Ihr Motiv: Annegret Kramp-Karrenbauer
Wie heißt sie noch gleich?
Aus: Christ & Welt Ausgabe 6/2011
Kurzes Haar, moderne Brille, Aktenordner: Deutschland soll eine neue Ministerpräsidentin bekommen. Hätte fast keiner gemerkt.
Kurzes Haar, moderne Brille, Aktenordner: Deutschland soll eine neue Ministerpräsidentin bekommen. Hätte fast keiner gemerkt. Doch an Annegret Kramp-Karrenbauer liegt das nicht. Das kann, auf solchem Posten, jedem passieren, nicht nur im Saarland:Unbekannt, ja unsichtbar wird fast jeder, der sich zum Landeschef wählen lässt. Wer weiß schon, wie zum Beispiel Erwin Sellering aussieht oder Volker Bouffier? Wer weiß, wo Wolfgang Böhmer residiert? Ministerpräsidenten sind Schattenwesen. Sie koalieren, sie regieren, sie treten zurück. Doch im Rest der Republik wirken sie seltsam fern: große Unbekannte – und auch kleine.
Eine von ihnen kann nun auch Annegret Kramp-Karrenbauer werden, als erste Landeschefin an der Saar. Unsichtbar für den Rest der Welt. Dabei kennt sie in ihrer Heimat fast jeder: Dort ist sie Super-Ministerin für Arbeit, Familie, Prävention, Soziales und Sport. Vermittelnd, entschlossen, beliebt und tüchtig. AKK, wie sie sich bei Twitter nennt, versteht sich auf die Macht. Sie braucht nichts weniger als eine Quote. Doch genau die fordert sie nun: Börsennotierte Unternehmen sollen mehr Frauen in die Chefetagen holen, vier von zehn Vorständen und Aufsichtsräten sollen weiblich sein. Die Quote soll jene Verhältnisse überwinden, die sie nötig machen, Aufstieg soll Frauensache werden, für 40 Prozent. Wenn AKK am Ziel ist, werden noch 13 Länder von Männern regiert. Auch wenn die Herren kaum einer kennt.
Bislang kommen Frauen, wenn überhaupt, ohne Quote zu Macht. Falls sie die Quote fordern, fallen sie auf, und wenn es die Quote dann gibt, werden mächtige Frauen, Frauen wie AKK, allen ganz normal vorkommen. Nur Pionierinnen werden sie nicht mehr sein. Quoten werden sie auch nicht mehr fordern. Jedenfalls nicht für Frauen.





