Notizen für die Ewigkeit
Versöhner im Visier
Aus: Christ & Welt Ausgabe 26/2011
Der Sekretär der katholischen Deutschen Bischofskonferenz hat ein außergewöhnliches Jobprofil. Er ist Fachmann für Überraschungen und Streitschlichtung auf ganz hohem Niveau.
Pater Hans Langendörfer, der Sekretär der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, kennt sich aus mit Kritik. Er sitzt gewissermaßen von Amts wegen zwischen den Stühlen, als Vermittler der Bischöfe in Richtung Rom, in Richtung Laien, als Schlichter zwischen allen Strömungen und wo es sonst noch brennt. Jetzt behauptet ein „Dossier“, er sei an einer Verschwörung gegen Papst und Weltkirche beteiligt. Da wird mit Dreck geworfen, in der Hoffnung, dass etwas kleben bleibt.
Aber Langendörfer ist Fachmann für Überraschungen. Im vergangenen November etwa erreichte ihn die Mitteilung, der Heilige Vater beabsichtige, nach Deutschland zu reisen. Damit hatte niemand mehr gerechnet. So wurde aus dem Sekretär Langendörfer der Generalkoordinator für die Papstreise. Er ist so etwas wie der deutsche Reisemarschall des Pontifex. Ob Papamobil oder Menüfolge, ob Reichstagsrede oder Kanzlerinnengespräch – alles landet auf seinem Tisch.
Seit 1996 ist der Jesuit im jetzigen Amt. Wenige Monate nachdem er Sekretär unter dem damaligen Vorsitzenden und späteren Kardinal Karl Lehmann wurde, kam Papst Johannes Paul?II. nach Deutschland. Mit einem schon legendären Gang durchs Brandenburger Tor und einem Gottesdienst im Olympiastadion. Inzwischen steht fest, dass Benedikt ihm darin folgen wird. Langendörfer freut sich über die Doppelung.
Der Sekretär der Bischöfe ist ein behutsamer Mensch, sagen seine Mitarbeiter in Bonn. Kein Haudrauf, kein Lautsprecher. Den Papstbesuch sieht er deswegen jetzt auch im Kontext der Lage der Kirche. Der Besuch könne Menschen ermutigen, meint Langendörfer. Für ihn geht es um Versöhnung in der Kirche. Schlimmer als der Vertrauensverlust im öffentlichen Ansehen seien die innerkirchlichen Zerwürfnisse. Laien vertrauen den Bischöfen nicht mehr – und oft auch Priestern nicht. Bischöfe misstrauen Laien und Priestern. Priester fühlen sich von ihren Bischöfen alleingelassen und schauen kritisch auf Laien.
Deswegen meinten viele, der Papstbesuch richte sich vor allem an die Kirche selbst. Da schrieb Benedikt?XVI. dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, er wolle einen Schwerpunkt auf die Ökumene legen und mehr Zeit für die Begegnung mit den Protestanten haben. Wieder eine Überraschung für Langendörfer.
Im November wird er 60 Jahre alt. Er hat über „Atomare Abschreckung und kirchliche Friedensethik“ promoviert und Ende der Achtzigerjahre im Kanzleramt von Helmut Kohl gearbeitet. Kontakte zwischen Politik und Kirche interessieren ihn noch immer. Doch er genießt einen Ruf als loyaler und vorausschauender Sachwalter für die Anliegen der katholischen Kirche. Das Spektrum der katholischen Kirche vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend bis hin zu Opus Dei zusammenzuhalten ist schwer, das weiß auch Benedikt?XVI. Langendörfer hat Übung darin. Und das Verschwörerkostüm gegen Papst und Weltkirche ist ihm zu eng.





