Meinung
Klarer Schnitt
Aus: Christ & Welt Ausgabe 06/2012
Warum ein Schreibverbot geboten ist
Beim „Rheinischen Merkur“, dem Vorgänger von Christ & Welt in der „Zeit“, gab es einen Unvereinbarkeitsbeschluss: Wer für die „Junge Freiheit“ schrieb, durfte nicht im „Rheinischen Merkur“ publizieren. Der Grund: In der „Jungen Freiheit“ finden sich Autoren, die aus der Geschichte des deutschen Nationalsozialismus nicht hinreichend gelernt haben und deren schräger Konservativismus mit nationalistischen, antieuropäischen Untertönen in Wahrheit nichts bewahrt, sondern alles gefährdet. Die verkniffenen Moralpredigten und das engstirnige Kirchenbild manch eitler Autoren haben mit weltoffenem christlichem Selbstbewusstsein, mit Toleranzgebot und Achtung vor anderen Lebensentwürfen nichts zu tun, ihre familienpolitischen Ideen auch nicht. Ausländerfeindlichen, rassistischen Untertönen werden bei der „Jungen Freiheit“ nicht entschieden Grenzen gezogen.
Mit all dem wollte der „Rheinische Merkur“ nichts zu tun haben, und das war gut so.
Michael Rutz war von 1994 bis 2010 Chefredakteur des „Rheinischen Merkur“.





