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Ihr Motiv: Julia Klöckner

Merkels Mädchen

Aus: Christ & Welt Ausgabe 3/2011

Die CDU-Sptieznkandidatin in Rheinland-Pfalz hat gegen Kurt Beck eigentlich keine Chance. Aber die nutzt sie.

Wird sie getrieben, treibt sie? Julia Klöckner, CDU-Kandidatin für das Amt des Ministerpräsidenten in Rheinland-Pfalz, kämpft. Schließlich will sie Kurt Beck beerben, den großen Authentischen der SPD, den mit der absoluten Mehrheit. Ein Job für eine Kandidatin mit robustem Mandat. Dann kam der Spendenskandal, Nachlass des Christoph Böhr. Klöckner stellte sich, setzte auf Aufklärung „ohne Wenn und Aber“. Ähnlich resch geht sie, als Staatssekretärin im Bundesverbraucherschutzministerium, auch in diesen Tagen des Dioxin-Skandals zur Sache. Höfe werden geschlossen, Gifteier entsorgt. „Dieses Verhalten muss hart bestraft werden“, sagt Klöckner. Eine Frau der Tat.

Ist sie das wirklich? Oder antwortet sie nur auf die Probleme, die sich gerade stellen? Krisen fordern und formen, doch Politik ist mehr als Reaktion. Nimmt sich da jemand die Angela Merkel von einst zum Vorbild, jene Frau, die Kohl stürzte? Oder erinnert Julia Klöckner eher an die spätere Merkel, von der man sagt, dass sie lieber reagiere als regiere, lieber moderiere als entscheide. Treibt sie, wird sie getrieben?

Julia Klöckner kann nicht nur kämpfen. Soeben entdeckt sie das „Family Mainstreaming“ und träumt von „Familienlotsen“ und „Mentalitätswandel“: „Wir wollen eine Willkommens- und Wohlfühlkultur für Familien“, sagt sie, und das muss sie auch. Denn die nachmoderne Politikerin inszeniert ihre Identität als Rollenvielfalt, sie ist Theologin und Ex-Weinkönigin, Journalistin und Politikwissenschaftlerin, Katholikin und emanzipierte Postfeministin zugleich. Wer viele ist, hat viele Wähler, lautet das Kalkül. Dass das ein Irrtum sein könnte, ahnt auch Klöckner: „Ich nehme mir vor, mir treu zu bleiben, authentisch zu sein und zuzuhören“, sagt sie. Vorsichtshalber. Vielleicht wird sie ja doch gewählt. 

Erschienen in:
Ausgabe 3/2011
Redakteur:
Hans-Joachim Neubauer (Redakteur)
Thema:
Motiv
Stichworte:
Familie, Innenpolitik