www.zeit.deProbe-Abo

Das Unwesentliche: Volksbefragung

Jetzt bestimmen wir!

Aus: Christ & Welt Ausgabe 50/2011

Andreas Öhler schlägt vor, die Nachfolge Thomas Gottschalks vom Volk entscheiden zu lassen.

Es gibt Dinge von nationalem Belang, bei denen nur eine Volksbefragung Bewegung in eine festgefahrene Situation bringt. Die Schwaben haben es neulich vorgemacht. Sie haben abgestimmt. Nun versinkt ihr Stuttgarter Hauptbahnhof im anhydritdurchsetzten Boden, einem Mineral, das, wenn es längere Zeit mit Feuchtigkeit in Berührung kommt, um 50 Prozent anschwillt und unaufhaltsam alles zur Höhe oder zur Seite drängt, was in seiner Nähe ist. Ist das gemeint, wenn die Politiker nach Abstimmungen immer von erdrutschartigen Verlusten und politischen Beben sprechen?

Es gab übrigens auch schon Moderatoren im deutschen Unterhaltungsfernsehen, die sich chronisch in feuchtfröhlicher Champagnerlaune befanden, schließlich aufquollen und alle zur Seite drängten. Zu denen gehörte Thomas Gottschalk zwar nicht, aber seine Witze waren bisweilen so unterirdisch, dass sie durchaus an die zukünftigen Bahngleise des Stuttgarter Hauptbahnhofes erinnern. Deshalb ist es gerechtfertigt, die Nachfolgeregelung von „Wetten, dass...?“ in Volkes Hände zu legen. Es kann jedenfalls nicht angehen, dass Thomas Gottschalk Günther Jauch ins Spiel bringt, und der wird dann von Beruf Nachfolger. Man weiß doch, wie das endet: Herr Jauch schlägt mal flugs Herrn Gottschalk vor für seine Talkshow am Sonntag, und der Gebührenzahler nickt das ab und ein. So geht das nicht weiter! Alle Nachfolgeregelungen müssen fortan öffentlich abgestimmt werden. Wollen wir es dem Zufall überlassen, dass irgendein falscher Fuffziger aus dem DFB den echten Theo Zwanziger ersetzt? Nein. Theo Zwanziger soll derweil den History Channel moderieren, und die dunklen Geheimnisse hinter uralten Fußballspielen aufdecken. An die Urne, Bürger!

Erschienen in:
Ausgabe 50/2011
Redakteur:
Andreas Öhler (Redakteur)
Thema:
Das Unwesentliche
Stichworte:
Lebensstil