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Horst Seehofer

Christentum ist unser gemeinsamer Nenner

Aus: Christ & Welt Ausgabe 40/2011

Der Heilige Vater hat in seiner beeindruckenden Rede mit seinen Worten zum Auftreten der ökologischen Bewegung in der Politik in den Siebzigerjahren einen tragenden Grundpfeiler des Christentums angesprochen

Der Heilige Vater hat in seiner beeindruckenden Rede vor dem Deutschen Bundestag mit seinen Worten zum Auftreten der ökologischen Bewegung in der deutschen Politik in den Siebzigerjahren einen tragenden Grundpfeiler des Christentums angesprochen: die Achtung vor der Schöpfung und den Schutz der Lebensgrundlagen der Menschen. Dieser zutiefst christliche Gedanke ist wichtige Grundlage unserer christlich-abendländisch geprägten Werteordnung. Ich teile die Einschätzung, dass die ökologische Bewegung dazu beigetragen hat, diesem Grundprinzip eine breitere und wahrnehmbarere Basis zu geben. Ökologie bei den Grünen ist allerdings nicht theologisch, sondern politisch hergeleitet.

Die Wirkung ist so grundverschieden nicht. Nachhaltig zu handeln ist richtig – unabhängig davon, ob es aus Achtung vor der Schöpfung oder als politisches Prinzip geschieht. Für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen hat deshalb keine politische Strömung das Copyright. Aber jede politische Partei muss sich daran messen lassen, wie sie mit der Achtung vor der Schöpfung umgeht. Das Prinzip der Nachhaltigkeit und die Wertegebundenheit politischen Handelns gehen übrigens weit über die Ökologie hinaus. Sie gelten für die Haushaltspolitik genauso wie für die Energiepolitik. Die Energiewende in Deutschland mit der Beschleunigung des Umstiegs in das Zeitalter der erneuerbaren Energien ist ein klares Bekenntnis zur Nachhaltigkeit. Wir wollen künftig Energie so erzeugen, dass die Generation, die davon profitiert, auch die Lasten trägt, nicht unsere Kinder und Enkel.

Und auch vor dem Hintergrund der internationalen Finanzkrise wird überdeutlich, dass die Orientierung an Werten und Nachhaltigkeit sich durch alle Politikbereiche ziehen muss. Denn fehlende Wertegebundenheit ist eine der Grundursachen für die Finanzkrise, die alle Welt in Atem hält. Auch das ist für mich eine Botschaft aus der Rede des Heiligen Vaters vor dem Deutschen Bundestag.

Horst Seehofer ist bayerischer Ministerpräsident und
Parteivorsitzender der CSU.

Erschienen in:
Ausgabe 40/2011
Redakteur:
Horst Seehofer (Bayerischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender)
Thema:
Großaufnahme
Stichworte:
Katholisch, Kirchen, Innenpolitik, Papst