Jacques Arnould
Ethik des Kosmos
Aus: Christ & Welt Ausgabe 01/2012
Als Astronom interessieren den ehemaligen Dominikaner immer noch die großen Fragen nach dem Ursprung des Seins
12. April 1961: Jacques Arnould ist erst ein paar Wochen alt, da rast Juri Gagarin über den nächtlichen Himmel. Von oben, von außen, betrachtet der mutige Sowjetpionier die Welt – und blickt hinaus ins All, hält Ausschau nach Gott. Bekanntlich ohne Erfolg. Jacques Arnould dagegen bleibt zeitlebens mit beiden Beinen auf der Erde. Er studiert Agrar- und Forstwirtschaft. Das reicht ihm nicht, er promoviert in Wissenschaftsgeschichte und Theologie, wird Dominikaner. Er will wissen, wie sich das Leben entwickelte, er will wissen, was der Mensch erfahren kann über den Kosmos und seinen Ort darin.
Den Orden hat Arnould inzwischen verlassen, den großen Fragen bleibt er treu, als Denker, Forscher, Autor. Kreationisten lesen seine Bücher mit Grauen. Denn Arnould verbindet die modernen Naturwissenschaften mit dem Glauben. Das ist alles andere als simpel. Arnould weiß, dass der Glaube fehlendes Wissen nicht ersetzen kann. Es wäre unverzeihlich, sich dem Fortschritt der Erkenntnis zu entziehen. „La seconde chance d’Icare“, hat Arnould ein Buch betitelt, „Die zweite Chance des Ikarus“. Arnould glaubt an diese Chance, an die Möglichkeit und die Pflicht, mehr zu wissen. Dummheit führt nirgends hin, auch nicht zu Gott.
Seinen weitgespannten Interessen geht Arnould an einem exklusiven Arbeitsplatz nach: Seit 2001 ist er Beauftragter für ethische Fragen am Centre national d’études spatiales (CNES), der französischen Raumfahrtagentur. Ethik des Weltraums, das klingt ein wenig nach Verhaltensregeln für Aliens. Dabei hat es Arnould mit ganz irdischen Fragen zu tun: Wie nützt die Weltraumforschung der Gesellschaft konkret? Wozu brauchen wir Weltraumlabore und Megateleskope? Wird die Menschheit weiser, wenn sie den Kosmos erkundet? Der Mensch, sagt Arnould, könne nicht alles wissen, doch die Wissenschaft könne der Menschheit helfen, sich besser zu erkennen und ihren Platz in der Natur, im Kosmos zu bestimmen. Wissenschaft mache alles dichter, glaubt Arnould.
Wenn nun wieder die Raketen in den Nachthimmel steigen, wird mancher Feiernde wohl an Gagarin denken, mancher vielleicht auch an Gott. Jacques Arnould könnte sich an den Sohn des Dädalus erinnert fühlen, der damals über den Himmel raste. Ikarus hat seine zweite Chance; er sollte sie nutzen.





