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Herder fragen

Steuern sind wichtig

Aus: Christ & Welt Ausgabe 3/2011

„Wenn man die Zeitung liest und Fernsehen anschaut, hat man den Eindruck, Politik in Deutschland dreht sich ausschließlich um Wirtschaftsfragen und Steuerpolitik. Was merken Sie als mittelständischer Unternehmer im Alltag davon? Finden Sie die Forderung nach Steuersenkung richtig?“

Liebe Frau Birkenstock, ich möchte Ihre letzte Frage zuerst beantworten: Nein, ich finde die Steuern in Deutschland nicht viel zu hoch. Ein Staat, der seine Aufgaben gut erfüllen soll, muss auch die Mittel dazu haben. Aber ich halte unser Steuersystem für viel zu kompliziert. Und die Spielregeln, nach denen die Steuern vom Staat erhoben werden, sind meiner Erfahrung nach viel zu unbeständig. In den letzten zehn Jahren lagen die Kosten meines Unternehmens, die für Steuerberatung anzusetzen waren, etwa in der Größenordnung von fünf und manchmal mehr durchschnittlichen Sachbearbeiter-Gehältern einschließlich des Arbeitgeberanteils an der Sozialversicherung sowie Raumkosten. Das ist für ein Unternehmen, das rund 140 Vollzeitstellen finanziert, ganz schön viel! Hätte ich dieses Geld allerdings nicht aufgewendet, dann wären uns viel höhere Beträge durch das Finanzamt genommen worden. Das ist problematisch, weil es dazu führt, dass man als mittelständischer Unternehmer zunehmend Zeit und Geld in Steueroptimierung stecken muss anstatt in Wachstum. Dadurch geht uns, dem Verlag und letztlich auch dem Staat, sehr viel verloren.

Dass Wirtschaftsfragen im Zentrum der politischen Aufmerksamkeit stehen, heißt ja übrigens nicht, dass nur ökonomische Interessen die Politik regieren. Wirtschaft ist sicherlich nicht alles, aber ohne wirtschaftliches Fundament ist alle politische Absicht nicht viel wert. Es braucht selbstverständlich einen Wertekompass, damit soziale und wirtschaftliche Interessen vernünftig ausbalanciert werden können. Sie finden ihn ein wenig versteckt hinter all den Diskussionen um ökonomische Fragen. Es lohnt sich, danach zu suchen. 

Und ein Wort zum lieben Gott?

Evolution. Ist der Mensch denn nun am sechsten Tag der Schöpfung geschaffen worden oder doch eher nach Darwins Theorie durch Zufall und Selektion in einem jahrmillionenlangen Prozess entstanden? Ich glaube, es war so: Als zum ersten Mal ein Affe von einem Baum sprang, gen Himmel schaute und dankbar zu seinem Schöpfer sagte: „Ich bin ein Affe“, da war’s ein Mensch.

Erschienen in:
Ausgabe 3/2011
Redakteur:
Manuel Herder (Verleger)
Thema:
Herder fragen
Stichworte:
Katholisch, Wirtschaft