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Kollekte - Das Religionsblog

„Die Kirche darf kein reiner Männerklub sein“

24.08.2011 | Christiane Florin | 0 Kommentar(e)

Frisch, fromm und frei: Der Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki wirbt für Frauen in Führungspositionen

„Rainer Maria wer?“ haben wir vor einigen Wochen getitelt. Das Fragezeichen galt weniger dem neuen Erzbischof von Berlin als jenen Journalisten, die Rainer Maria Woelki schon zu kennen glaubten, bevor sie ihm eine einzige Frage gestellt hatten. Weihbischof in Köln, Promotion an der Opus-Dei Universität, ein Satz zu Homosexualität – das reichte, um den 55-Jährigen als erzkonservativ einzusortieren. Er werde trotz runder Brille überall anecken in der liberalen Hauptstadt, prognostizierten Kollegen.

Mittlerweile hat sich der Neue vielen Interviews gestellt, er hat Fragen der Katholische Nachrichtenagentur (KNA) beantwortet, er war in „Bild“, „Welt“ und „taz“. Er ist medial wer. Ein anderer als vor wenigen Wochen: Nun kommt er als beweglicher Bischof von nebenan rüber, als Kirchenmann, der U-Bahn fährt, im Wedding wohnt und mit dem man über alles reden kann. Mancher Hirte bürstet rüde den Interviewer ab, wenn die Erregungsklassiker Frauenweihe, Zölibat und Homosexualität zur Sprache kommen. Was lehramtlich entschieden sei, sei entschieden. Basta. Ob aus Überzeugung oder nach kluger Medienberatung: Rainer Maria Woelki ist kein Basta-Bischof. Im KNA-Interview sagt er zum Beispiel: „Die Kirche darf kein reiner Männerklub sein.“ Männerklub – das Wort gehört eher zum Vokabular hauptamtlicher Kleruskritiker. Geistliche benutzen es bisweilen auch, die Karrierebewussten unter ihnen autorisieren es jedoch nicht für ein gedrucktes Interview.

Freundliches zur Frauenordination lässt sich der neue Bischof nicht entlocken, er kündigt aber an, mehr weibliche Führungskräfte für die Kirche zu rekrutieren. Wie das aussehen könnte, hat Christ & Welt in der Ausgabe 21 mit einem Blick ins Nachbarland gezeigt. In der Schweiz nämlich sind Frauen als Gemeindeleiterin und Dekaninnen auch Vorgesetzte von Priestern. Eine Folge des eidgenössischen Staatskirchenrechts und eine Folge des Priestermangels. Wahrscheinlich sind Frauen nicht die besseren Menschen. Aber wenn die Männer schwächeln, dürfen sie wenigstens beweisen, dass sie nicht schlechter sind.

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