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Zehn Gebote, zehn Fragen

W@s ist geboten?

Aus: Christ & Welt Ausgabe 52/2012

an oehler@christundwelt.de: Lieber Öhler: Die Zehn Gebote sollten die zehn Angebote heißen. Ich bin der Herr, dein Gott – das gebietet nichts, das bietet eher was an.

an thielmann@christundwelt.de: Werter Thielmann, warum heißen sie dann Moses Gesetzestafeln? Gebot und Gesetz ist doch nicht dasselbe.

an oehler@christundwelt.de: Gesetz? Wo steht was von einem Gesetz? Hab ich was verpasst?

an thielmann@christundwelt.de: „Und als der HERR mit Mose zu Ende geredet hatte auf dem Berg Sinai, gab er ihm die beiden Tafeln des Gesetzes; die waren aus Stein und beschrieben von dem Finger Gottes.“ (31,18; 32,15.16).

an oehler@christundwelt.de: Fantasielos übersetzt! Da waren Juristen am Werk. „Tafeln der Vergegenwärtigung“, sagt Martin Buber. Im Hebräischen heißen sie die Zehn Worte.

an thielmann@christundwelt.de: Fantasie bei Übersetzungsfragen ist doch wohl kein Maßstab für ein Machtwort Gottes! Und überhaupt: Vergegenwärtigung wessen?

an oehler@christundwelt.de: Gott erinnert mit den zehn bloß daran, wie’s ist. Sein Machtwort ist Weihnachten. Ein Ohnmachtswort.

an thielmann@christundwelt.de: Gott schuf alles. Auch die Götter neben sich. Warum ist er laut dem ersten Gebot dann eifersüchtig auf sie?

an oehler@christundwelt.de: Gott ist eifersüchtig auf Menschen, nicht auf Götter. Hat Ihre Frau einen Lover, sind Sie eifersüchtig auf sie, nicht auf ihn.

an thielmann@christundwelt.de: Unsinn! Ich würde ihn erschießen und nicht sie. Wenn nicht das sechste Gebot… Zurück zur Vergegenwärtigung.

an oehler@christundwelt.de: Falsch. Nach den Zehn Geboten ginge es, sie zu erschießen, ihn aber nicht. Zum Machtwort: Wir Menschen sind es, die die Gebote in Kraft setzen, nicht er.

an thielmann@christundwelt.de: Das klingt, als sei Gott ein Geschäftspartner, der einen Gesellschaftervertrag aushandelt. Aber doch nicht auf Augenhöhe!

an oehler@christundwelt.de: Vertrag, das ist es! Gott sucht Partner. Denken Sie an die Schöpfung. Augenhöhe ist zwar ein Problem. Aber Gott gibt sich Mühe. Je länger, desto mehr.

an thielmann@christundwelt.de: Etwa dadurch, dass er uns zu Weihnachten als Liebesvorleistung seinen Sohn gesandt hat?

an oehler@christundwelt.de: Bereits hier in den Zehn Sätzen! Laut Exodus 34,10 will Gott einen Bund schließen. Noch benimmt er sich etwas autoritär. Aber Jesus bessert entscheidend nach.

Erschienen in:
Ausgabe 52/2012
Redakteur:
Andreas Öhler und Wolfgang Thielmann ()
Thema:
Großaufnahme
Stichworte:
Evangelisch, Katholisch, Spiritualität, Ethik