Kollekte - Das Religionsblog
Die Sehnsucht nach den verlorenen Söhnen
21.07.2011 | | 0 Kommentar(e)
Es lohnt sich, jedem Menschen, der die Kirche verlassen hat, die Rückkehr zu erleichtern
Manchmal können auch kleine Zahlen große Wirkungen verursachen. Wie Christ & Welt jetzt aus verlässlicher Quelle erfuhr, traten im vergangenen Jahr 3500 Menschen in die katholische Kirche ein, und 7400 kehrten in ihren Schoß zurück. Das ist eine gute Nachricht angesichts der steigenden Austrittszahlen, auch wenn die Eintrittszahlen 2009 und 2008 höher lagen. Statistiker könnten nun zu Recht einwenden, dass die Summe der Eintritte im Vergleich zu den Austritten – im vergangenen Jahr summierten sich diese nach Recherchen von Christ & Welt auf 180 000 – nur rund fünf Prozent ausmacht und damit eine zu vernachlässigende Größe ist.
Doch die evangelische Kirche zeigt, dass das Gegenteil der Fall sein kann.
Sie schaffte es, allein ihre Wiederaufnahmen auf über 20 000 Seelen pro
Jahr zu steigern. Mit anderen Worten: Es lohnt sich, jedem Protestanten, der
seiner Kirche den Rücken gekehrt hat, die Rückkehr zu erleichtern. Diese Einsicht lässt sich eins zu eins auf das katholische Universum übertragen.
Schließlich wächst auch bei den Katholiken die Zahl der Kirchenaustritte.
Wäre es nicht an der Zeit, sich gerade um die Menschen zu kümmern, die trotz aller Distanz noch über eine religiöse Heimat verfügen? Schließlich können sich Lebensumstände ändern, Tabus brechen und Stimmungen schwanken. Söhne und Töchter, die das Haus verlassen haben, empfinden eher Sehnsucht nach ihren Wurzeln als agnostische Zeitgenossen, die Kirchen lediglich als architektonisch beeindruckende Gebäude betrachten. Sie sollten nicht wie arme Abtrünnige, sondern wie gestandene Ehemalige behandelt werden.
Dies setzt allerdings die Einsicht voraus, dass es notwendig und richtig ist,
auf dem religiösen Markt für sich zu werben. Die Kirchen brauchen sich dabei
mit ihrer Botschaft nicht zu verstecken. Im Gegenteil: Sie sollten die allgemeine Sehnsucht nach einem gnädigen Gott und einem sinnstiftenden Leben mit dem Evangelium beantworten. Die Frohe Botschaft ist allerdings
nur dann glaubwürdig, wenn sie von ihren Verkündern auch gelebt wird. Die Zahl der Wiedereintritte zeigt, dass die Signale gehört werden. Doch sie könnten stärker sein.


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