Notizen für die Ewigkeit
Staatsislam am Rhein
Aus: Christ & Welt Ausgabe 50/2011
Kurios: Das Gesetz muss gebrochen werden, um es zu erfüllen.
Allah ist jetzt auch am Rhein zu Hause. In Duisburg und in Köln sind Großmoscheen entstanden. Die Duisburger ist eingeweiht, die Kölner soll im nächsten Jahr folgen. Nach den Sommerferien kommt der nächste Schritt: Allah soll Zug um Zug an den Schulen eingebürgert werden, bis ins fromme Bielefeld und ins noch frömmere Siegen. Islamischer Religionsunterricht wird Pflichtfach in Nordrhein-Westfalen. Und zwei Staaten helfen dem Islam dabei, der türkische und der deutsche. Eigentlich hat zwar der Staat bei der Religion nichts zu suchen. So steht es im Grundgesetz.
Aber da steht auch, dass Religion an den Schulen erteilt werden muss. In der Landesverfassung, die zwischen Rhein und Weser gilt, steht es ebenfalls. Daher sucht das Land einen Weg, wie es seiner Verfassung genügen kann. Dazu, sagen einige Fachleute, muss es sie erst einmal brechen. Das Problem liegt darin, dass der Islam am liebsten als Staatsreligion auftritt. Das hat es ihm erspart, Kirchen zu gründen. In Deutschland will der Staat aber Kirchen sehen, damit er sich aus der Religion heraushalten kann.
Also riefen Muslime Vereine ins Leben. Den Verband Islamischer Kulturzentren zum Beispiel oder den Zentralrat der Muslime. Nun will es aber die islamische Regel, dass keiner der Verbände sagen kann, was in der Religion gilt. Denn Vereine gelten nicht so viel im Islam. Deshalb fühlen sich die wenigsten Muslime von ihnen vertreten. Auch, weil die Verbände ziemlich konservativ sind, konservativer als viele Muslime. Aber der deutsche Staat braucht ja ein religiöses Gegenüber, um Religionsunterricht zu organisieren. Die meisten Muslime in Deutschland stammen aus der Türkei. Dort regelt die staatliche Religionsbehörde das islamische Leben. Sie stellt Imame an und sagt ihnen, was sie am Freitag predigen sollen. Auch sie gründete in Deutschland einen Verein: die Ditib. Die importiert Imame auf Zeit und übersetzt Freitagspredigten ins Deutsche. In den beiden Großmoscheen in Duisburg und Köln führt sie die Regie. Der deutsche Staat kann daher nicht an der Ditib vorbei.
Für den Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen gibt es jetzt eine Zwischenlösung, die im Landtag gerade in die dritte Lesung geht: Dem Staat sitzt ein achtköpfiger Beirat gegenüber. Vier Köpfe davon bestimmt der Koordinationsrat der Muslime, ein Dachverband von vier Zusammenschlüssen, die mächtige Ditib eingeschlossen. Die anderen vier bestimmt das Land. Das missfällt den islamischen Vertretern im Beirat: Beruft der Staat ihm genehme Leute? Macht er sich den Islam passend? In der Türkei hat die Ditib kein Problem damit. In Deutschland schon. Da reibt es sich ja auch mit dem Gesetz. Manche Lehrer, die jetzt schon probeweise Islam unterrichten, haben Angst vor den wenig liberalen Verbänden. Werden sie ein Kopftuch von Lehrerinnen verlangen? Und was geschieht, wenn sich ein homosexueller Lehrer outet? In konservativen islamischen Kreisen ist Homosexualität nicht beliebt.
Der deutsche Staat muss also dem Islam auf die Sprünge helfen, und den deutschen Staat muss ein Ableger des türkischen Staates unterstützen, damit aus dem Staatsislam ein staatsunabhängiger Islam wird. Wir sind gespannt.





