www.zeit.deProbe-Abo

Das Unwesentliche: Guttenberg

I’m so sorry!

Aus: Christ & Welt Ausgabe 48/2011

Raoul Löbbert entschuldigt sich beim ehemaligen Bundesverteidigungsminister. Und tritt zurück.

Er ist wieder da, Zeit für eine Entschuldigung. Sie ist überfällig, also bitte: Es tut mir leid! Ganz recht, mir tut es leid, Karl-Theodor. Ich gestehe, ich habe Witze auf deine Kosten gemacht. Es waren unzählige, über deinen Namen, deine Brille, deine Frau. Manche davon waren eine Eigenleistung, andere habe ich geklaut, ohne die Quelle anzugeben. Ich schäme mich. Was haben meine Witze nur aus dir gemacht? Der Kummer ist dir auf die Hüften geschlagen. Du siehst aus wie der junge Lothar Matthäus im Formtief. Ja, auch der Witz war geklaut. Es ist zwanghaft. Es geht nicht anders. Ich muss von dieser Glosse zurücktreten. Für Deutschland. Für die Ehre. Ein paar warme Worte noch, dann bläst mir meine Kollegin auf einer leeren Flasche den Zapfenstreich. Natürlich „Smoke on the Water“, in dem Song geht’s um Drogen, weißt du das? Lass es nicht so weit kommen, Karl-Theodor, das ist es nicht wert. Zu viele Menschen glauben bereits, dass die CSU nur eine andere Form der Beschaffungskriminalität ist. Vom Adel ganz zu schweigen. Achte auf dich! Weißt du nicht, dass Sigmar Gabriel auch so angefangen hat? Frustessen im Schatten der Macht, das ist das Schicksal der SPD. Willst du so enden, als Soze? Niemand will das! Deshalb mehr Strenge, mehr Brille, Seitenscheitel ist für Streber, die Parole lautet: Gel ins Haar, Soldat! Ja, ich hab gut reden, ich weiß. Ich hab nicht gedient und meine Zeit in diesem Amt läuft ab. Deshalb übergebe ich ein gemachtes Bett oder ein bestelltes Haus. Wie auch immer, ich komme wieder.

Erschienen in:
Ausgabe 48/2011
Redakteur:
Raoul Löbbert (Redakteur)
Thema:
Das Unwesentliche
Stichworte:
Lebensstil