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Kollekte - Das Religionsblog

Mutmaßungen über die Gewalt

27.07.2011 | Christiane Florin | 0 Kommentar(e)

Erst christlich-fundamentalistisch, dann irgendwie rechts: Wer lieferte die geistige Munition?

Eigentlich hätte es in dieser Woche eine Großaufnahme zum Thema Wunder geben sollen. Zur Sehnsucht nach dem Unerklärbaren also. Das Massaker in Norwegen hat uns ein anderes Hauptthema diktiert. Seit vergangenem Freitag suchen Ermittler und Journalisten nach Erklärungen. Wie immer interessiert der Täter, der noch mutmaßlich genannt wird, mehr als die Opfer. Was hat er gelesen, gehört und geschrieben? Wen wollte er treffen? Die Namen möglicher Ideengeber kursierten schnell. Richard Rorty und Immanuel Kant sind darunter, aber auch der Publizist Henryk M. Broder taucht im sogenannten Manifest auf. Broder hat sich sogleich gewitzt gegen den Vorwurf gewehrt, geistige Munition geliefert zu haben.

Doch Spuren, die überdeutlich gelegt werden, verraten wenig. Vielleicht sollen sie ablenken. Je mehr Denkernamen kursieren, desto geringer wird die
Chance, in den herbeizitierten Schriften eine Erklärung zu finden. Die Schnell-Rubrizierungen in den Nachrichten wechseln stündlich: Christlichfundamentalistisch soll die Tat motiviert sein, dann nationalistisch, schließlich einigt man sich auf irgendwie „rechts“ und islamfeindlich.

Auch Christ & Welt ist nicht frei von provisorischen Sortierungsversuchen. Gibt es einen religiösen und politischen Humus für die Tat? Oder explodierte da ein individuell gefertigter ideologischer Sprengsatz? Unsere Autoren kommen zu verschiedenen Antworten. Ja, es gibt eine große anti-islamische
Szene, aber die Beweislage für Anstiftung zum Mord ist dünn. Ja, Norwegen, die Heimat blutrünstiger Krimis, war nicht das gewaltabstinente Paradies,
als das es aus der Ferne erscheint, aber absehbar war dieser Massenmord mitnichten.

Gut möglich, dass Sie, liebe Leser, schon knapp eine Woche danach genug
haben von den Deutungsversuchen. Dass Sie an dieser Stelle denken: „Ich
hätte nach so viel Schrecklichem lieber etwas über Wunder gelesen.“ Sie sind nicht allein. Einer der Wunder-Autoren kommentierte die vorläufige Absage mit der Frage: „Stehen Wunder nicht immer schräg in der Landschaft?“ Unsere Antwort haben wir gegeben. Ihre interessiert uns.

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