gegensatz zu Kardinal Burke.
Warum wird dieser aufmüpfige Kardinal nicht ebenfalls kaltgestellt?

Yvonne Walden

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28.03.2015

Leserbriefe Ablehnung Anzeige Kirche in Not

Diesen Brief schreibe ich ganz spontan, nachdem ich mich über christl. Zeitschriften informieren wollte und bei Google unter Christ und Welt dann irgendwas mit ankotzen…

…stand. Ich wurde neugierig und fand den kurz gefasst den "Pegida gegen Gutmenschen" Streit. Ganz ekelhafte Leserworte vermischt mit argumentierenden und bedenkenswerten. Dazu gäbe es viel zu sagen. Pegida und Co liegen mit vielen Äußerungen, die ich von ihnen gehört habe, meiner Meinung nach daneben, aber auch wir, die Mehrheitsgesellschaft, liegt daneben. Wir brauchen Selbstkritik: Denkfaulheit und Selbstgerechtigkeit grassieren, und manchmal wird es auch fies: Ein Kommentator der Frankfurter Rundschau schrieb sinngemäß: Es wäre ganz o.k., wenn in Frankfurt aus einer Schar von 4000 (!) Gegendemonstranten, die gegen gegen (70) Pegidas steht, Flaschen und Steine auf diese geworfen werden.
In den 70gern spielten linke Demonstranten (in Brokdorf und anderswo) mit dem Staat "David gegen Goliath". Heute spielen sie, nach ihrem Marsch durch die Institutionen, mit allem, was rechts von der Mitte ist (und das sind überwiegend Demokraten!!) "Goliath gegen David". Dieses unfaire Verhalten weckt Aggressionen. Mit Andersdenkenden fair umgehen war ein Leitmotiv des gesellschaftlichen Aufbruchs der 70ger und 80ger. Bitte alle mal in sich gehen!

Michael Rüter

Michael Rüter

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20.03.2015

Recht auf Abtreibung - im Ja und Nein

Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig recherchiert wird, bevor man etwas schreibt. Wenn geschrieben wird, dass die Abtreibung erst ab 1871 bestraft werde, muss…

…man doch mal ein wenig tiefer schürfen. Wie wäre es z.B. mit der Wahrnehmung dessen was schon das Preußische Landrecht 1794 festgelegt hatte:
„§ 10: Die allgemeinen Rechte der Menschheit gebühren auch den noch ungeborenen Kindern schon von der Zeit ihrer Empfängnis.“ „§ 11: Wer für schon geborene Kinder zu sorgen schuldig ist, der hat gleiche Pflichten in Ansehung der noch im Mutterleibe befindlichen.“ Ich möchte, dass wir in unserer Bildungseuphorie wenigstens wieder soweit kämen wie unsere Vorfahren 1794 schon waren!

Hartmut Steeb

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19.03.2015

Gibt es ein Recht auf Abtreibung?

Der Kommentar des Redaktionsvolontärs und Studenten der Evangelischen Theologie, in dem der Autor ein "Recht auf Abtreibung“ propagieren zu können meint, ist erschreckend logikfrei und…

…verrät eklatante Wissenslücken. Zudem enthält der Beitrag zahlreiche falsche Behauptungen, die den Fakten - auch jenseits religiöser Überzeugungen - schlichtweg widersprechen beziehungsweise diese leugnen.
Offenbar weiß Ihr Autor gar nicht, dass der Beginn menschlichen Lebens keine Frage von Meinungen und Gefühlen oder gar Behauptungen ist. Richtig hingegen ist, dass uns die Wissenschaft lehrt, dass alle Dispositionen beziehungsweise Informationen des neuen Menschen bereits bei der Verschmelzung von Ei und Samenzelle gegeben sind. Richtig ist auch, dass der Mensch von diesem Augenblick an als Mensch sich entfaltet und sich daraus zum Beispiel kein Frosch oder eine Pflanze entwickelt.
Falsch hingegen und geradezu lebensgefährlich ist die vom Autor jenseits aller Fakten aufgestellte Behauptung, dass der Embryo „mit der Ausbildung der Lunge unabhängig lebensfähig und damit zum Menschen“ werde. Selbst ein neugeborener Mensch kann keineswegs „unabhängig“ überleben. Falsch ist auch der Verweis auf die von Ihrem Autor offenbar völlig missverstandene Lehre von der unbefleckten Empfängnis und sein Unverständnis, aus dem die absurde Behauptung angeblicher Anbetung von vernunftloser Materie folgert. Auch hier ist Ihrem Autor einiges ganz schräg durcheinander geraten.
Richtig ist hingegen, dass die Kirche korrekterweise auch früher schon die wissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigte, als diese zu sagen wusste, dass es sich sehr wohl von Anfang an um einen sich als Mensch wachsenden und als Mensch entfaltenden Menschen handelt. Also war es nur logisch von der Kirche, diesbezüglich den Lebensschutz nach vorne zu erweitern.
Dementsprechend ist es zudem korrekt und logisch, schlichtweg wahrzunehmen, dass eine Frau mit Beginn der Schwangerschaft ein Kind nicht erst bekommt, sondern bereits hat. Die freie Entscheidung, "ein Kind zu bekommen", ist also vorher möglich. Sobald dieses aber da ist, geht es um das Ja zum Leben und zum Schutz des Lebens. Denn dann geht es bei jeder Entscheidung auch um einen anderen Menschen.
Doch offenbar fehlt es vielfach immer noch an der notwendigen Aufklärung, dass und wie es zu einem neuen Menschenleben kommen kann. Bei der Abtreibung geht es logischerweise nicht (nur) um die Beendigung eines Zustandes der Frau, sondern um die Tötung eines bereits vorhandenen, wachsenden und schutzbedürftigen Menschen. Wer das leugnet, leugnet Fakten.
Die Frage ist deshalb nicht, wie Ihr Autor meint, wie man „selbstbestimmt über die Fortsetzung einer Schwangerschaft“ entscheiden kann, sondern die Frage lautet: Haben wir das Recht, einen anderen Menschen zu töten? Und die Antwort ist spätestens seit den - für Katholiken wie Protestanten übrigens gleichermaßen gültigen - Zehn Geboten bekannt: Du sollst nicht töten! Es gibt also aus Sicht der Humanität und des fundierten Rechts garantiert KEIN Recht auf Abtreibung, sondern nur ein Recht auf Leben! Zum Glück.
Es ist bedauerlich, ausgerechnet in Christ&Welt einen derart unfundierten und undurchdachten meinungsvolantilen Beitrag zu einem so lebenswichtigen Thema zu lesen.
Martin Lohmann
Vorsitzender des Bundesverbandes Lebensrecht (BVL)
Bonn


Sehr geehrte Frau Florin,
Ihnen als der verantwortlichen Redakteurin möchte ich meine Anerkennung für die Zusammenstellung der verschiedenen Beiträge ausdrücken. Es spricht für eine für gute journalistische Arbeit, wenn den Lesern begründete pro- und contra-Beiträge gleichzeitig vorgestellt werden, um auch die eigene Lesermeinung zu hinterfragen oder zu bestätigen. Das war sehr gelungen, zumal so wichtige Themen wie Abtreibung und Pazifismus diskutiert werden. Der Beitrag von Andreas Öhler hat mich sehr beeindruckt, zumal es mich auch an meine Musterung zum Bausoldaten der NVA erinnerte. Auch der "Brief an meinen Sohn" von Petra Bahr findet meine volle inhaltliche Zustimmung.
Vielen Dank und weiter so!
Viele Grüße von Markus Mühlichen


Sehr geehrter Herr Leitlein,

Sie beginnen Ihren Beitrag mit einer Gleichsetzung, nämlich der, dass eine Abtreibung die Ausübung des Menschenrechts über den eigenen Körper sei. Damit setzen Sie vor Ihren Artikel eine Prämisse, bei der die Diskussion beginnen müsste, was Ihre Kollegin im Gegenbeitrag dann auch tut. Denn im Fall der Schwangerschaft ist eben, nach Meinung von Abtreibungsgegnern, nicht nur ein Körper im Spiel dessen Integrität gewahrt werden müsse, sondern zwei. Tatsächlich ist die Schwangerschaft hier eine Zwangslage für die Frau, in die Sie auch unfreiwillig geraten sein kann. Trotzdem hat auch das Kind einen Körper und ein Recht auf dessen Unversertheit.
Den gleichen Schritt wie Sie geht auch der zitierte Tarabella- Bericht in Artikel 45, aus dem Sie anstatt Ihn kritisch zu diskutieren ein Menschenrecht auf Abtreibung ableiten. Das gelingt Ihnen und dem Bericht nur mit Verweis auf das Nicht-Menschsein des Kindes. Das wir uns hier bei der Grenzziehung mit einer heiklen Frage beschäftigen, sollte klar sein, denn ich vermute, dass auch Sie dem ungeborenen Kinde irgendwann das Lebensrecht zusprechen würden. Leider ist solch eine Differenzierung in Ihrem Beitrag kaum zu erkennen. Stattdessen stützen Sie sich auf sehr krude biblische Argumente: Dass die lebensspendende Ruach mit der menschlichen Atmungsfähigkeit gleichzusetzen sei, mag ein Gedanke der Scholastik (und vor unseren medizinischen Einsichten) gewesen sein. Biblisch ist Ruach viel mehr als die Übersetzung "Atem/Odem" wiedergeben mag; ein Recht ein nicht-atmendes Kind zu töten lässt sich daraus nicht ableiten.
Dass die Bibel keine Abtreibung benennt, mag an ihrem mangelnden Interesse am Thema liegen. Dass Tamar ihr Recht gegen ihren Schwiegervater Juda (nicht gegen Onan) in die Hand nimmt, ist eine imponierende Geschichte, über eine sich durchsetzende Frau. Aber irgendein Hinweis auf Abtreibung lässt sich daraus nicht ablesen. Viel mehr bliebe festzuhalten, dass für die Bibel, auch aus sozialgeschichtlichen Wirklichkeiten heraus, jedes Kind immer etwas kostbares ist.
Für mich bleibt am Ende Ihres Artikels kein Argument, dass das Recht auf Abtreibung bestärken könnte - weder biblisch, noch aus Menschenrechtsperspektive. Sie wiederholen die Gleichsetzung vom Anfang: Wer kein Kind bekommen möchte, darf an einer Abtreibung nicht gehindert werden. Damit ist die Frage, ob nicht ab dem Moment der Schwangerschaft bereits ein Kind da ist, dem alle Menschenrechte zukommen sollten, nicht geklärt. Vielmehr wird Abtreibung zur Verhütungsmethode und damit auch in ihren Auswirkungen auf die Mutter verharmlost.
Die Menschenrechte schützen die Schwachen und zu oft haben Frauen diesen Schutz nötig. Gegenüber der Frau ist das ungeborene Kind aber immer der Schwächere. Keine betroffene Frau würde dieser Lage unbekümmert entfliehen. Aber wenn wir eine gesellschaftlich Diskussion darüber führen, dann dürfen wir ebenso nicht unbekümmert über die Existenz eines Menschen hinweggehen.

Zur Sache hat Martin Lohmann ja schon ausführlich Stellung genommen. Daher noch ein Hinweis auf die „ökumenische Konstellation“. Ich finde es bedenklich, wenn ein angehender ev. Theologe so fahrlässig und „zeitgeistig“ mit einem Thema umgeht, das unmittelbar die Menschenrechte und natürlich auch die ethischen Grundüberzeugungen aller (?) christlichen Konfessionen betrifft. Eine Ökumene auf Kosten der (ethischen) Wahrheit möchte und brauche ich jedenfalls nicht. Umso erfreulicher, wie Alina Rafaela Öhler als Frau und Katholikin die Dinge sieht: ein klares, nicht vom Zeitgeist verwässertes Bekenntnis zur Würde eines jeden Menschen von der Empfängnis an! Danke!
Rüdiger Hagens, Heinsberg


„Liebe Alina, ich kann deine Ansichten verstehen - nur teilen kann ich sie nicht. Jedes Kind hat ein Recht auf Leben - das habe ich schon als Kind gelernt. Doch wie oft habe ich mir schon gewünscht, nicht geboren zu sein, mir ge-wünscht, dass meine Mutter damals eine andere Entscheidung getroffen hätte. Natürlich hört sich das schlimm an (und hey, ich hab meine Kindheit überlebt!) und heute fänd es wohl der eine oder andere schade, wäre ich nicht da, aber meine Kindheit war geprägt von Gewalt gegen meine Mutter und psychischem Terror. Das hat bei mir einen gewaltigen Knacks hinterlassen, mit dem ich tagtäglich kämpfen muss und was manchmal sehr viel Kraft kostet.
Ein Kind zu bekommen bedeutet für mich gleichzeitig, Verpflichtungen einzugehen. Es zu lieben, wie es ist und für dieses Kind da zu sein. Aber ganz ehrlich, das zu sagen ist so viel einfacher als es tagtäglich auch zu tun. Kommen dann beim Elternpaar psychische Probleme und eine instabile Beziehung hinzu, hat man zwar einem Kind ein Leben ge-schenkt, ihm aber die wichtigsten Werkzeuge zum Überleben nicht mitgegeben.
Okay, meine Vergangenheit kann ich nicht auf alle übertragen - ungewollte Kinder müssen nicht unbedingt auf solche Verhältnisse treffen. In der heutigen Welt, in der Geld und Schönheit eine solch große Rolle spielen, sind die Werte, die die Eltern mitgeben, die wichtigsten, um im Leben "glücklich" zu werden oder besser, um nicht jeden Tag ums see-lische Überleben kämpfen zu müssen.
Dieser Aspekt, der seelischen Vernachlässigung wird bei der Diskussion der Abtreibung oder nicht Abtreibung immer wieder vernachlässigt. Ungewollte Kinder werden tendenziell eher ein Problem für die Mütter darstellen als eine Herausforderung. Und wenn Kinder ein Problem sind anstatt einer Freunde, wird das ihr Standpunkt im Leben. "Ich bin nichts wert, denn das habe ich von meiner Mutter/Umfeld gelernt" - was zur Minderwertigkeits-komplexen, Depressionen und schlussendlich auch zum Freitod (der auch vom Glauben her nicht gewollt ist) führt.
Natürlich kann man ins Feld führen, das solche Menschen es ja lernen können - in Thera-pien, etc. Ja das ist richtig. Nur prägen sich solche Verhaltensmuster im Kindesalter so tief ein, dass sich solche Muster kaum auf die Dauer ändern lassen.
Ich freue mich über deinen unbrechbaren Gottesglauben und den Glauben an das Leben. Ich persönlich bin aber dennoch froh, dass ich im Falle eines Falles selbst entscheiden kann, ob ich die Verantwortung für einen Menschen übernehmen möchte und vor allem kann.
Meine Anmerkung also: es muss nicht nur die Frage sein, ob Kind oder nicht. Die Frage heißt auch: Kann ich es verantworten, mein Kind so in das Leben zu entlassen? Mit den Genen und den Verhaltensmustern, die es lernen wird?“
Studentin, 24 Jahre, via Facebook

Ein Mensch, der die Konsequenzen seines Handelns nicht erkennt und damit sein Han-deln auch bis zur letzten Konsequenz verantworten kann, der handelt nicht frei. Eine auf-klärende Betrachtung über die Prozedur und die Konsequenzen einer Abtreibung zeigt, dass das, was oft unreflektiert als "Gewebeklumpen" bezeichnet wird, bereits in der zehn-ten bis zwölften Schwangerschaftswoche ein lebendes menschliches Wesen ist.
Die Grenze, die in Deutschland (und vielen anderen Ländern) im Normalfall für die Straffreiheit eines Schwangerschaftsabbruchs gezogen wird, ist also eine willkürliche. Und wie könnte das auch anders sein, beginnt doch das Leben dieser menschlichen Person biolo-gisch gesehen schon im Moment der Befruchtung. Von da an handelt es sich um einen Menschen mit unverwechselbarer Erbanlage, ein einzigartiges und unwiederholbares Sub-jekt. Ist der Mensch also qua Mensch, aufgrund seines Personseins Träger einer unan-tastbaren Würde, kann kein Zweifel darüber bestehen, dass jeder Eingriff zur Beendigung dieses Lebens ein Unrecht ist. Basiert die Menschenwürde hingegen auf einer äußeren Bedingung wie etwa seinem Nutzen für die Gesellschaft oder der Idee eines notwendigen Lebensstandards, ohne den sein Leben nicht lebenswert sei, dann ist der Barbarei der Eugenik Tür und Tor geöffnet. Dann hat auch der schwerbehinderte, der chronisch kranke, der altersschwache, der depressive Mensch sein Recht auf Leben verwirkt.
Janis Pasquale Tortora, Mössingen, via facebook

Liebe Alina, ich finde es ist schon ein arg hohes moralisches Ross, das du da besteigst. Du machst es dir sehr einfach wenn du die Verantwortung für ungewollte Kinder auf Babyklappen und anonyme Geburten schiebst. Dieses Angebote gibt es ja, aber weder flächendeckend noch sonderlich bekannt. Fakt ist, diese Angebote werden wenig und offenbar ungern ge-nutzt. Sie kommen nicht richtig an.
Der praktischen Frage nach traumatischen Schwangerschaften und anderem stellst du die sehr theoretische Frage nach Menschenwürde gegenüber, Auswege scheinen aber zu fehlen. Das ist im Zweifelsfall wenig hilfreich.
Ein Verbot der Abtreibungen fördert meiner Meinung nach Fälle der Art wie wir sie immer wieder zu lesen bekommen: Kleinkind nach Misshandlung tot/verhungert/etc.. Natürlich ist es kein Argument zu fordern man solle die Kinder lieber abtreiben bevor sie in eine solche Situation geraten. Vielmehr zeigt der Ursprung der Situation, dass eine möglicherweise ungewollte Empfängnis eines Kindes eben genauso Leben zerstören kann.
Student, Tübingen

Ich finde es wenig überzeugend, Abtreibungsgegnern pauschal vorzuwerfen, sie würden sich nicht um die Not von Frauen kümmern und sich nicht persönlich für sie einsetzen. Und daraus eine Männlein-Weiblein-Diskussion zu machen, aus der sich Männer heraus-halten sollen, ist doch genau so unfair. Argumente werden nicht besser oder schlechter, weil sie von einem Mann oder einer Frau kommen.
Ich verstehe nicht, warum wir immer Extremfälle bemühen, um von diesen auf ein allge-meines ethisches Prinzip zu schließen. Das funktioniert nicht. Genau das machen wir aber immer bei der Abtreibung, da wird gesagt: "Ja was ist denn mit der vergewaltig-ten/drogenabhängigen/völlig überforderten werdenden Mutter, soll die nicht abtreiben können?". In anderen Diskussionen würden wir solche Argumente nicht vorbringen. Man würde bei der Frage, ob man z.B. einen Menschen erschlagen darf, auch nicht sagen: "Es gibt doch Extremsituationen, in denen man nicht anders kann, wie etwa bei der Notwehr - Es muss daher ein umfassendes 'Recht auf Tötung' geben!". Man würde zu Recht ein-wenden, dass es ein allgemeines Prinzip gibt (das Verbot, andere Menschen zu töten) und davon eine Ausnahme gemacht wird (jemanden in Notwehr oder einer Notstandslage zu töten). Wenn man also immer Einzelfälle bemüht, um damit Abtreibungsgegner als un-menschlich hinzustellen, macht man es sich sehr leicht. Ausnahmen kann immer noch festlegen, wenn man über die Regel gesprochen hat.
Es läuft am Ende auf die Frage hinaus, ob wir einen Embryo als Menschen betrachten oder nicht. Wenn man das nicht tut, ist man fein raus und kann ohne Probleme die Mei-nung vertreten, dass man abtreiben kann, wann und wie man möchte, ähnlich wie man das Recht hat, sich einen lästigen Holzsplitter aus dem Finger zu ziehen. Aber wir wissen alle, dass es so einfach nicht ist. Jeder hat ein Gefühl dafür, dass dieses kleine Ding, das da heranwächst und zu einem fertigen Menschen wird, eben etwas anderes ist als ein Holzsplitter. Wenn man anerkennt, dass es sich um einen Menschen handelt, kommt man nicht umhin, ihm ein Recht auf Leben zuzusprechen, so wie es jeder andere Mensch auch haben muss. Und wenn dieser Mensch leben darf, dann geht es eben nicht nur um die Frage der Selbstbestimmung der Frau.
Das Recht, sein Leben in eigener Verantwortung zu gestalten, muss da enden, wo ein an-derer Mensch für diese Möglichkeit sterben muss.
Ich finde es im übrigen auch interessant, dass immer wieder das Argument mit dem Selbsteigentum als Grundlage für die Selbstbestimmung vorgebracht wird (mein Körper als mein Eigentum, über das ich verfügen kann). Mal abgesehen davon, dass einen das in Wirklichkeit nicht weiter bringt (denn es sind zwei Menschen mit zwei Körpern und jeweils Eigentum an diesen Körpern), wird das meistens von den Menschen vertreten, die Selbst-eigentum ansonsten ablehnen oder überhaupt nicht kennen. Da wird mir dann erklärt, dass der Mensch sich alle möglichen Begrenzungen seiner Freiheit gefallen lassen muss, die Früchte seiner Arbeit überwiegend an den Staat abzutreten habe, Privateigentum ir-gendwie ein fragwürdiges Konzept sei und man auch sonst eher Verfügungsmasse von Allgemeininteressen ist - aber bei der Abtreibung, da wird's dann auf einmal philosophisch, da gibt es dann selbstverständlich das absolute und uneinschränkbare Recht, über den eigenen Körper zu bestimmen (das ich anerkenne), mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass einem anderen dieses Recht überhaupt nicht zustehen soll, noch bevor er den Mund aufmachen und sich darüber beschweren kann. Immer wie es einem gerade passt...
(Und ja ja, natürlich geht's mir gar nicht um Menschenleben, mir geht es nur darum, als Mann über die Körper von Frauen zu bestimmen und mich in ihre Entscheidungen einzu-mischen. Schon klar.)
Student aus Mainz, via Facebook

2011 hat der Europäische Gerichtshof den Beginn des Lebens mit der Zeugung definiert. Abtreibung verstößt gegen Europäisches Recht, nicht nur geben die
Meinung der Kirchen und göttliches Gebot (tu sollst nicht töten)
Man brauch aber Föten um das Hühnereiweiß bei der Herstellung von Impfstoffen zu ersetzen. Lebensunwertes Leben- den Begriff gab es schon einmal- wer für Abtreibung eintritt steht für mich in einer Reihe mit Hitler und Konsorten.
Mechthild Scherer, Wenden

Benedict Schöning

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27.02.2015

Die Rechtsausleger Nr. 6/2015

In dem Beitrag „Die Rechtsausleger“ (Christ & Welt Ausgabe 6/2015) werde ich namentlich erwähnt und gleichsam ins rechte Lager eingewiesen. Als verantwortlicher Christ und langjähriger…

…Mitarbeiter des Rheinischen Merkur möchte ich das nicht unwidersprochen hinnehmen.
Da heißt es: Politikprofessor Konrad Löw, Kuratoriumsmitglied des Forums Deutscher Katholiken, scheute sich in einem Aufsatz über „Deutsche Identität in Verfassung und Geschichte“ nicht, jüdische KZ-Häftlinge, die Dienst in der Gaskammer taten, in die Kategorie von Hitlers Helfern „bei der Umsetzung seiner Endlösungspläne“ einzureihen.
Doch der fragliche Text, an dem bisher niemand Anstoß genommen hat (!), lautet (siehe Löw „Adenauer hatte recht …“ S. 198): Aber Goldhagen hat doch bewiesen, dass Hitler schier zahllose Helfer bei der Umsetzung seiner Endlösungspläne fand: Deutsche, Ukrainer, Letten usw. Was nicht in sein Bild passt, sind Juden. Doch auch sie leisteten einen beachtlichen Beitrag als Judenräte, als Häscher, als Polizisten, in den Gaskammern. Bei den Juden war es sicherlich ausnahmslos Angst um das eigene nackte Leben, bei den anderen überwiegend Mordlust oder Sadismus, Kollektivgeist, soweit die Täter nicht von der absoluten Verbindlichkeit eines Befehls ausgingen (Befehlsnotstand?), oder die Sorge, andernfalls der Ächtung durch Vorgesetzte und Kameraden zu verfallen, eine Schwäche, die selbst in einem freiheitlichen Gemeinwesen auf Schritt und Tritt anzutreffen ist.
Der von mir geschilderte Sachverhalt ist unbestritten richtig. Ich weiß nicht, wie man es verantworten kann, diesen Kontext zu unterschlagen, um mich, den Sohn eines behördlich anerkannten NS-Opfers, als „Rechten“ zu verdächtigen und unmöglich zu machen?

Prof. Dr. Konrad Löw

Antwort der Redaktion

„Die Passage des Artikels, in der Sie vorkommen, hat den Zweck, mit ein paar persönlichen Reminiszenzen die grundsätzlichen Überlegungen vorzubereiten, um die es eigentlich geht: Die kategoriale Unterscheidung von katholischem und (rechts-)konservativem Denken. Für Letzteres typisch ist ein ausgeprägter Nationalstolz, der dazu verleiten kann, eine Schande der eigenen Geschichte zu relativieren, indem Schuld "umverteilt" wird. Wer betont, dass Angehörige anderer Völker Deutschen halfen, ihre Verbrechen ins Werk zu setzen, und dabei sogar die Juden - Opfer des horrendesten Verbrechens der deutschen Geschichte - einbezieht, der begibt sich selbst ins Zwielicht. Ich habe Sie immer gegen den Vorwurf des Antisemitismus verteidigt, kann aber nicht leugnen, hier eine nationalapologetische (insofern "rechte") Argumentationsfigur zu erkennen, die mir unangemessen erscheint. Was muss ein Holocaustüberlebender fühlen, wenn Angehörige seines Volkes als "Hitlers Helfer" apostrophiert werden? Empörung, weil hier scheinbar Opfer zu Mittätern umdeklariert werden.

Ich konnte den Kontext Ihrer Aussage, in dem Sie auch auf das Motiv der Angst ums eigene Leben verweisen, aus Platzmangel nicht referieren. Ich meine aber, dass dieser Kontext den Lapsus sowieso nicht "heilen" kann. Denn ein Handeln aus Zwang und Todesangst ist kategorial so VÖLLIG anders zu beurteilen als eines aus den anderen genannten Motiven, dass es sinnlos wird, die Juden hier überhaupt einzureihen. Das ist der springende Punkt, und an dem ändert die Lektüre Ihrer ganzen Passage nichts.“

Andreas Püttmann (Freier Autor)

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27.01.2015

Faust auf Faust Nr. 4/2014

Der Leitartikel "Faust auf Faust" trifft mein Anliegen wie die Faust aufs Auge, wenn Franziskus sagt "Religion hat Würde". C&W erklärt gründlich die falsche Zuordnung.…

…Nicht Organisationen können Würde tragen, sondern dem Menschen als individuelle Person ist das Recht auf Unversehrtheit zu eigen. Und diese Würde verletzt die Kath. Kirche elementar, wenn die gepredigte Nächstenliebe liturgisch versagt.

Auch die Fortführung der "geplatzten" Famliensynode im Herbst letzten Jahres wird wieder ergebnislos verlaufen, wenn schon jetzt nach einem Kompromiss gesucht wird, anstatt die Gewissensentscheidung zu stärken.
Und das Jahr 2017 ohne ökumenische Annäherung in der Abendmahlsfrage bringt weiter Verdruss!

Dank an Redakteur Löbbert, die Würde aus anderer Perspektive hinterfragt zu haben.

Egon Damman

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23.01.2015

Faust auf Faust Nr. 4/2015

Es gibt ein altes Sprichwort: „Mit dem guten Ruf, mit dem Glauben und mit dem Auge soll man kein Spiel treiben.“ Wenn solche Selbstverständlichkeiten in…

…unserer heutigen Gesellschaft im Namen einer angeblichen Freiheit aufgekündigt werden, entsteht Hass und nicht selten – nicht nur bei einem „pakistanischen Vorbeter“ (Löbbert) – Gewalt. Das wollte der Papst mit seinem vielzitierten Satz ausdrücken: Wer Menschen in ihrer Würde (1) kränkt, macht sich schuldig und muss mit persönlicher Gegenwehr rechnen, gerade weil solch ein Fehlverhalten in heutigen westlichen Demokratien rechtlich meist ohne Folgen bleibt.
Herr Löbbert kann den Papst nicht verstehen. Er sollte immerhin unser Grundgesetz kennen. Artikel 1 steht nicht umsonst vor Artikel 2 und schränkt diesen ein: „Soweit er (= ein jeder) nicht die Rechte anderer verletzt“.
Was aber Herr Löbbert als „Freiheit“ propagiert, nannten schon Philosophen der Antike eine „zerrüttete Freiheit“. Wie jeder Wert ist Freiheit die Mitte zwischen Extremen, zwischen Knechtschaft (servitus) und Rücksichtslosigkeit (licentia). An letzterer ging schon manche Republik zugrunde.
An den zuletzt veröffentlichten Leserbriefen können die Damen und Herren bei „Christ und Welt“ selbst ablesen, wie auf mehr oder minder geistreiche Schmähungen, die als freie Meinungen verkauft werden, ein „Volk“ reagiert, das sich beleidigt fühlt. Wollen wir weiterhin so miteinander umgehen? Oder nicht doch so, wie es Herr Martenstein in dieser Ausgabe als alte journalistische Tugend empfiehlt? Politiker und die schreibende/malende Zunft sind für den Frieden im Lande hauptverantwortlich, denn sie geben wie Chorleiter ihren Sängern die richtigen oder die falschen Töne vor.

(1) s. Pico della Mirandola, De hominis dignitate (besonders: die Anfangskapitel); Pico soll Pate gestanden haben für GG Art.1

Klaus Müller

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21.01.2015

Sie kotzen mich an, Nr. 3/2015

Liebe Frau Florin,
danke für Ihren Mut und ihre klare Haltung als Christin. So wie Ihnen geht es gerade vielen. Innerhalb und ausserhalb der katholischen Kirche…

…brandet ein Hass auf, den wir längst überwunden gehofft hatten. In allzu vielen digitalen Foren tobt er sich aus, in anonymen und offenen Mails.
Bleiben Sie sich treu. Damit bleiben Sie auch dem Herrn treu, der mit uns durch die Zeit geht. Seien Sie versichert dass es viele Christen gibt, die Ihre Haltung teilen! Gott segne Sie und Ihre gute Arbeit!
Jörg Haas, Berlin

Blankes Entsetzen hast mich gepackt, als ich gestern die Leserzuschriften in C&W (Nr. 3) zu Ihrem „Editorial“ in Nr. 1 gelesen habe. Was da an Stimmungen in unserer Gesellschaft und leider wohl auch in unserer Kirche hochkocht, erinnert an die dunkelsten Zeiten unserer Geschichte. Wo man andere Gedanken und Menschen nicht mehr erträgt und nur noch mit Pöbelei, Unterstellungen und Verdrehungen reagiert, möchte man am liebsten asuwandern – nur wohin?
Liebe Frau Dr. Florin, als treuer Leser des „Rheinischen Merkur“ und der – leider nur noch als Beileage existierenden – C&W schätze ich Ihre Beiträge außerordentlich und möchte Sie mit diesem Brief bitten, sich nicht einschüchtern oder gar entmutigen zu lassen. Ich danke Ihnen für Ihre offenen, oft auch unbequemen und kritischen Aussagen, die nicht immer nur meine Zustimmung finden, aber stets in herzerfrischender Klarheit zur Sache kommen.
Auf Ihre weitern Beiträge freut sich
Peter Müller-Auernheimer, Trier


Sie haben meine Solidarität. Ich glaube, es ist wichtig, dass vielmehr Leute öffentlich machen, wie "Internetnazis" ohne Folgen beschimpfen und verunglimpfen oder sogar bedrohen. Als Referentin für Christen und Muslime bin ich solchen Mails auch regelmäßig ausgesetzt. Ich finde es sehr mutig und beeindruckend, dass Sie die Mails veröffentlicht haben! Vielleicht zeigt das vielen wie mir, dass man sich so etwas nicht gefallen lassen muss.
Alles Gute beim Durchhalten! Ich gehe davon aus, dass Sie jetzt, nach der Veröffentlichung, noch viel mehr, solcher bekloppten Mails bekommen werden. Aber irgendwann ebbt das glücklicherweise auch wieder etwas ab.
Regina Laudage-Kleeberg, Münster


Dass Sie auf die beleidigenden Mails mit einer Veröffentlichung reagiert haben, war klug. "Leute denkt mal über diesen Kommunikationsstil nach!" ist eine höfliche und demokratische Form, allen Beteiligten der Leserbriefkommunikation einen Spiegel vorzuhalten. Was ich aber nicht ganz verstehe, ist der allgemeine Umgang mit Pegida und hier deren Schlagworten. Bitte nicht falsch verstehen: Für mich sind das Patridioten (patiotische Idioten). Aber wäre es nicht klüger, das absurde Wort der Meinungsdiktatur abzudrucken und sich gleichzeitig argumentativ zu distanzieren: "Eine Meinung kann keine Diktatur bilden, sondern sich nur (demokratisch!) verbreiten." "Dass manche Journalisten schludrig arbeiten, erlaubt keine Pauschalverurteilung als Lügenpresse." "Die angebliche Islamisierung ist ein Phantom, das von den Rassisten Eurem vielleicht berechtigten Ärger über die Politik untergeschoben wird, um von den Verantwortlichkeiten abzulenken und eine Diskussion zu vermeiden." "Ihr irrt ! Also belegt die Islamisierung oder schweigt !" Diesen Dialog vermisse ich überall.
Karl Friedrichs, Berlin

Sehr geehrte Frau Florin, als Christ in der Welt möchte ich Ihnen danken für Ihren mutigen Entschluss, mit dem Sie sich so verletzlich gemacht haben. So fragwürdig es sein mag, meinem Bedürfnis zu folgen, Sie meiner Solidarität zu versichern, so wenig erscheint es mir sinnvoll, darauf zu verzichten.
Sie sind weiß Gott nicht allein.
Jochen Rieß

Sehr geehrte Frau Dr. Florin,
Mit Ihren Beiträgen habe ich keinerlei Probleme, warum auch? Auch die Veröffentlichung meines Briefes in "Die Zeit" ist völlig in Ordnung, denn ich stehe hinter meinen Worten. Anmerken möchte ich, dass sich mein Schreiben ausschließlich auf Ihr Editorial zu "Kirche in Not" bezog, das ja schon Tage vor den Pariser Anschlägen erschien.
Zugegeben, mit der Sprache einiger Einsender kann und will auch ich mich nicht identifizieren. Dennoch frage ich mich, was die Leser so sehr an Ihrem Artikel bewegte? Vielleicht war es ja Ihre ganze Art. Sehr auffällig auch, dass es fast nur Männer waren, die Sie anschrieben. Kann es sein, dass so Ihr Hang zu Gender und Feminismus deutlich wurde, wobei es sich doch gerade beim Feminismus um eine äußerst aggressive und egoistische Ideologie handelt, die Menschen zunehmend aufstößt. Wer das nicht weiß, muss es lernen.
Es wäre gut, wenn sich solche Entgleisungen in Zukunft nicht wiederholen würden. "Kirche in Not" hat eine solche Behandlung durch Sie ganz sicher nicht verdient.
Klaus Hildebrandt

Es ist beschämend und traurig, wie respektlos und fehlgeleitet diese Personen ihre tumben Parolen artikulieren. Meinen Respekt, ich finde es völlig richtig, dass Sie sich zu dem Schritt entschlossen haben, diese unvorstellbaren Unflätigkeiten zu veröffentlichen. Offenbar ist diesem Personenkreis jeglicher Anstand und demokratische Gesinnung völlig fremd. Vor allem ist es erschreckend zu sehen, wie einfach auch heute noch - oder sollte man besser sagen, wieder? - sich dieses kranke Gedankengut zurück in die Gesellschaft schleicht. Ich bin zwar kein Leser Ihrer Publikation, und nur zufällig auf diese Vorgänge aufmerksam geworden. Umso mehr ist es mir ein Bedürfnis, Ihnen diese Zeilen zu schreiben. Ich wünsche Ihnen Standhaftigkeit und hoffe, Sie gehen diesen Weg weiter.
Alwin Grünwald, Garching

Sprachlosigkeit befiehl mich, und Schamesröte stieg mir ins Gesicht! Solche infamen Beleidigungen hätte ich in dieser Zeitung nicht für möglich gehalten. Selbst wenn die Fäkalsprache einiger abgedruckter Leserbriefe "nur" die ärgsten Ausreißer zeigen sollten: diese eigene Seite des "christlichen Abendlandes", die hier zum Vorschein kommt, bedroht unser kulturelles Erbe sicher mehr als vermeintliche "Überfremdung"!
Davon abgesehen: Die Ablehnung der Anzeige bzw ihre Begründung halte ich für unangemessen hart. Mir stellt sich tatsächlich die Frage, wie stark dabei ideologische Voreingenommenheit die Urteilsfähigkeit eingeschränkt hat?
Dr. Otto Junge, Erlangen

Sehr geehrte Frau Dr. Florin,
ich schätze Ihre Schreibe sehr. Jedoch ohne Not die besagte Anzeige abzulehnen, waren m.E. eine recht massive Fehlentscheidung. Presse- und Anzeigenfreiheit ist ein hohes Gut, sie haben dort ihre Grenzen, wo Menschen diffamiert, erniedrigt, würdelos satirisch dargestellt werden und wo Chefredakteure den Zensurhammer mit der persönlichen Meinung einherschwingen lassen. Sie haben mit der Entscheidung möglicherweise dafür gesorgt, dass nun noch mehr Anhänger auf die Straße gehen. Leserbrief-Schreiben allerdings auch. Mutig, dass Sie die Namen zu den furchtbaren Beschimpfungen mit veröffentlicht haben. Sie (die Schreiber) haben es bei so viel Kreativität :-( nun wirklich verdient, auch mal in die Zeitung zu kommen.
Gottes Segen,
Waldemar Grab

Ich bin beschämt, erschüttert entsetzt und tief traurig über die Leserbriefe, die Sie in der letzten Nr. von Christ und Welt veröffentlichen mussten. Kann es wirklich sein, dass solche Briefe von Menschen geschrieben wurden, die sich Christen nennen? Christen nennen vielleicht, aber sind? Wahrscheinlich nicht. Aber darüber steht mir ein Urteil nicht zu.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Schreiber im Sinne von P. Werenfried handelten, der so viel für das am Boden liegende Deutschland getan hat.
Im Übrigen danke ich Ihnen für Ihre Arbeit. Lassen Sie sich nicht entmutigen!
Ihr. Helmut Gerads CSSp.

Sehr geehrte Frau Christiane Florin!
Nur Mut und weiter so. In meiner jetzt erschienenen Autobiografie >So wurde ich Opernsänger> erwähne ich im gesellschaftskritischen Teil, das ich die Sprache auf der Straße auch schon auf der Bühne höre und das führt zwangsläufig zur Verblödung.Wir müssen unsere Werte immer verteidigen und auch pflegen.
Dietmar Cordan, Salzburg

Als engagierte und sehr aktive Katholikin schäme ich mich für die Beleidigungen (C+W 3/2015) Ihnen (und sicher auch dem gesamten Team) gegenüber.
Diese schlimme "Fäkalsprache" kann doch kein Umgang und keine Plattform für zivilisierte Menschen sein. Ich frage mich, ist bei denen, die sich für solche Beschimpfungen und dieses Denken gegenüber Frauen (die der Bibel nach dem Mann gleichwertig sind) hergeben, das 2. Vatikanische Konzil und jetzt der neue Geist im Vatikan total vorbei gegangen? Ist hier die geistige und geistliche "Versteinerung" am Werk?
Die Anzeige bzgl. Mundkommunion (November 2014) wühlte mich auf, ich überlegte warum Sie wohl diese Anzeige schalteten und dachte damals, die Zunge kann wesentlich BÖSERES anstellen, hier sehen wir es!
Freue mich jede Woche auf die Beilage C+W, bin dankbar für kritische Töne und hoffe, Sie machen - trotz allem - weiter.
Anne Karl-Rott

Normalerweise schreibe ich keine Leserbriefe, da meist ja ohnehin schon alles doppelt und dreifach gesagt ist. Die in Ihrer Ausgabe 03/2015 veröffentlichten Leserbriefe haben mich aber doch aus der Fassung gebracht. Ich bin völlig erschüttert darüber, was manche Leute von sich geben. Allein schon das Vokabular; unter manchen Wörtern kann und will ich mir gar nichts vorstellen. Man könnte befürchten, DIE ZEIT mit Christ & Welt würde vorwiegend in einem nicht mehr sozialisierbaren Milieu gelesen. Dabei bestätigen die Schreiber genau den Sachverhalt den sie dementieren wollen. Die Auswahl der Leserbriefe bestätigt auch, dass Christentum und Islam in ihrer fundamentalistischen Ausprägung einiges gemeinsam haben, u.a. nämlich den Umstand, dass zu viele Personen die Deutungshoheit über die Lehre beanspruchen, die die zugrundeliegenden Texte gar nicht gelesen haben, geschweige denn sich mit den Inhalten, den kulturellen und politischen Hintergründen ihrer Entstehung sowie der nachfolgenden Theologie auseinander zu setzen. Solche Leute gibt es auch zu viele im Bodenpersonal Christi. Wahrscheinlich belügen einige das Publikum auch nur absichtlich, um ihr Geschäftsmodell weiter zu etablieren. Wenn jemand so genau weiß, was Gott uns sagen will, würde mich interessieren, welchen Gott er meint, Elohim, El oder Jahwe. Ich jedenfalls hoffe, dass sich eine geistige Kultur in Europa auf den Glauben an den Gott gründen lässt, der den angedrohten Tod der Menschheit nicht zugelassen hat, nachdem sie mal neugierig war (und weiter ist) und vom Apfel der Erkenntnis gegessen hat (und der vielleicht weiter verhindert, dass sie sich selbst vernichtet), und der die finstere Epoche beendet hat, in der Abraham seinen einzigen Sohn hätte opfern müssen (s.a. Die ZEIT 48/2013 S.66). Ob die islamische, die christliche oder die jüdische Lehre dazu die geeignetste ist, darüber lohnt sich ein Wettstreit, den wir gerne führen sollten, natürlich nur durch Austausch von Argumenten und zwar möglichst, nachdem wir uns mit den Texten ausreichend beschäftigt haben. Einen positiven Aspekt haben die in Nr. 3 veröffentlichten Leserbriefe. Sie dokumentieren teilweise ein derart unterirdisch moralisches und intellektuelles Niveau der Schreiber, dass Sie, Frau Dr. Florin und die Redaktion, sich dadurch nicht angegriffen fühlen müssen. Das wissen Sie aber auch ohne meinen Beitrag. Ich freue mich schon auf die nächste Ausgabe. Machen Sie bitte genau so weiter wie bisher.
Karlheinz Martin, Eltville

Sehr geehrte Frau Dr. Florin, das ist der erste Leserbrief, den ich in meinem Leben schreibe. Bisher habe ich die Vielfalt der Beiträge in Christ & Welt immer sehr geschätzt und würde mich selbst nur bedingt dem konservativen Lager zuordnen. Ihr Vorgehen zuletzt verwirrt mich als regelmäßige Leserin nun aber sehr. Mit der Ablehnung der Anzeige von KIN haben Sie doch genau bewiesen, was schleichend in unserer Gesellschaft gerade geschieht: Political Correctness siegt über Inhalte. Und das geht so weit, dass selbst die Diskussion zu streitbaren Themen schon unter den Generalverdacht gestellt wird, rechtes, neoliberales oder wie auch immer geartetes böses Gedankengut zu sein. Und das spaltet die Menschen an der völlig falschen Stelle. Gerade Sie haben doch mit Ihrem Artikel "Naturrecht auf vier Beinen" vor einiger Zeit genau beschrieben, welche Verwirrung entsteht, wenn kirchliche Institutionen nicht mehr klare Werte vorgeben. Wie wir damit umgehen und das Gendermainstreaming ein "von-bis" bedeuten kann wird doch noch diskutiert werden dürfen. Ist bei einem solchen Thema denn wirklich schon alles entschieden für die ganze Gesellschaft und keiner darf es mehr in Frage stellen? Davor hätte ich große Angst. Da ich annehme, dass Ihnen das auch bewusst ist, gehe ich eher davon aus, dass Sie sich an dem Wort "Meinungsdiktatur" stoßen. Das kann ich zwar nachvollziehen, wundere mich aber trotzdem über eine so heftige Reaktion. KIN als angesehene Institution in die Pegida-Ecke zu stellen geht mir einfach zu weit. Die Reaktionen, die sie erhalten haben, sind dagegen peinlich und die Veröffentlichung ist ein krasser, aber auch richtiger Schritt gegen die allgemeine "Shitstorm"-Kultur, die auch von der Anonymität lebt ähnlich wie ein Klingelstreich. Ich würde mir als Leserin wünschen, dass Sie erläutern wie lange Diskussion bei einem Thema erlaubt ist und ab wo sie absolut Tabu wird. Ich glaube, wir haben als Gesellschaft im Moment nicht Klarheit darüber, mit welchen Spielregeln wir wichtige aktuelle Fragestellungen noch behandeln dürfen.
Helene Luckner, Köln

Himmel hilf! Ich habe Ihre Zeitungsbeilage noch nie gelesen, aber in der Online-Presse über die Folgen der abgelehnten Annonce gelesen, ebenso wie Ihre Auszüge aus den heftigen Reaktionen. In meinem Leben fühle ich mich immer weiter von der Kirche entfernt, denn ich frage mich immer wieder, was Jesus zu solchen Ereignissen gesagt hätte und was unsere Institution Kirche im Gegensatz dazu sagt – oder eben nicht sagt.
Es ist bitter, dass Menschen mit der Bibel in der Hand solch häßliche Worte schreiben. Das passt nicht zusammen.
Ich möchte Ihrer gesamten Redaktion mein Bedauern aussprechen, dass Ihr Streben nach verantwortungsbewußter, demokratischer und verfassungstreuer Arbeit solche Reaktionen hervorruft. Aber es zeigt vor allem eines – arbeiten Sie weiter so, denn unsere Gesellschaft hat eine aufmerksame Presse dringend nötig!
Vielen vielen Dank und mit besten Wünschen für eine sehr dicke Haut, gute Nerven, verlieren Sie nicht Ihren Glauben an das Gute im Menschen und daran, dass Sie das Richtige tun.
Martin Heck

Sie haben das sehr gut gemacht die Anzeige abzulehnen und diese in der Tat beleidigenden Leserbriefe zu veröffentlichen!!!! Können Sie die Schreiberlinge (interessanterweise scheinbar in der absoluten Mehrzahl Männer, smile!) eigentlich nicht wegen Beleidigung verklagen? Was Christentum in der Praxis bedeutet ist den Schreibern wohl kaum bewusst.
Claus Thelen, Nairobi

Es mag diskutabel sein, eine Anzeige von „Kirche in Not“ abzulehnen. Nicht diskutabel, sondern zutiefst beschämend, erscheint mir aber, mit welchem Vokabular „rechte“ (wie immer man dieses Wort verstehen kann) Christen (?) darauf reagieren. Offensichtlich scheint sich da auch sexuelle Verklemmung etwas Luft verschafft zu haben. Manche Rapper können, wie sich zeigt, von „Kirche-in-Not“-Sympathisanten im Bereich primitivster Artikulation noch lernen!
Christiane Florin bildet mit ihrer Redaktion für mich weiterhin Woche für Woche eine wichtige und lesenswerte Stimme zu kirchlichen, religiösen und gesellschaftlichen Themen.
Wolfgang Loggen, Bornheim

Ich finde es sehr gut, dass Sie die Antworten auf Ihre Kolumne veröffentlicht haben. Sie zeigen meiner Meinung nach auch den Grund warum Menschen wie ich schon lange nicht mehr online diskutieren. Ich lasse mich nicht gern beschimpfen, es tut mir weh, wenn ich von anderen so behandelt werde. Natürlich überlässt man so den digitalen Raum den Lauten, den Pöblern, den Polterern - oft leider auch schlichtweg den konservativsten Männern. Danke dass es Menschen wie Sie gibt, denen der Mut und die Kraft nicht fehlen, um sich dem Cybermob entgegen zustellen! Kerstin Zlender-Mauczka, Klagenfurt

Ich bin säkularer Atheist und stehe regelmäßig an Montagen auf der anderen Seite von "DüGiDa" u. a. - gegen Rassismus und Antisemitismus ebenso wie "Glaubenskrieger" der verschiedenen Seiten. Daher zunächst einmal - Ich finde es gut, dass Sie die Reaktionen einmal mit Namen und ohne Kürzungen veröffentlicht haben.
Unabhängig von jeglichem Inhalt - den ich im Zweifel nicht teilen werde - darf ich mitteilen, dass ich auch dafür auf die Straße gehe, dass es Journalist*innen und Medien wie "sie" gibt und wir eben offen und ehrlich reden und schreiben.
Erschreckend ist vor allem, dass viele offensichtlich "angry white men" "denken", dass "Meinung" ein Wert an sich ist, oder wie es heute ein Mann in der "ARD" sagte: (aus dem Gedächtnis zitiert:) "Wenn ich eine Meinung habe, muss ich die auch durchsetzen" ...
Hoffentlich wird ein Kampf der Kulturen nicht zur sich-selbst-erfüllenden-Prophezeiung.
Christoph Stolzenberger

Ich finde Ihre Entscheidung gut und richtig und möchte Sie wissen lassen, dass auch andere Leser Ihre Entschätzung teilen!
Chapeau!
Vincent Martinez


Nachdem ich den Artikel der Süddeutschen gelesen habe www.sueddeutsche.de/medien/beleidigende-leserbriefe-jetzt-war-es-mir-zu-viel-1.2308823 hatte ich das dringende Bedürfnis Ihnen und Ihrer Redaktion ob der frauenfeindlichen und menschenverachtenden Kommentare mein Mitgefühl auszusprechen. Ich sehe derlei digitale "Ausraster" immer häufiger und in immer radikalerer Weise und betrachte dies mit Sorge. Ich finde Ihren Schritt, die verbalen Angriffe zu veröffentlichen, für einen wichtigen Schritt.
Saskia Bommert, Essen

Sehr geehrte Frau Dr. Florin,
hiermit möchte ich mein Entsetzen über die letzte Ausgabe der ZEIT-Beilage CHRIST&WELT vom 15.01.2015 als langjähriger Leser zum Ausdruck bringen.
Bisher war ich von Ihren persönlichen Ausführungen sehr angetan. Aber schon in der Ausgabe vom 30.12.2014 scheinen Sie im Editorial den Bogen völlig überspannt zu haben, wie die anschließenden Reaktionen ausweisen. Nicht hinnehmbar finde ich jedoch den Beitrag “Sie kotzen mich an” mit ausgewählten Zuschriften in einer Fäkalsprache, von der ich mir nicht vorstellen kann, dass diese von Ihrer an christlichen Themen interessierten Leserschaft stammen könnten.
Soweit ich gehört habe, sind solche Entgleisungen nur im Internet möglich. Falls Sie Ihre Beiträge daher auch unentgeltlich ins Internet stellen sollten, dürfen Sie sich nicht über solche Zuschriften wundern.
Wenn Sie Ihren Meinungskampf in der bisherigen Form weiterführen wollen, kann ich mir nicht vorstellen, dass Sie weiterhin als Chefredakteurin der CHRIST&WELT tragbar sind. Eine Entschuldigung von Ihnen an Ihre Leser ist das Mindeste, was ich erwarte.
Dr. Klaus Eberbach






Karl Friederichs

Antwort der Redaktion

 

Liebe Leserinnen und Leser,

 

Sie haben mir nach dem Abdruck der Reaktionen auf mein Editorial geschrieben. Es sind so viele Zuschriften eingegangen, dass ich sie – entgegen meiner Gewohnheit – nicht alle persönlich beantworten kann. Aber seien Sie versichert: Ihre Ermutigungen habe ich gelesen, und sie haben mir gutgetan. Danke dafür.

 

Die Veröffentlichung hat eine allgemeine Diskussion über Hassmails und verbale Gewalt ausgelöst.  Auch dazu haben Sie beigetragen.

 

Wir schreiben, um von Ihnen gelesen zu werden. Und das empfinde ich trotz allem als großes Privileg.

 

Herzlichst

Christiane Florin

 

 

Christiane Florin (Redaktionsleiterin)

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