Herder Fragen!
Gott im Internet
Aus: Christ & Welt Ausgabe 15/2011
„Wenn ich in der Suchmaschine Google das Wort ,Gott‘ eintippe, werden 92,4 Millionen Suchbegriffe angezeigt. Unter dem Stichwort ,Allah‘ sind es mehr als anderthalbmal so viel, nämlich 177 Millionen. Wie erklären Sie sich das?“

Dieser Unterschied hat zunächst sprachliche Gründe: Das Wort „Gott“ ist ein deutsches Wort. Das Wort „Allah“ findet sich in gleicher Schreibweise in vielen Sprachen, zum Beispiel auf Englisch, Französisch und Spanisch. Also wären die aussagekräftigen Vergleichsgrößen die Summe der Einträge für Gott, God, Dieu und Dios. Hinzu kommt, dass die christliche Gottesvorstellung auch Jesus (rund 436 Millionen Nennungen), Christus (13,2 Millionen Nennungen) und Heiliger Geist (1,3 Millionen Nennungen) umfasst. Auch die Gottesmutter Maria kommt auf eine beachtliche Trefferzahl. Abzuziehen wären all diejenigen Einträge für Gott, die sich auf den muslimischen Gott beziehen, denn in vielen deutschsprachigen muslimischen Texten wird sprachlich auf „Gott“ Bezug genommen. So beispielsweise in dem von Milad Karimi übersetzten Koran, den wir in unserem Verlag im Jahr 2009 veröffentlicht haben.
Diese Antwort ist gleichwohl unbefriedigend. Das liegt daran, dass das Internet digital funktioniert, der erste Eindruck also ein quantitativer und kein qualitativer ist. Der Satz „Gott ist tot“ führt etwa zu einem Eintrag bei „Gott“, stellt aber keine Zustimmung zu „Gott“ dar. Es ist wie im richtigen Leben: Wann immer ich mich verlegerisch einem neuen Thema nähere, mache ich es wie Sie und schlage Wörter, die zu dem Thema passen, in den gängigen Suchmaschinen nach. Oft bin ich danach genauso klug wie davor.
Ihre Frage kann ich aber auch auf einer anderen Ebene beantworten: Wir Menschen sind offensichtlich Suchende – Suchmaschinen sind wir nicht. Gott ist, jenseits von Google, die gesuchteste Wirklichkeit. Seit Jahrtausenden rufen Milliarden von Menschen ihn an, unter welchem Namen auch immer. Islamische Mystiker drücken im Bild von „Allahs hundert Namen“ sein Geheimnis aus. Juden sollen sich kein Bild von ihm machen und Christen betrachten ihn als den dreieinen Gott. Auf der Suche sind wir alle.
Und ein Wort zum lieben Gott:
Offenbarung hat sich, um es theologisch auszudrücken, unüberbietbar in Christus ereignet. Der entscheidende Akt ist gesetzt, und jetzt sind wir Menschen an der Reihe. Man fragt sich nur: Was macht jetzt der liebe Gott?
Manuel Herder leitet den Herder Verlag in sechster Generation. Stellen Sie ihm hier Ihre Leserfrage zu Gott und der Welt: herderpost@christundwelt.de





