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Kollekte - Das Religionsblog

Ist das dann noch Ökumene?

07.09.2011 | Christiane Florin | 0 Kommentar(e)

Warum Protestanten gern über Katholiken herziehen. Und umgekehrt

Während ich diese Zeilen schreibe, dichtet mein Kollege Andreas Öhler gerade aus dem Stegreif: „Tattergreis trifft junge Schöne, ist das dann schon Ökumene? Wenn ich Begriffe überdehne, ist das dann auch Ökumene?“ Vielleicht tut es etwas zur Sache, vielleicht nur zur Person: Kollege Öhler bekennt sich zum Protestantismus, ich zum Gegenteil. Er darf sich auf alles spontan einen Reim machen, ich warte erst einmal ab, was Rom dazu sagt. Er erzählt von Pfarrerinnen, die sich aus Protest gegen den neuen Stuttgarter Bahnhof um eine Blutbuche zum Gebet versammeln. Ich kontere mit der Geschichte einer Marienwallfahrt, die um 17 Uhr mit dem Satz „Genug gebetet!“ in einem Tanzlokal endet. Und so werkeln wir vor uns hin in, wie sagt man noch gleich bei diesem Thema, versöhnter Verschiedenheit

Nun ist für Journalisten außerhalb des eigenen Büros nichts langweiliger als Versöhnung. Als Margot Käßmann im vergangenen Jahr wissen ließ, sie erwarte vom Papst ökumenisch nichts, war das mehr Kommentarzeilen wert als alle Berichte der Gemeinsamen Arbeitsgruppe der römisch-katholischen Kirche und des Ökumenischen Rates der Kirchen zusammen. Dem „Chrismon“-Kollegen Arnd Brummer verdanken wir einen spannenden Montag. Er hat im neusten Heft geschrieben, warum er von der katholischen in die evangelische Kirche gewechselt ist. Man könnte auch nicht ganz so
versöhnlich sagen: warum er die katholische Kirche doof findet. Der Text soll Appetit machen auf sein neues Buch. Das wiederum könnte die Rache dafür sein, dass Matthias Matussek in seinem Bestseller „Das katholische Abenteuer“ alles nicht ganz so Intelligente den Protestanten anlastet.

Ralf Meister, Käßmanns Nachfolger als Bischof von Hannover, hat in einem Interview mit der „FAS“ bedauert, dass Debatten die theologische Substanz fehlt. Christ & Welt hat vergangene Woche eine Debatte begonnen, die trotz des Vegetariers im Titel an die Fleischtöpfe geht. Diese Woche setzen wir sie fort. Andreas Öhler reimt noch immer unverdrossen: „Wenn wir streiten wir die Hähne, ist das dann noch Ökumene?“

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