Katholizismus
Der Papst ist beliebter als seine Kirche
Aus: Christ & Welt Ausgabe 12/2011
Die Vertrauenswerte für die Kirche sind „ernst, aber nicht hoffnungslos“, sagt Forsa
Die Stimmung gegen den Papst ist in Deutschland nicht so feindselig, wie manche meinen. Fast ein Drittel der Deutschen haben nach wie vor ein hohes Vertrauen in Benedikt XVI. Dies ermittelte das Meinungsforschungsinstitut Forsa für sein neues „Vertrauensbarometer 2011“. Befragt wurden dafür im Februar dieses Jahres 2000 repräsentativ ausgewählte Personen. Die Zahlen, die Christ & Welt exklusiv vorliegen, sind in mehrerer Hinsicht überraschend. Demnach haben 29 Prozent aller Deutschen „großes Vertrauen“ zum Papst. Das sind zwar neun Prozentpunkte weniger als im vergangenen Jahr, aber der Papst genießt damit immer noch deutlich mehr Vertrauen als Manager (12 Prozent) oder Parteien (18 Prozent). An der Spitze der Rangfolge liegt der Bundespräsident. Ihm schenken Forsa zufolge 62 Prozent ihr Vertrauen.
Von den befragten Katholiken hält etwa jeder zweite den Papst in hohem Maße für glaubwürdig. Die katholische Kirche als Institution hat dagegen insgesamt eingebüßt. 21 Prozent der Deutschen halten sie für vertrauenswürdig, im Vorjahr waren es noch 29 von 100 Befragten. Von den Katholiken bekunden dies 45 Prozent, das sind elf Prozentpunkte weniger als 2010. Der Papst ist also sowohl bei Katholiken als auch bei der ganzen Gesellschaft beliebter als seine Kirche. Forsa-Geschäftsführer Joachim Koschnicke hält deswegen die Visite des deutschen Papstes in seiner Heimat im Herbst für eine Chance für die Kirche, verlorenes Land wieder gutzumachen und Ansehen zurückzugewinnen. „Der Papstbesuch kann eine große Hilfe sein, wenn es ihm gelingt, Sinnstiftung in einer scheinbar haltlosen Zeit zu vermitteln und die Kirche wieder glaubhaft als Ort der Seelsorge und der Antworten zu beschreiben.“
Die Vertrauenswerte für die Kirche seien „ernst, aber nicht hoffnungslos“, so der der Forsa-Mann. Die Wucht der Erschütterung hätte nach dem Jahr des Missbrauchsskandals zu einem „sehr viel dramatischeren Vertrauensverlust führen können“. Die Stellung des Papstes in der deutschen Bevölkerung und bei den Katholiken habe geholfen, den Absturz in der Gunst der Befragten abzubremsen. Es spreche auch für die Aufarbeitung der Kirche, dass die Werte nicht noch schlechter seien. „Jetzt ist sehr, sehr viel ehrliche Arbeit und der Blick nach vorne notwendig“, meinte Koschnicke gegenüber Christ & Welt.





