Das Motiv: Fama
Ende eines tollen Jahres
Aus: Christ & Welt Ausgabe 01/2012
Von Guttenberg bis Wulff: Nichts hat das Jahr so sehr bestimmt wie das Gerücht.
So was gab’s noch nie: Eine Partei demontiert ihre Galionsfigur, und ihr neuer Chef fährt den Karren vollends gegen die Wand. Oder: Ein Verteidigungsminister stürzt über „Fehler“ in seiner Doktorarbeit, um bald darauf zu reapparieren wie der Teufel aus der Kiste. Und dann dieser nicht ganz geradlinige Bundespräsident, der sich und sein freundschaftlich finanziertes Klinkerwunder mit Ach und Krach über den Advent rettet! Dinge wie diese waren bislang undenkbar. „Deutschlands Politiker 2011“ ist ein Stück aus dem Tollhaus, Tragödie und Farce zugleich. Das Publikum rauft sich die Haare über das Gestümper, Gestammel und Getue auf offener Szene. Nur eine frohlockt: Fama, die Göttin des Gerüchts. „Die haben doch alle Dreck am Stecken“, raunt sie, „die hängen alle zusammen, die Macher aus Medien, Macht und Management.“ Kein Rauch ohne Feuer, man kennt das ja. „Und übrigens: Haben Sie gehört, mit wem XY jetzt zusammen sein soll?“
Die alten Römer sehen Fama als Scheusal, sie ist „ein Übel, geschwinder als irgendein andres“, weiß Vergil. Federn, Augen, Ohren und Münder bedecken ihren Leib. Fama ist die totale Kommunikation, schnell, plausibel, allgegenwärtig, redundant. Und gefährlich, da sie Wahrheit und Lüge vermengt, bis alles eins ist. Wem soll man trauen, welchem Dementi glauben? Alles ist möglich, das lehrt 2011.
Nun, am Ende dieses sagenhaften Jahres, streut Fama die Mär, ein früherer Politiker habe ein Techtelmechtel mit einer gewesenen Würdenträgerin. Auch wenn nichts mehr undenkbar ist: Dies ist nachweislich falsch. Die Rechtsanwälte beider Seiten wedeln mit Unterlassungsklagen. Sie haben alle Hände voll zu tun, dank Famas Jobwunder geht’s ihnen prima. Für sie war es ein tolles Jahr. Gerüchten zufolge wird das nächste nicht schlechter.





