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Til Schweiger

Das Attentat

Aus: Christ & Welt Ausgabe 7/2011

Mit einschlägigen Filem vorbestraft, kämpft der Schauspieler um einen Internetpranger für Sexualstraftäter.

Til Schweiger ist ein in jeder Hinsicht leicht erregbarer Mensch. In der Talksendung von Markus Lanz wetterte er kürzlich gegen die „Tätergesellschaft“, die partout nicht einsehen wolle, wie viel besser eine Registrierung von Sexualstraftätern für die Volksgesundheit sei. Die Reaktionen auf seinen Ausfall waren, so Schweiger, zu 99 Prozent positiv. Sogar Stephanie zu Guttenberg habe ihm eine SMS geschrieben. Die ist bekanntlich zu 99 Prozent Kriegergattin und zu einem Prozent TV-Moderatorin und durfte sich bereits mit der RTL-2-Sendung „Tatort Internet“ in die Gewaltverbrecherkartei der deutschen Abendunterhaltung eintragen. Auch Til Schweiger ist mit Filmen wie „Manta, Manta“ und „Keinohrhasen“ einschlägig vorbestraft. Beide wollen nun für den „Internetpranger“ für Sexualstraftäter kämpfen und drohten an, gemeinsam eine Fortsetzung zu „Kokowääh“, dem aktuellen Schweiger-Film, zu drehen, wenn ihrer Forderung nicht augenblicklich Folge geleistet wird.

Das politische Berlin zeigte sich bestürzt. Hans-Christian Ströbele (Die Grünen) forderte im Falle eines neuerlichen Schweiger-Films einen Untersuchungsausschuss, der prüfen soll, wie es zur Katastrophe kommen konnte. Um das Schlimmste zu verhindern, erwägt die Linke gleichzeitig, die gesamte männliche Bevölkerung als reale oder potenzielle Sexualstraftäter der Guttenberg/Schweiger-Bande vorab auszuliefern; Gregor Gysi, Klaus Ernst und Oskar Lafontaine sollen bereits von der neuen Parteispitze um Sahra Wagenknecht übergeben worden sein. In einer ergreifenden Fernsehansprache bereitete derweil Kanzlerin Merkel die Nation auf „Kokowääh 2“ vor: Der Westen dürfe nicht einknicken vor der Forderung der Extremisten, so Merkel. Er müsse seine freiheitliche demokratische Grundordnung verteidigen und dafür auch Opfer in Kauf nehmen.

Erschienen in:
Ausgabe 7/2011
Redakteur:
Raoul Löbbert (Redakteur)
Thema:
Das Unwesentliche
Stichworte:
Kultur, Ethik, Lebensstil