Das Unwesentliche: Autobahnen
Liebes Kleingetier!
Aus: Christ & Welt Ausgabe 04/2012
Andreas Öhler rät allen Kleintieren, die bisher Bauprojekte lahmlegten, sich von den Grünen zu trennen.

Die Grünen hatten in euch stets treue Koalitionspartner! Ihr wart zuverlässig zur Stelle, wenn gerade ein Verkehrsprojekt die endgültige Baugenehmigung erhalten hatte und die Projektgegner sich im politischen Aus befanden. So legtet ihr dereinst als Kammmolche irgendwo im Hessischen den Weiterbau der A 49 lahm, eine kleine Population von Waldrappen zwang die Bahn, eine ICE-Schienenstrecke umzuplanen. Und in Stuttgart könnte Genosse Juchtenkäfer den Bahnhofsumbau noch hinauszögern und gefährlich verteuern. Das hätten die resignierten Stuttgart-21-Gegner nach der gescheiterten Volksbefragung sicher nicht geschafft!
Doch Obacht, ihr kleinen Hufeisennasen, die ihr mit eurer Fledermauskolonie beinahe die Waldschlösschenbrücke in Dresden verhindert und somit ein Unesco-Weltkulturerbe gerettet hättet! Eure grünen Freunde setzen sich plötzlich und unerwartet für den Ausbau von Autobahnen ein! Ihr Hamster, welch schnöder Verrat! Jahrelang haben sie euch ins Feld geführt, wenn irgendwo die „Natur“ wieder mal so bleiben sollte, wie sie niemals war. Nun kommen die Grünen also doch nach 30 Jahren vom Naturpfad der Tugend ab. Warum? Über die Antworten lässt sich nur spekulieren. Auch grüne Dienstwagen stehen nun mal nicht gerne im Verkehrsstau. Hattet ihr doch tatsächlich geglaubt, dass der schwäbische Ministerpräsident etwa sein Amtsvehikel nach der Öko-Kritik in ein gepanzertes Dienstfahrrad umtauscht? Winfried Kretschmann geriet in die Schlagzeilen, weil er einen Hubschrauber bestieg, seinen Chauffeur aber mit dem Wagen 730 Kilometer nachkommen ließ. Rohrdommeln und Erdkröten, seht euch nach neuen Bündnispartnern um!
Aber hütet euch vor den Piraten! Sie sind gegen Würmer und bewegen sich meist auf der Datenautobahn!





