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Ilse Aigner

Die Grünen haben sich dem Papst zugewandt

Aus: Christ & Welt Ausgabe 40/2011

Eines der wesentlichen Elemente der christlichen Lehre und meines Werteverständnisses ist die Bewahrung der Schöpfung.

Eines der wesentlichen Elemente der christlichen Lehre und meines Werteverständnisses ist die Bewahrung der Schöpfung. Dazu gehört, dass wir Christen verantwortungsbewusst unsere Umwelt gestalten, nutzen und schützen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Elend der unmittelbaren Nachkriegszeit lag der Fokus in Deutschland auf dem Wiederaufbau unseres Staates. Das wichtigste Ziel war die Sicherstellung der Ernährung der Bevölkerung und die Verbesserung der Lebensbedingungen. Es war die werteorientierte CSU, die bereits im Jahr 1970 dem verantwortungsbewussten Umgang mit unserer Umwelt eine Stimme auch im Regierungshandeln gab. In Bayern wurde in diesem Jahr das erste Umweltministerium in Deutschland gegründet. Die Grünen gründeten sich ein Jahrzehnt später.

Benedikt XVI. hat in seiner Rede die ökologische Bewegung in Deutschland begrüßt und betont, dass die Bedeutung der Ökologie inzwischen unbestritten sei. Er hat auch deutlich gemacht, dass er damit keine „Propaganda für eine Partei“ machen wolle. Im Vorfeld seines Besuches hatten die Grünen heftige Kritik geübt, dass der Papst im Bundestag überhaupt sprechen darf. Im Nachhinein sind dann aber die Grünen verstummt, haben Beifall gespendet und die Rede begrüßt. Der Papst ist daher gewiss kein Grüner. Vielmehr haben sich die Grünen jetzt dem Papst zugewandt und nicht der Papst den Grünen.

Ilse Aigner ist Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft
und Verbraucherschutz.

Erschienen in:
Ausgabe 40/2011
Redakteur:
Ilse Aigner (Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz)
Thema:
Großaufnahme
Stichworte:
Katholisch, Kirchen, Innenpolitik, Papst