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Volksmusik

Die Niedertracht ersetzt das Dirndl

Aus: Christ & Welt Ausgabe 40/2011

Es kracht in der krachledernen Volksmusik! Die letzte Bastion kleinbürgerlicher Glückseligkeit gerät ins Wanken.

Es kracht in der krachledernen Volksmusik! Die letzte Bastion kleinbürgerlicher Glückseligkeit gerät ins Wanken. Fester stand sie als Karawanken und Karwendel. Bis das Traumpaar der deutschen Folklore, Stefanie Hertel und Stefan Mross, seine private Trennung bekannt gab. Dass uns diese Nachricht ausgerechnet kurz vor dem 21. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung ereilt, macht sie zum Politikum. Begann die Karriere der Vogtländerin Hertel nicht als Sechsjährige mit ihrem „Teddybärjodler“ im DDR-Fernsehen? Just im Vereinigungsjahr 1990 traf sie doch auf den bayerischen Trompeter Mross, der später ihr Partner auf der Bühne und in der Ehe wurde. Hier wuchs doch endlich einmal zusammen, was zusammengehört! War am Ende alles bloß Fassade? Und wenn schon! Der Sozialismus im SED-Staat war auch nur reine Fassade und hat trotzdem 40 Jahre gehalten. Nur nicht auf halben Weg schlappmachen!

Doch schon trifft uns der nächste Schock: Hansi Hinterseer will in seiner Heimatstadt Kitzbühel keine Fanwanderungen mehr veranstalten. Üble Nachrede ist der Grund, die ihm Geldgier unterstellt. Die böse Welt bemächtigt sich nun der heilen Welt! Die Niedertracht ersetzt bald das Dirndl, die Unterwanderstiefel die Bergschuhe. Jeder Zitherabend wird zur Zitterpartie, weil man nicht weiß, ob dort bald andere Saiten aufgezogen werden. Wir hätten es wissen müssen: Die Schönheit der Berge gibt es nicht ohne Abgründe.

Erschienen in:
Ausgabe 40/2011
Redakteur:
Andreas Öhler (Redakteur)
Thema:
Das Unwesentliche
Stichworte:
Kultur