Herder Fragen
Ein Abschiedswort zum lieben Leser
Aus: Christ & Welt Ausgabe 52/2011
Zum letzten Mal schreibt Manuel Herder diese Woche seine Kolumne in Christ & Welt. Seine Gedanken zum Ende einer Ära.

Der Kernphysiker Heinz Maier-Leibnitz sagte mir bei einem Abendessen in Allensbach am Bodensee einmal, er sei regelmäßiger Raucher, und er fügte schmunzelnd hinzu, er rauche jedes Jahr an Silvester eine Zigarre. Streng naturwissenschaftlich ist damit der Zustand der Regelmäßigkeit erreicht, auch wenn sie im Gegensatz zum regulären Verständnis des regelmäßigen Rauchens steht. Insbesondere, da sie mit dem Jahreswechsel in Zusammenhang stand, habe ich mir die fröhliche Bemerkung gemerkt und mir seither immer einen Vorsatz für das neue Jahr vorgenommen – nämlich den, mir für das neue Jahr keine Vorsätze vorzunehmen. Seitdem bin ich ein konsequenter, ja richtiggehend vorbildlicher Umsetzer meines alljährlichen Neujahrsvorsatzes. Es gab lediglich eine Ausnahme. Diese hat Patrik Schwarz von der „Zeit“ bei mir durchgesetzt, als er beschloss, ich solle mir vornehmen, ein Jahr lang im „Rheinischen-Merkur“-Nachfolger Christ & Welt eine Leserfrage zu beantworten und meine Gedanken zum lieben Gott in einem „Wort“ zu bündeln. Letzteres habe ich gerne getan. Ersteres erinnerte mich zuweilen an die Geschichte von dem Pfarrer, der dem Vorwurf, seine Predigten seien etwas langweilig, mit folgenden Worten begegnet ist: Einmal gut predigen könne jeder, 52-mal pro Jahr sei das schon viel schwieriger…
Doch predigen wollte ich mit dieser Kolumne nie. (Und ich hoffe, dass dieser Eindruck bis heute auch nicht entstanden ist.) Eher wollte ich mal augenzwinkernd, mal ernsthaft einen Gedanken ins Wort bringen, der Ihre Fragen aufgreift – und manches Mal vielleicht darüber hinausging. Sicherlich bin ich Ihnen dabei aber auch hin und wieder eine Antwort schuldig geblieben. Trotzdem hoffe ich, dass Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, der eine oder andere Text aus meiner Feder gefallen hat. Ich verabschiede mich an der Stelle von Ihnen und Christ & Welt, dieser Zeitung in der Zeitung, der ich auch für die Zukunft alles Gute und viele Leser wünsche. Als kleine Überraschung zum Abschied habe ich mein letztes Wort zum lieben Gott (zumindest in diesem Zusammenhang) bei einem anderen Autor „geliehen“. Denjenigen von Ihnen, die den tatsächlichen Autor erkennen und mir seinen Namen an herderpost@christundwelt.de schicken, werde ich einen Buchgruß aus unserem Verlagsprogramm senden.
Herzlichst, Ihr Manuel Herder
Das Wort zum lieben Gott
Ach Herr, du Schöpfer aller Ding,
wie bist du worden so gering,
dass du da liegst auf dürrem Gras,
davon ein Rind und Esel aß.





