Rat der EKD
Kennen Sie die? Sollten Sie aber!
Aus: Christ & Welt Ausgabe 45/2011
Seine Mitglieder tragen die Verantwortung für 24 Millionen Protestanten. Von Sonntag an ist in Magdeburg Synode, dann tagt auch der Rat der EKD. 15 Steckbriefe zwischen Bürde und Bescheidenheit.

1. Jochen Bohl
Beruf: Pfarrer
Position: Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen, stellvertretender Ratsvorsitzender der EKD
Zuständig für: Aufbau Ost
Als Jochen Bohl vor einem Jahr zum stellvertretenden Ratsvorsitzenden gewählt wurde, musste ihm Synoden-Präses Katrin Göring-Eckardt auf der Pressekonferenz vorsagen. Doch der Kirchentag 2011 in Dresden sorgte für mehr Profil.
2. Tabea Dölker
Beruf: Erzieherin
Position: Tagesmutter
Zuständig für: Evangelikale
Die vierfache Mutter aus Holzgerlingen symbolisiert den Einsatz fürs Ehrenamt, von denen sie mehr als fünf in ihrer württembergischen Landeskirche ausübt. Vom Papst, den sie im September in Erfurt traf, erhoffte sie sich, dass „wir uns als Christen auf Augenhöhe begegnen“. Das erfüllte sich nicht: Der Papst überragt sie um Haupteslänge.
3. Elke Eisenschmidt
Beruf: Mathematikerin
Position: Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Magdeburg
Zuständig für: Laien, Jugend
Gelegentlich hat sie Auftritte im MDR. Anders als Katholiken, sagte sie dem Rundfunk, sei jeder Protestant in der Lage, die Bibel zu lesen und zu verstehen. Eigenhändig. Die promovierte Formelkünstlerin rechnet mit Gott.
4. Ulrich Fischer
Beruf: Pfarrer
Position: Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden
Zuständig für: Unierte Kirchen, Medien
Der alte Bauernhof, den der Landesbischof gekauft hat, inspiriert ihn zu unkonventionellen Ideen. Mehr als einmal setzte er sich für einen Primat des Papstes ein. Und er war die evangelische Stimme in der Ethikkommission der Bundeskanzlerin zum Atomausstieg, die im Mai ihren Bericht vorlegte.
5. Johannes Friedrich
Beruf: Pfarrer
Position: emeritierter Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern
Zuständig für: Lutheraner
Hier gehe ich, ich kann nicht anders: Der gerade emeritierte Landesbischof wird für die nächsten zwei Jahre bis zum Ruhestand Dorfpfarrer in Mittelfranken. Er ist Deutschlands profiliertester Lutheraner und fühlt sich den Katholiken nah. Etwa beim strikten Nein zur Präimplantationsdiagnostik.
6. Edeltraud Glänzer
Beruf: Industriekauffrau
Position: Mitglied des Hauptvorstands der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE)
Zuständig für: Arbeitnehmer
Sie vertritt in der Führung der EKD die Gewerkschaften, mit denen die Kirche keine Tarifverträge abschließen will. Aber als Pfarrfrau ist sie an Widersprüche gewöhnt: Ihr Mann ist der hannoversche Superintendent Hans-Martin Heinemann.
7. Katrin Göring-Eckardt
Beruf: Politikerin
Position: Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages
Zuständig für: irgendwie alles
Die Pfarrfrau aus Thüringen muss immer aufpassen, welcher Hut gerade ihren Kopf ziert: Präses der EKD-Synode, Ratsmitglied, Bundestagsvizepräsidentin und bis vor Kurzem auch Kirchentagspräsidentin – da kann man durcheinanderkommen. Als Synodenpräses ist sie geborenes Ratsmitglied und muss nicht gewählt werden.
8. Uwe Michelsen
Beruf: Pfarrer
Position: Rentner
Zuständig für: protestantischer Norden
Als Margot Käßmann im Februar 2010 zurücktrat, übernahm der Senior unter den Ratsmitgliedern den stellvertretenden Vorsitz. Im Herbst musste er wieder ins Glied treten, denn der Ratsvorsitzende und sein Stellvertreter sollen stets ein Bischof oder Präses einer Kirche sein. Das hat der langjährige NDR-Journalist nicht verdient.
9. Fidon Mwombeki
Beruf: Theologe und Betriebswirt
Position: Generalsekretär der Vereinten Evangelischen Mission VEM
Zuständig für: Eine Welt und Mission
Der 51-jährige Theologe aus Tansania ist auch Vorstandsmitglied bei Oikocredit International. Das erste Ratsmitglied mit Migrationshintergrund unterlässt alles, was ihm öffentliche Aufmerksamkeit bescheren könnte.
10. Jann Schmidt
Beruf: Pfarrer
Position: Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche
Zuständig für: Reformierte
Als einziger Reformierter ist er in der Führung der EKD unverzichtbar. Erinnert gelegentlich etwas genervt daran, dass Luther nicht der einzige Reformator war. Recht hat er: International war Calvin viel erfolgreicher.
11. Nikolaus Schneider
Beruf: Pfarrer
Position: EKD-Ratsvorsitzender und Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland
Zuständig für: Vorsitz
Margot Käßmanns Rücktritt katapultierte ihn in die erste Reihe. Bis dahin vertrat er sie, jetzt ersetzt er sie. Sein größtes Talent liegt im Vermitteln zwischen wichtigen Leuten. Sogar den Papst hat er per Brief bewegt, bei seinem Besuch mehr Zeit mit Protestanten zu verbringen. Nur bei Jürgen Fliege biss er sich die Zähne aus.
12. Christiane Tietz
Beruf: Mathematikerin und Theologin
Position: Professorin für Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Mainz
Zuständig für: Bildung und Forschung
Der Shootingstar unter den Theologen in der EKD. Sie könnte Hallen von Kirchentagen füllen und das „Wort zum Sonntag“ sprechen. Aber niemand lässt sie. Ihre letzte medientaugliche Rede hielt sie zu ihrer Vorstellung vor der Synode, die sie wählte.
13. Marlehn Thieme
Beruf: Bankerin
Position: Director Corporate Citizenship Deutsche Bank AG
Zuständig für: Sonderaufgaben
Sitzt als Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Bei der EKD leitete sie zuletzt eine Gruppe, die sich Gedanken machen sollte, wie die Kirche mehr Kontakt zu Eliten bekommt. Sie muss es wissen.
14. Gesine Weinmiller
Beruf: Architektin
Position: Professorin an der HafenCity Universität Hamburg
Zuständig für: Kultur
Die Berlinerin machte das Thema Architektur in der EKD salonfähig. Sie gewann den Deutschen Betonpreis und den Deutschen Natursteinpreis. Zurzeit schmiedet sie Pläne für eine Umgestaltung der Wittenberger Schlosskirche, an die Luther seine Thesen schlug.
15. Klaus Winterhoff
Beruf: Jurist
Position: Vizepräsident des Landeskirchenamtes der Evangelischen Kirche von Westfalen
Zuständig für: Wirtschaft und Finanzen
Der Westfale ist der Inbegriff von Solidität. Redet nur, wenn er gefragt wird, mitunter nicht einmal dann. Sitzt in Aufsichtsräten von Banken und kirchlichen Großunternehmen. Und: Er liebt Schüttelreime. Zum Beispiel: „Und weil er Geld in Mengen hatte, lag stets er in der Hängematte.“
Zusammengestellt von Wolfgang Thielmann und Benjamin Lassiwe.





